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Ordensverleihungen zum Tag der Deutschen Einheit

Bundespräsident Horst Köhler hat am 5. Oktober 2009 aus Anlass des 19. Jahrestages der Deutschen Einheit verdiente Bürgerinnen und Bürger mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet:

 

Benjamin Adrion
Hamburg
Verdienstkreuz am Bande

Der ehemalige Profi-Fußballer des FC St. Pauli rief 2005 mit der Welthungerhilfe das Projekt "Viva con Agua de St. Pauli" (VcA) ins Leben und engagiert sich seitdem mit großer Ernsthaftigkeit und Intensität für eine bessere Trinkwasserversorgung in Entwicklungsländern. Seine Popularität bei den Fußballfans und im Stadtteil
St. Pauli setzt er ein, um für die VcA-Projekte auch Spenden einzuwerben. Er besucht die Projekte in den Zielländern und spricht ein überwiegend junges Publikum an, das für die Appelle der großen Hilfsorganisationen weniger empfänglich ist. Durch sein überzeugendes Auftreten in der Öffentlichkeit, in Schulen, durch Interviews in Szene-Medien und im Internet hat er wichtige neue Zielgruppen für entwicklungspolitische Interessen und finanzielles Engagement gewonnen.

 

Dr. Halima Alaiyan
Saarbrücken und Berlin
Verdienstkreuz am Bande

Schon als Kind musste sie - geboren in Ibdis bei Tel Aviv - mit ihren Eltern nach Ägypten fliehen. Später kam sie mit ihrem Mann und ihrem Kind nach Deutschland, wo sie eine Ausbildung als Medizinerin absolvierte. Im Andenken an ihren Sohn Talat, der an einer unheilbaren Blutkrankheit starb, gründete sie vor einigen Jahren die Talat-Alaiyan-Stiftung für Jugendliche aus Israel und Palästina. In den von ihr und der Stiftung organisierten Begegnungen zwischen israelischen, palästinensischen und deutschen Jugendlichen sollen Feindbilder abgebaut und Verständnis füreinander geweckt werden. Sie unterstützt die Stiftung selbst mit erheblichen Mitteln. Auch die Einnahmen aus ihrer veröffentlichten Lebensgeschichte "Vertreibung aus dem Paradies" fließen der Stiftung zu. Außerdem unterstützt sie die Kampagne "Vielfalt als Chance" der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung als Fürsprecherin und aktive Mitarbeiterin.

 

Bärbel Baier
Eutin, Schleswig-Holstein
Verdienstkreuz am Bande

Die Vorsitzende des Ortsverbandes Eutin im Deutschen Kinderschutzbund wirkt seit fast drei Jahrzehnten im Stillen und trägt in beispielhafter Weise zur Verbesserung der Lebensbedingungen für Kinder und bedürftige Familien bei. Unter ihrer Leitung hat sich aus kleinsten Anfängen eine große karitative Organisation mit 29 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, neun Vorstandsmitgliedern und 19 ehrenamtlich Tätigen entwickelt. Hervorzuheben sind auch ihre Verdienste, die sie sich durch ihr Wirken in der Wohnungsfürsorge, der Kinderspielstube sowie der Hausaufgabenhilfe für Kinder aus schwer integrierbaren Familien erwarb. Mit ihrem Enthusiasmus überzeugt sie auch andere von der Richtigkeit ihrer Ideen zum Wohle der Kinder.

 

Rüdiger Barth
Kreuztal, Nordrhein-Westfalen
Verdienstkreuz am Bande

Der Leiter des Kinderhospizes Balthasar in Olpe setzt sich seit vielen Jahren für schwersterkrankte Kinder ein. Ausgehend von der Betreuung eines dauerbeatmeten Pflegekindes brachte er seine Erfahrungen bei der Planung der Siegener "Kinderinsel" ein, einer Wohneinrichtung für dauerbeatmete Kinder und Jugendliche. Hier erhalten sie ein Lebens- und Therapieumfeld, das ihren Bedürfnissen optimal gerecht wird. Auch in Seminaren und Kongressen lässt er seine Erkenntnisse allen in der Hospizbetreuung aktiv Beteiligten zugute kommen. Dem von ihm initiierten Verein "INTENSIV-kinder zuhause e.V." steht er beratend zur Seite. Außerdem beteiligte er sich an der Konzipierung des ersten Jugendhospizes in Deutschland und gehört zu den Gründern des Bundesverbandes Kinderhospiz e.V., der die Kinderhospizinitiativen vernetzt und den Erfahrungsaustausch untereinander fördert.

