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Walter Scheel (1974 - 1979)

Bundespräsident Walter Scheel 1976 in Finnland © BPA

Walter Scheel wurde am 8. Juli 1919 in Solingen geboren. Nach dem Abitur absolvierte er eine Banklehre. Im Zweiten Weltkrieg war er bis 1945 als Oberleutnant der Luftwaffe eingesetzt. Anschließend arbeitete er in der Stahlwarenfabrik des Vaters seiner ersten Ehefrau Eva, ab 1953 als selbstständiger Wirtschaftsberater in Düsseldorf. 1958 wurde er Geschäftsführer der von ihm mitgegründeten "Interfinanz GmbH".

Seine politische Karriere begann Walter Scheel 1946 durch seinen Beitritt zur FDP. Zunächst wirkte er als Stadtverordneter in Solingen, anschließend als Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen, bis 1974 als Bundestagsabgeordneter, zwei Jahre lang auch als Vizepräsident des Deutschen Bundestages. Parallel dazu gehörte er zunächst zwei Jahre lang der Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl an und von 1958 bis 1961 dem Europaparlament. 1961 wurde er der erste Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und blieb dies auch in den Kabinetten Erhard.

1968 übernahm Walter Scheel den Vorsitz der FDP.

Walter Scheel liest Zeitung Walter Scheel auf dem FDP-Parteitag in Freiburg 1972

In der sozialliberalen Koalition ab 1969 war er als Außenminister auch für die umstrittene Ostpolitik und den deutsch-deutschen Grundlagenvertrag verantwortlich.

Walter Scheel am Rednerpult im Bundestag Außenminister Walter Scheel bei der Bundestagsdebatte über den Grundlagenvertrag 1973

Weitreichende Prominenz erlangte er 1973, indem er für die Aktion Sorgenkind das Lied "Hoch auf dem Gelben Wagen" auf Schallplatte sang. Allein bis zum Frühjahr 1974 wurde die Platte über 300.000 Mal verkauft.

1974 wurde Scheel zum Bundespräsidenten gewählt. Seine Präsidentschaft zeichnete sich bei allem Drang zu klaren Worten immer durch sein Streben nach Ausgleich aus. Er setzte sich für mehr soziale Mitwirkungsrechte der Bürger ein. Oft wandte Scheel sich in seinen Reden an die jungen Menschen, die er zum Engagement ermutigte, aber auch ermahnte, aus den Verfehlungen der älteren Generationen ihre Lehren zu ziehen.

Walter Scheel mit Kindern, die Luftballons halten Walter Scheel im Jahr des Kindes 1979

Bemerkenswert ist seine Rede von 1976, in der er Richard Wagner gleichberechtigt in eine Reihe anderer bekannter Komponisten des ausgehenden 19. Jahrhunderts einordnete. Vor der versammelten Bayreuther Festspielgesellschaft wies er darauf hin, dass die Deutschen gelernt haben sollten, sich weder einem Mann, einem Werk oder einer Nation völlig zu unterwerfen, und erteilte damit dem Wagner-Mythos eine klare Absage.

Walter Scheel sitzt mit einer Medaille um den Hals 1977 erhielt Walter Scheel den Karlspreis

Außenpolitisch betonte er immer wieder die Bedeutung eines geeinten Europas für den Erhalt von Frieden und Demokratie.

Walter Scheel mit Leonid Breschnew Bundespräsident Walter Scheel mit Leonid Breschnew 1978

Nach seiner Amtszeit engagierte sich Scheel in einer Vielzahl von Ehrenämtern und Gremien.

Walter Scheel mit Fotoapparat vor der Oper von Sydney Walter Scheel 1978 vor der Oper von Sydney

Am 2. September 1966 starb nach 24-jähriger Ehe seine erste Frau Eva Charlotte, geb. Kronenberg. 1969 heiratete er die Röntgenologin Dr. Mildred Wirtz, die später die Deutsche Krebshilfe ins Leben rief. Mildred Scheel starb am 13. Mai 1985.

Walter und Mildred Scheel mit einem Hund auf dem Arm Walter und Mildred Scheel

Familie Scheel Familie Scheel

1988 heiratete er Frau Barbara Wiese. Walter Scheel starb am 24. August 2016. Er war evangelisch und hinterlässt vier Kinder.