Drei Fragen - drei Antworten: dpa-Interview mit Eva Luise Köhler zum 60. Jubiläum des Müttergenesungswerks
Eva Luise Köhler ist Schirmherrin des Müttergenesungswerkes, das am 31. Januar 60 Jahre alt geworden ist. Mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sprach die 63-Jährige über Probleme heutiger Mütter und Hilfsangebote, die vielen Frauen noch zu wenig bekannt sind.
dpa: Frau Köhler, warum stehen Mütter nach wie vor unter besonderem Druck?
Eva Luise Köhler: Die Frauen wollen und müssen heute Familie und Beruf unter einen Hut bringen. Sie wünschen sich Gleichstellung in der Partnerschaft und in der Familienarbeit. Aber die Realität zeigt, dass sie zu großen Teilen immer noch die Hauptverantwortung für den Innerbetrieb der Familie tragen. Von der Gesellschaft wird suggeriert, das sei alles wunderbar machbar. Meist sind die Frauen auch so gestrickt, dass sie sagen, ich will eine gute Kollegin, eine perfekte Mutter und eine attraktive Partnerin sein. All das übt einen gewaltigen Druck aus. Wenn dann noch ein chronisch krankes Familienmitglied hinzukommt, finanzielle Probleme oder Konflikte in der Partnerschaft, dann kann das krank machen oder das Gefühl erzeugen, versagt zu haben. Den Schuh müssen Frauen sich nicht anziehen!
dpa: Warum wissen so wenig Frauen von den Hilfsangeboten?
Eva Luise Köhler: Wir haben kein Geld für flächendeckende Plakataktionen, aber wir müssen dennoch mehr Öffentlichkeitsarbeit machen. Ärzte sollten besser Bescheid wissen und unsere Beratungsstellen empfehlen. Es ist oft ein harter Kampf, eine Kur bewilligt zu bekommen. Manchmal kann aber auch schon eine Beratung helfen, bestimmte Dinge im Vorfeld abzufangen. Ich kann nur empfehlen, sich auf der Internetseite zu informieren. Jeder kann dort schnell erkennen, dass das Müttergenesungswerk keine verstaubte Einrichtung ist, sondern eine hochmoderne Institution.
dpa: Was ist der Vorteil einer Kur gegenüber anderen Hilfen?
Eva Luise Köhler: Es geht ja darum, den Druck zu verringern. Bei ambulanten Hilfen muss die Frau für diese Zeit wieder eine Unterbringung für die Kinder organisieren, und sie muss jedes Mal Wege in Kauf nehmen. Das alles sind Dinge, die den Stress nur noch vergrößern. Aber dieser Dauereinsatz, in dem die Frauen keine Minute Zeit haben zum Luftholen, soll ja vermindert werden. Und das lernen sie während einer Kur.