 

Prof. Dr. h.c. Ludwig Georg Braun
Melsungen, Hessen
Großes Verdienstkreuz

Seit 1977 an der Spitze des Familienunternehmens B. Braun Melsungen AG, hat er als Vorstandsvorsitzender aus einem Mittelstandsbetrieb mit ca. 3.000 Beschäftigten ein weltweit agierendes Unternehmen für Pharma- und Medizinbedarf mit ca. 35.000 Mitarbeitern gemacht. Mit Innovationen, modernen Arbeitskonzepten und erheblichen Investitionen in qualifizierte Aus- und Weiterbildung setzt er beispielhafte Akzente. Im Ehrenamt war er von 2001 bis 2009 Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Er gilt als Vater des Ausbildungspaktes, einer Übereinkunft zwischen den Kammerorganisationen des DIHK, dem Zentralverband des Deutschen Handwerks und der Politik. Als großzügiger Mäzen unterstützt er schon seit Jahrzehnten die Universität Kassel und engagiert sich auch für kulturelle Projekte.

 

David Chipperfield
London, England
Großes Verdienstkreuz

Der "diskrete Reformator" avancierte international zu einem der gefragtesten Architekten unserer Zeit. In Deutschland ist er seit den frühen 1990er Jahren mit zahlreichen Projekten präsent, zu denen auch das 2006 glanzvoll eröffnete Literaturmuseum der Moderne in Marbach gehört. Seiner wohl schwierigsten denkmalpflegerischen Herausforderung stellte er sich mit der Neugestaltung der Berliner Museumsinsel und der Errichtung eines zentralen Eingangsgebäudes des gesamten Museumsensembles. Die schon jetzt gefeierte sensible Wiederherstellung des kriegszerstörten Neuen Museums wird ab der offiziellen Eröffnung am 16. Oktober in beispielhafter Weise die Essenz seiner Auffassung von Architektur zeigen. "Hier kommt", wie ein Kritiker schrieb, "Geschichte mit sich selbst ins Reine".

 

Erika Clasing
Elmshorn, Schleswig-Holstein
Verdienstkreuz am Bande

Als selbst Betroffene engagiert sie sich seit mehr als zweieinhalb Jahrzehnten für die Belange von Multiple-Sklerose-Patientinnen und -Patienten sowie für Menschen mit Behinderung. Sie berät und betreut in der von ihr gegründeten Selbsthilfegruppe in Elmshorn betroffene Menschen und deren Angehörige mit großem Einfühlungsvermögen. Mit ihrer intensiven Zuwendung und kompetenten Beratung gibt sie den Erkrankten neuen Lebensmut und ergänzt damit die professionelle ärztliche und psychologische Unterstützung. Neben Fortbildungen, Therapien und geselligen Angeboten kümmert sie sich auch um die Einwerbung von finanziellen Mitteln. Außerdem macht sie sich für den Kontakt der Selbsthilfegruppen untereinander besonders stark. Weitere Verdienste hat sie sich im kirchlichen Bereich erworben.

 

Dr. Ursula Cramer
Bonn, Nordrhein-Westfalen
Verdienstkreuz am Bande

Die Bundesgeschäftsführerin des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler setzt sich seit mehr als zwei Jahrzehnten intensiv für die Belange von Künstlerinnen und Künstlern ein. Immer wieder meldet sie sich für ihre Klientel öffentlich zu Wort und weist auf gesellschaftliche und soziale Schieflagen hin. Ihrem Engagement ist es mit zu verdanken, dass die für Künstler überlebensnotwendige Künstlersozialversicherung erhalten blieb. Mit ihrem langjährigen - bis 2002 währenden - Einsatz im Deutschen Kulturrat sicherte sie den Kunst- und Kunstvermittlerverbänden ihre bundesweit anerkannte fachliche Kompetenz im Kunstbetrieb. Auch in ihrer protestantischen Gemeinde engagiert sie sich mit ihrer vielbeachteten Ausstellungsreihe "Kunst und Kirche" für die Kunst und die Künstler und ermöglicht so auch einem eher kunstfernen Umfeld die Begegnung mit zeitgenössischer Kunst.

