Gemälde im Amtszimmer
20. Oktober 2011
Dresden vom linken Elbufer unterhalb der Augustbrücke (entstanden zwischen 1751 und 1753) von Bernardo Belletto, genannt Canaletto
© Steffen Kugler
Über der Sitzgruppe:
"Dresden vom linken Elbufer unterhalb der Augustusbrücke" (1751/53 von Bernardo Bellotto, genannt Canaletto)
Öl auf Leinwand, 95 x 165 cm
Leihgabe der Staatlichen Kunstsammlung Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister
Das Bild Canalettos ist die berühmteste Ansicht Dresdens in der Kunstgeschichte. Es zeigt Dresden als Ort, an dem der Barock in Deutschland seine schönsten städtebaulichen Früchte getragen hat; Dresden als Stadt der Künste, der Kultur, der Zivilisation, des Geistes. Dresden als Hauptstadt des stolzen Sachsen.
Gleichzeitig ist Dresden als zerstörte Stadt im Zweiten Weltkrieg ein Symbol für Erinnerung und Mahnung. Schließlich steht das Bild auch für Europa. Ein Italiener hat es gemalt und den Dresdnern und allen Deutschen dieses Bild der Stadt geschenkt - und gleichzeitig hat Canaletto als großer Meister von Stadtansichten einen europäischen Blick auf die Stadt gebracht, den es so vorher nicht gegeben hat.
Canaletto (geb. 1722 in Venedig, gest. 1780 in Warschau), eigentlich Bernardo Bellotto nannte sich wie sein Onkel, bei dem er in die Lehre ging, Canaletto. 1747 berief ihn August III., Kurfürst von Sachsen und König von Polen, nach Dresden. Hier war er fast 20 Jahre als Hofkünstler tätig, unterbrochen von Stationen in München und Wien. Ab 1767 in Warschau am Hof des polnischen Königs Stanislaw August Poniatwoski.
Über dem Schreibtisch:
"Italienische Landschaft" (1798 von Adolf Friedrich Harper)
Öl auf Leinwand, 97 x 152,5 cm
Leihgabe der Staatlichen Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie
Dieses Gemälde ist als Gegenstück zum Canaletto ausgesucht. Zu sehen ist eine italienische Landschaft, gesehen mit deutschen Augen. Auf den ersten Blick ist die künstlerische Impression gar nicht so verschieden - das zeigt schon ein wenig von der europäischen Gemeinsamkeit im künstlerischen Blick auf die Welt. Das Bild zeigt die deutsche Sehnsucht nach Italien und der dortigen Lebensart und ergänzt den Blick Canalettos auf die Zivilisation des Nordens. Der Dialog, in den diese beiden Bilder treten, steht symbolisch für den Dialog der Kulturen als ein großes Anliegen unserer Zeit.
Harper (geboren 1725 in Berlin, gestorben 1806 in Berlin) wurde von Goethe ein "geborenen Landschaftsmaler" genannt. Studienaufenthalte in Frankreich und Italien, 1752-1757 in Rom. 1759 zum Hofmaler in Württemberg ernannt, später auch Professor an der Kunstakademie in Stuttgart. Seit 1798 in Berlin, Ehrenmitglied der Berliner Akademie der Künste. Harpers Landschaftsdarstellungen sind vor allem von den künstlerischen Erfahrungen in Italien geprägt. Daneben malte er auch zahlreiche Stillleben, Gemälde über Türen oder Portalen, und Dekorationsstücke für das Theater.
Im Amtszimmer empfängt der Bundespräsident seine Gäste aus dem In- und Ausland zu Gesprächen. Im Rahmen eines Staatsbesuches werden hier Orden oder Geschenke ausgetauscht.
Rechts neben dem Canaletto-Gemälde:
"Landschaft mit dem Mühlstein" (um 1710 von Christoph Ludwig Agricola)
Öl auf Leinwand, 84 x 67 cm
Leihgabe der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister
Agricola (geboren 1667 in Regensburg, gestorben 1719 in Regensburg) ist einer der wichtigsten deutschen Landschaftsmaler des Barocks. Seine zahlreichen Reisen zeigen die enge kulturelle Verflechtung in Europa am Beginn des 18. Jahrhunderts. Reisen führten ihn nach Frankreich, Holland, England und Italien, wobei er in Italien in Neapel und Rom arbeitete.
Auf der Fensterseite:
"Bildnisse des Ehepaars Schadow (Marianne und Johann Gottfried Schadow)" (1795 von Friedrich Georg Weitsch)
Pendants, Öl auf Leinwand, je 60,5 x cm
Leihgaben der Staatlichen Museen Berlin, Alte Nationalgalerie
Weitsch (geboren 1758 in Braunschweig, gestorben 1828 in Berlin) studierte in Kassel und Düsseldorf, Studienaufenthalte in Italien und Amsterdam, ab 1778 Hofmaler in Braunschweig. Seit 1794 Mitglied der Königlich Preußischen Akademie Berlin, 1797 zum Hofmaler in Berlin berufen. Enge Freundschaft mit Johann Gottfried Schadow, dem bedeutendsten Bildhauer des Berliner Klassizismus, der u. a. 1793 die Quadriga für das Brandenburger Tor schuf.

