Ansprache von Eva Luise Köhler beim Neujahrsempfang
Sehr herzlich möchte ich Sie im neuen Jahr 2010 zum Neujahrsempfang begrüßen. Es ist der erste Empfang, der nun in der zweiten Amtszeit des Bundespräsidenten stattfindet, und für etliche von Ihnen ist es bereits zur Tradition geworden, sich hier im neuen Jahr zusammenzufinden. Viele andere sind zum ersten Mal hier zu Gast. Ihnen allen, meine sehr geehrten Damen und Herren, gilt auch im Namen meines Mannes ein herzliches Willkommen in Schloss Bellevue.
Neujahrsempfänge bieten sich an, Vergangenes zu betrachten und gemeinsam kommenden Zeiten entgegenzublicken. Lässt man das Jahr 2009 Revue passieren, so hat jeder von uns sicherlich seine ganz persönlichen Erinnerungen an die letzten zwölf Monate. Viele von Ihnen sind mit ihren Familien erst neu nach Deutschland gekommen und haben sich in Berlin ein neues Zuhause aufgebaut. Ich hoffe, dass Sie sich hier wohl fühlen und Sie sich in unserem Land schnell einleben werden. Mit der wunderbaren Unterstützung der Damen und Herren von "Willkommen in Berlin" und des "Ambassadors Clubs" wird Ihnen der Start in Ihrer neuen Heimat sicherlich etwas erleichtert.
Vermutlich ließ ein Thema, das im Jahr 2009 in aller Munde war, die meisten von uns nicht unberührt; das Thema der Krise der Finanzmärkte. Diese Krise zwingt uns immer noch, über die Maßstäbe unseres bisherigen und zukünftigen Handelns nachzudenken. Umso wichtiger sind Werte, die Bestand haben und gerade in Krisenzeiten wieder einen besonderen Stellenwert erhalten. Es sind Werte des Miteinanders, des Gemeinschaftssinns, das sich Sorgen um andere, die Achtsamkeit gegenüber unseren Mitmenschen. Solche Werte haben Bestand.
Ich möchte Ihnen in diesem Zusammenhang eine Anekdote aus meiner Kindheit erzählen. Damals war es üblich, ein Poesiealbum zu führen. Als Mädchen war ich also im Besitz eines solchen Büchleins, in das sich Freundinnen, Eltern und Verwandte mit Wünschen und Lebenssprüchen eintrugen. Diese Sätze waren Wünsche für die Zukunft. Einer der Sätze, der mir von einer Freundin in dieser Weise mit auf den Weg gegeben wurde lautete:
"Willst du glücklich sein im Leben,
trage bei zu andrer Glück,
denn die Freude, die wir geben,
kehrt ins eigne Herz zurück."
In meinen vielen Gesprächen mit ehrenamtlich Engagierten hat sich dieser Satz immer wieder bestätigt. Und heute sind viele Gäste unter uns, die sich im genannten Sinne zum Handeln berufen fühlen. Die sich im Rahmen eines Ehrenamtes engagieren und so ihren Beitrag zum Glück anderer, zum Gemeinwesen leisten. Ich danke Ihnen für dieses Engagement und appelliere an Sie: Lassen Sie nicht nach in Ihrem Wirken und kümmern Sie sich weiterhin. Gerade in Zeiten der Verunsicherung ist es wichtig, aufeinander zu achten und auf seine Mitmenschen zuzugehen.
Ehrenamtlichkeit hat viele Nuancen; sei es im sozialen oder kulturellen Bereich, sei es im Sport oder bei Hilfsdiensten. Jeder hat also die Möglichkeit, sich mit seinen besonderen Erfahrungen und Fähigkeiten - unabhängig vom Alter - einzubringen. Und das Schönste dabei ist: Jeder der ein Ehrenamt ausübt, jeder einzelne, der sich engagiert, bekommt durch ein Dankeschön oder strahlende Augen immer wieder ein Stück geschenktes Glück zurück. Jeder von uns kennt dieses wunderbare, befriedigende Gefühl, etwas für andere getan zu haben.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein friedvolles und erfolgreiches neues Jahr 2010.