 

Schwester Monika Düllmann 
Jerusalem, Israel
Verdienstkreuz am Bande

Die Theologin und gelernte Krankenschwester leitet ehrenamtlich im Auftrag des Ordens der Josefsschwestern, dem sie angehört, das in Westjerusalem an der Grenze zur Altstadt gelegene französische geriatrische Krankenhaus und Sterbehospital St. Louis. Dort werden Juden, Araber und Christen betreut. Ihre Arbeit für Alte, Kranke und sterbende Menschen ist eine große menschliche Herausforderung und außergewöhnliche Kraftanstrengung, die nur wenige über Jahre hinaus so aufopferungsvoll wie sie leisten. Außerhalb des Hospizes und in ihrer freien Zeit engagiert sie sich für ihre christliche Gemeinschaft und deren Belange. Ihre Mitmenschlichkeit ist beispielhaft und ihr wird deshalb nicht nur in Jerusalem besonderer Respekt gezollt.

 

Ulrike Dürrwang
Griesheim, Hessen
Verdienstkreuz am Bande

Eines ihrer heute 33 Jahre alten Kinder ist seit der Geburt aufgrund eines offenen Rückens (Spina bifida) querschnittsgelähmt. Das Wissen, das sie durch die Pflege erworben hat, gibt sie an betroffene Menschen und deren Familien weiter. Als Gründungsmitglied der Elternselbsthilfevereinigung "Arbeitsgemeinschaft für Querschnittsgelähmte mit Spina bifida / Rhein-Main-Nahe e.V." (ARQUE) kümmert sie sich seit mehr als dreißig Jahren ehrenamtlich und mit hohem persönlichem Einsatz um betroffene Menschen aller Altersstufen. Die von ihr aufgebaute einzigartige Datensammlung wurde zur Grundlage von Vorsorgemaßnahmen und Therapiekonzepten, durch die Folgeschäden vermieden werden konnten. Ein wesentlicher Teil der medizinischen und sozialen Versorgungsstrukturen querschnittsgelähmter Menschen in Hessen und Rheinland-Pfalz geht auf Grundlagen zurück, die sie über viele Jahre systematisch erarbeitet hat.

 

Dr. Ursula Fox 
Prof. Ulrich Fox
 
Paderborn, Nordrhein-Westfalen
Verdienstkreuz am Bande

Seit vielen Jahren setzen sie sich für das Maximilian-Kolbe-Werk ein, das ehemalige KZ- und Ghetto-Häftlinge in Polen und anderen Ländern Mittel- und Osteuropas unabhängig von Religion und Weltanschauung unterstützt. Sie begleiten Hilfslieferungen persönlich und helfen vor Ort Hilfsbedürftigen. In Zusammenarbeit mit Schulen und dem Liborianum, einer Bildungsstätte im Erzbistum Paderborn, gestalten sie Zeitzeugenprojekte, in deren Rahmen Überlebende des Holocaust Schülern vom Erlebten berichten. Im Historischen Verein für Ermland e.V. tragen sie zur wissenschaftlichen Erforschung der Kirchen- und Kulturgeschichte Preußens und der deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte des 20. Jahrhunderts bei und leisten damit einen wichtigen Beitrag für die deutsch-polnische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Regionalgeschichte.

 

Prof. Durs Grünbein 
Berlin
Großes Verdienstkreuz mit Stern

Der Dichter, Essayist, Kritiker und Übersetzer gilt als der wichtigste deutsche Lyriker seiner Generation. Von Anfang an hat er sich der Spaltung der deutschen Literatur in Ost und West widersetzt. Geboren und aufgewachsen in Dresden, überwand er die Beschränktheiten der Teilung souverän. Seine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zeigt eindrucksvoll der Gedichtband "Porzellan. Poem vom Untergang meiner Stadt" (2005). Die Essay- und Aufsatzbände "Galileo vermisst Dantes Hölle und bleibt an den Maßen hängen" (2006) und "Warum schriftlos leben" (2002) dokumentieren den weitgespannten Bogen der historisch-naturwissenschaftlichen Perspektive des mit vollem Recht als poeta doctus gerühmten Dichters, der auch eine Reihe antiker Texte (u. a. Seneca, Aischylos) übersetzt hat. Seine Wahl zum jüngsten Mitglied des Ordens Pour le mérite spiegelt die außergewöhnliche Wertschätzung wider, die er genießt.

 

Prof. Dr. Peter Gruss
München, Bayern
Verdienstkreuz 1. Klasse

Seit 2002 ist der international renommierte Molekularbiologe Präsident der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften. Die Sicherung der besonderen Position der Max-Planck-Gesellschaft in der wissenschaftlichen Gemeinschaft auch für die Zukunft ist ihm ein wichtiges Anliegen. Dass sie nach internationalen Rankings zu den führenden Forschungseinrichtungen in der Welt zählt und sich mit Institutionen wie Stanford, Harvard und dem Massachusetts Institute of Technology messen kann, ist ihm mit zu verdanken. Er fördert die Translation, also die Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in wirtschaftlich nutzbare Produkte, und setzt sich für die Schaffung adäquater Rahmenbedingungen für Wissenschaft und Forschung ein. Auch als Mitglied zahlreicher Ausschüsse und Kuratorien trägt er durch seine Mitarbeit zur Stärkung des Wissenschaftsstandortes Deutschland bei.

 

Isa Gräfin von Hardenberg
Berlin
Verdienstkreuz am Bande

Die Gründerin und Inhaberin der Hardenberg Concept GmbH Eventagentur, mit der sie u. a. 1995 die Reichstagsverhüllung des Künstlerehepaares Christo und Jeanne-Claude realisierte, und "Grande Dame" der Berliner Gesellschaft engagiert sich seit vielen Jahren in verdienstvoller und beispielhafter Weise als Mitglied des Internationalen Ehrenkomitees von "Innocence in Danger International". Dieses weltweite Netzwerk bringt Internet-Spezialisten, Kinderschutz-Organisationen, Juristen, Politiker und Nationale Aktionsgruppen zusammen, um wirksam gegen die Internetkriminalität vorzugehen. Besonderer Schwerpunkt der Aktivitäten ist die Bekämpfung von Kinderpornographie im Internet. Darüber hinaus engagiert sie sich auch für die Kinderhilfsorganisation UNICEF und in Organisationen für autistische Kinder.

 

Gabriele Herbst
Magdeburg, Sachsen-Anhalt
Verdienstkreuz am Bande

Die Pfarrerin der evangelischen Hoffnungsgemeinde und Ausländerbeauftragte des Kirchenkreises Magdeburg setzt sich in vorbildlicher Weise für ein tolerantes und weltoffenes Magdeburg ein. Schwerpunkt ihrer ehrenamtlichen Arbeit ist die Integration von Migrantinnen und Migranten. Besonders Flüchtlingsfrauen und deren Kinder finden bei ihr Geborgenheit, Respekt und Hilfe. Über das 1994 gegründete "Café Krähe", das sich zu einem beliebten Begegnungsort in Magdeburg entwickelte, erreicht und motiviert sie Bürgerinnen und Bürger, die ihr Ansinnen mittragen und sich aktiv einmischen wollen. Außerdem organisiert sie Benefizveranstaltungen, deren Erlöse einem Schulgeldprojekt in Njombe/Tansania zufließen, das bisher hunderten von Schülern eine gute Schulbildung ermöglichte.

 

Viktoria Katharina Hettlich 
Helene Hohlmann

Köln / Essen, Nordrhein-Westfalen
Verdienstkreuz am Bande

Beide unterstützen wesentlich die Arbeit der "Helpers of Mary" in Andheri/Indien, einer katholischen Ordenskongregation, der etwa 300 indische Schwestern angehören. Sie führen in rund 50 Orten Entwicklungshilfe-, Gesundheits- und Bildungsprojekte durch und erreichen damit rund 200.000 Menschen. Die Finanzierung erfolgt ausschließlich durch Spenden. Hauptgeber sind zehn deutsche Vereine, die im Verbund arbeiten. Einer davon ist die "Indienhilfe - Verein zur Unterstützung und der Förderung Not leidender Kinder e.V.", den Frau Hettlich seit über 50 Jahren mit großem Engagement leitet. Im "Andheri-Helferkreis e. V. Essen" arbeitet Frau Hohlmann seit Jahrzehnten als Vorstandsvorsitzende. Beide verbinden das Einwerben von Spenden - insgesamt wurden bereits mehrere Millionen Euro aufgebracht - immer auch mit entwicklungspolitischer Bildungsarbeit und der Begleitung der Projekte vor Ort.

 

Jan Hoet
Gent, Belgien
Verdienstkreuz 1. Klasse

Seine außerordentliche Leidenschaft für die zeitgenössische Kunst und sein Mut, Kunst auf ungewöhnlichen Wegen der Öffentlichkeit nahezubringen - unvergessen seine "Chambres d'Amis" 1986 in Gent - führten 1992 zu seiner Ernennung als Leiter der weltbekannten documenta IX in Kassel. Ihm ist es mit zu verdanken, dass der Schauplatz der wichtigsten Ausstellung zeitgenössischer Kunst seine Bedeutung erhalten und ausweiten konnte, da er ein sehr breites Publikum für zeitgenössische Kunst begeisterte. Das von ihm aufgebaute Stedelijk Museum voor Actuele Kunst in Gent gehört zu Europas renommiertesten Häusern für Gegenwartskunst. Seit 2003 leitet er das MARTa, das Museum für zeitgenössische Kunst und Design in Herford. Als einer der einflussreichsten Kuratoren Europas prägt er auch die internationale Ausstellungslandschaft.

 

Pater Dr. Norbert Hofmann
Rom, Italien
Verdienstkreuz am Bande

Der Sekretär der päpstlichen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum trägt in diesem Amt seit 2002 erheblich zur weiteren Verbesserung der Beziehungen zwischen der römisch-katholischen Kirche und dem Judentum bei. Unermüdlich setzt er sich auf zahlreichen internationalen Begegnungen für den Dialog ein und ergreift Initiativen für gemeinsame Projekte in der humanitären Zusammenarbeit. Auch von jüdischen Autoritäten wird sein Einsatz in hohem Maße anerkannt und gewürdigt. So gewinnt die Tatsache, dass dieser wichtige Mittler ein deutscher Staatsangehöriger ist, in diesem Kontext besonderes Gewicht. Der World Jewish Congress nennt ihn einen "herausragenden Vertreter Deutschlands nicht nur im Vatikan". Seine kirchlich geprägte Arbeit strahlt auch auf den gesellschaftlichen und politischen Bereich aus.

 

Wolfgang Ischinger
Berlin
Verdienstkreuz 1. Klasse

Der angesehene Jurist, Völkerrechtler und Diplomat hat sich durch sein langjähriges internationales Engagement und seinen beispielhaften diplomatischen Einsatz in Krisensituationen in verschiedenen Teilen der Welt auszeichnungswürdige Verdienste erworben. Als wichtiger Verhandlungspartner auf deutscher Seite trug er über zwei Jahrzehnte dazu bei, Wege zur Beendigung der Krisen und Kriege, die mit dem Zerfall Jugoslawiens einhergingen, aufzuzeigen. Im Mai 2008 wurde er zum Leiter der traditionsreichen, alljährlichen Münchner Sicherheitskonferenz berufen. Die diesjährige Konferenz, die vom 6. bis 8. Februar erstmals unter seiner Leitung stattfand, läutete erfolgreich einen "politischen Frühling" ein, weil sie nach einhelliger Meinung der Teilnehmer neue Impulse für die internationalen Beziehungen gab.

 

Otto Kentzler 
Dortmund, Nordrhein-Westfalen
Verdienstkreuz 1. Klasse

Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) hat sich im berufsständischen Bereich in vielen Ehrenämtern Verdienste erworben: u. a. im Vorstand des Deutschen Handwerkskammertags und im Präsidium des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. Als Unternehmer lebt er die Werte der katholischen Soziallehre. Besorgt wegen der steigenden Zahl junger Menschen ohne ausreichende Qualifikation setzt er sich in vielfältiger Weise für eine gute schulische und handwerkliche Ausbildung ein. Ein Herzensanliegen ist ihm die Integration junger Deutscher mit Migrationshintergrund. Außerdem ist es ihm mit zu verdanken, dass die Einheit des deutschen Handwerks und seiner Organisationen gefestigt werden konnte. 20 Jahre nach dem Mauerfall repräsentiert er in der Tat ein einheitliches und einiges deutsches Handwerk.

 

Rainer Knapp 
Herrenberg, Baden-Württemberg
Verdienstkreuz am Bande

Der Geschäftsführer der Gemeinnützigen Werkstätten und Wohnstätten GmbH Sindelfingen hat sich weit über seinen beruflichen Auftrag hinaus in vielen ehrenamtlichen Funktionen intensiv für die Belange von Menschen mit Behinderung eingesetzt. Um für sie dauerhaft sinnvolle Arbeitsplätze zu sichern, wurde auf seine Initiative hin gegen viele Widerstände die Genossenschaft der Werkstätten für behinderte Menschen Süd eG (GDW) gegründet, in deren Vorstand er arbeitet. Mit großem persönlichem Engagement setzt er sich für die bundesweite Verbreitung des GDW-Gedankens und die Vernetzung der Werkstätten ein und leistet auch so einen Beitrag zur Sicherung und zur Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze. Die inzwischen bundesweit existierende Kette von 50 CAP-Lebensmittelmärkten, die einer Vielzahl behinderter Menschen qualifizierte Arbeitsplätze bieten, geht ebenfalls auf seine Initiative zurück.

 

Ulrike Kretzschmar 
Berlin
Verdienstkreuz am Bande

Seit 1987 ist sie als Bau- und Ausstellungsleiterin des Deutschen Historischen Museums (DHM) Berlin maßgeblich an der Entwicklung dieses bedeutenden Hauses beteiligt und hat es in seiner heutigen Gestalt mitgeschaffen. Die denkmalgerechte Restaurierung des Berliner Zeughauses und seine Transformation in ein modernes Ausstellungshaus wären ohne sie nicht denkbar. Dass die Vereinigung aus DHM und dem ehemaligen "Museum der deutschen Geschichte" der DDR so glücklich gelang, ist im Wesentlichen ihr zu verdanken, denn sie konnte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Ost und West zum gemeinsamen Neubeginn motivieren. Sie hat maßgeblichen Anteil daran, dass I. M. Pei für das architektonische Meisterwerk des Erweiterungsbaus gewonnen werden konnte und dass das DHM im In- und Ausland unzählige Freunde fand.

 

Prof. em. Dr. Dr. h.c. Leo Kreutzer
Köln, Nordrhein-Westfalen
Verdienstkreuz 1. Klasse

Der ehemalige Hochschullehrer für Germanistik hat sich in mehr als drei Jahrzehnten um die Förderung der deutschen Sprache, Kultur und Wissenschaft in Westafrika verdient gemacht. Ausgehend von seinen Erfahrungen in Kamerun, Benin, Togo, Senegal und der Elfenbeinküste formulierte er wesentliche Anregungen für eine aktuelle afrikanische Germanistik, die sich als vergleichende Kulturwissenschaft versteht. Ihm ist es zu verdanken, dass die Philosophische Fakultät der Leibniz Universität Hannover, an der er lehrte, westafrikanische Germanisten habilitierte und damit den Weg für eine aktive Verbreitung deutscher Sprache und Kultur in Westafrika ebnete. Inzwischen wirkt eine ganze Generation Deutsch sprechender afrikanischer Graduierter in ihren Heimatländern eindrucksvoll für die Verbreitung deutscher Geistes- und Kulturgeschichte.

 

Barbara-Maria Monheim 
Berlin
Verdienstkreuz am Bande

Die Gründerin und Vorsitzende der Deutsch-Polnisch-Ukrainischen Gesellschaft fördert die Entwicklung der kulturellen und politischen Beziehungen zwischen den drei Ländern und unterstützt den Demokratisierungs- und Transformationsprozess in Osteuropa. Das geschah in den ersten Jahren des Vereins vor allem im Rahmen der Fortbildung und Vernetzung von Journalisten und politischen Eliten. In den letzten Jahren hat sie mit viel Engagement, Beharrlichkeit und Geduld vor allem das Kiewer Pilotprojekt "Our Kids" unterstützt und begleitet, mit dem ukrainische Straßenkinder in gesicherte Lebensverhältnisse zurückgebracht werden sollen. Das von ihr initiierte und realisierte Projekt zählt zu den innovativsten sozialpolitischen Projekten des Landes und ist für gemeinnützige Projekte zukunftsweisend.

 

Prof. Anne-Sophie Mutter
München, Bayern
Großes Verdienstkreuz

Sie ist weltweit eine der bedeutendsten Geigerinnen, ist Stargast internationaler Ensembles, arbeitete angefangen bei von Karajan und Sawallisch über Zubin Mehta bis Rostropowisch mit Legenden ihres Fachs und hat sich darüber hinaus als Solistin komplexer zeitgenössischer Werke einen Namen gemacht. Die bedeutendsten Komponistinnen und Komponisten unserer Zeit widmen ihr Werke. Immer wieder engagiert sie sich mit zahlreichen Benefizkonzerten für Projekte außerhalb der Musik. Mit der von ihr gegründeten Rudolf-Eberle-Stiftung fördert sie junge internationale Streicher. Dieser Institution wurde 1997 der in München beheimatete Freundeskreis der Anne-Sophie-Mutter-Stiftung zur Seite gestellt, der weltweit tätig ist. Auch als Pädagogin macht sie sich einen Namen. Mit Nachdruck setzt sie sich für eine Verbesserung der bayerischen Lehrpläne für den Musikunterricht an Grundschulen und Kindergärten ein.

 

Prof. Dr. Svante Pääbo
Leipzig, Sachsen
Großes Verdienstkreuz mit Stern

Der schwedische Mediziner und Biologe gilt als Begründer der Paläogenetik, der jungen Forschungsdisziplin, die sich mit der Analyse genetischer Proben aus Fossilien und prähistorischen Funden befasst. 1990 kam er nach Deutschland und arbeitete zunächst an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seit 1997 leitet er die Abteilung für evolutionäre Genetik am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Durch Vergleiche der DNA-Sequenzen von Menschen, Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und Neandertalern erforscht er, welche gentechnischen Veränderungen in der Evolutionsgeschichte den modernen Menschen ausmachen. Der hoch ausgezeichnete und weltweit führende Genforscher wurde in diesem Jahr als neues Mitglied in den Orden Pour le mérite aufgenommen.

 

Cäcilie Peiser
Langen, Hessen
Verdienstkreuz am Bande

1938 flüchtete sie im Alter von 13 Jahren zusammen mit ihrer Schwester vor der Verfolgung der Nationalsozialisten mit einem Kindertransport in die Niederlande, wo sie sich nach der Besatzung verstecken musste. Nach der Befreiung der Niederlande pflegte sie aus dem KZ entlassene tuberkulosekranke Häftlinge. 1946 wanderte sie nach Palästina aus und setzte sich hier aktiv für das friedliche Zusammenleben von Menschen verschiedener Kulturen und Religionen ein. 1957 kehrte sie nach Deutschland zurück und sorgt seitdem für behinderte Kinder. Außerdem engagiert sie sich als Zeitzeugin. Als Mitgründerin, langjährige Vorsitzende und jetzige Ehrenvorsitzende des Vereins "Child Survivors Deutschland e.V." hilft sie seit vielen Jahren Menschen, die das Nazi-Regime als Kinder überlebt haben und noch heute unter diesem Trauma leiden.

 

Jutta Penndorf
Altenburg, Thüringen
Verdienstkreuz am Bande

Die Direktorin des Lindenau-Museums in Altenburg hat es verstanden, ihr Museum zu einer anerkannten Einrichtung in Thüringen und in der nationalen Museumswelt zu machen. Sie überzeugt nicht nur durch die Pflege der dort beheimateten bedeutenden Sammlungen, die u. a. die wichtigste italienische Frührenaissance-Sammlung nördlich der Alpen enthalten, sondern auch durch die Präsentation und wissenschaftliche Aufarbeitung der Werke nichtkonformer DDR-Künstler. Auch zeitgenössischen künstlerischen Positionen gibt sie eine Plattform. Außerdem ist sie u. a. tätig: im wissenschaftlichen Kuratorium der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, als Mitglied im Beirat der Arbeitsstelle für Provenienzrecherche/-forschung beim Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin und als Sprecherin der Konferenz nationaler Kultureinrichtungen der Kultusministerkonferenz.

 

Sir Simon Rattle
Berlin
Großes Verdienstkreuz

Der langjährige erfolgreiche Chefdirigent des "City of Birmingham Symphony Orchestra" wurde 1999 von den Berliner Philharmonikern zum Nachfolger von Claudio Abbado als Chefdirigent und Künstlerischer Leiter gewählt und trat dieses Amt 2002 an. Dem ehemals jüngsten Dirigenten bei den renommierten Opernfestspielen im englischen Glyndebourne sind zahlreiche Uraufführungen zeitgenössischer Werke ebenso zu verdanken wie die Zusammenarbeit mit Orchestern, die historische Instrumente verwenden. Sein künstlerisches Wirken hat unumstritten Weltniveau. Besonders hervorzuheben ist das von ihm initiierte "Education-Programm" Projekt Zukunft@BPhil, mit dem sich die Berliner Philharmoniker nun stärker der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen widmen und sie damit ermuntern, sich mit sogenannter E-Musik auseinanderzusetzen.

 

Hannelore Ratzeburg
Hamburg
Verdienstkreuz am Bande

Sie ist Pionierin und Symbol der rasanten Erfolgsgeschichte des Frauenfußballs, die einen hohen Funktionär prognostizieren ließ: "Die Zukunft des Fußballs ist weiblich". Seit Jahrzehnten setzt sie sich in vielen Funktionen für den deutschen Frauenfußball ein. Der Gewinn der Weltmeisterschaft 2003 und die vielen Europameisterinnentitel sind die bisherige Erfolgsbilanz des Frauenfußballs in Deutschland. Vor einigen Jahrzehnten hätte das noch niemand für möglich gehalten. Bis 1970 war der Frauenfußball vom Deutschen Fußball-Bund sogar verboten. Dann aber erkämpften sich die Fußballfrauen ihren Platz. Der Deutsche Fußball-Bund e. V. ist mit mehr als 6,5 Millionen Mitgliedern und 26.000 Vereinen der größte Sportverband der Welt. An seiner Spitze stehen 37 Männer und eine Frau: Hannelore Ratzeburg.

 

Schwester Gerharda Rekers
Hamburg
Verdienstkreuz am Bande

Als "Nonne von der Reeperbahn" leistet sie herausragende pflegerische und medizinische Arbeit für Menschen, die von den sozialen Sicherungsnetzen nicht aufgefangen werden. Seit neun Jahren engagiert sie sich für die "Alimaus", eine Anlaufstelle für Obdachlose in Hamburg, deren Leitung sie 2003 übernahm. An über vierhundert Notleidende werden dort täglich warme Mahlzeiten ausgegeben, es werden sanitäre Einrichtungen und Bekleidung zur Verfügung gestellt. Mit ihrer seelsorgerischen Unterstützung öffnet sie für viele der Notleidenden den Weg zurück in die Gesellschaft. Durch Anleitung der rund 200 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer aus allen Alters- und Berufsgruppen und durch ihr Angebot an junge Menschen, soziale Praktika in der "Alimaus" zu leisten, trägt sie beispielhaft zur Bildung von Sozialkompetenz bei.

 

Prof. Dr. Rüdiger Safranski 
Badenweiler, Baden-Württemberg
Verdienstkreuz 1. Klasse

Der Philosoph und Schriftsteller versteht es wie kaum ein anderer, komplexe geschichtlich-geisteswissenschaftliche Themen, die unser Land essentiell prägen, verständlich zu vermitteln, ohne dafür die Inhalte verkürzt darzustellen. Wichtige geistesgeschichtliche Auseinandersetzungen und Epochen spiegelt er in den Biographien herausragender Persönlichkeiten und eröffnet so neue Sichtweisen auf scheinbar hinreichend Bekanntes. Das dankt ihm eine große Leserschaft. Seine Hauptwerke kreisen u. a. um E.T.A. Hoffmann, Schopenhauer, Heidegger, Nietzsche, Goethe, Schiller und die deutsche Romantik. Auch als Moderator des "Philosophischen Quartetts" im ZDF zusammen mit Peter Sloterdijk zeigte er, wie anregend die Beschäftigung mit Philosophie, Geschichte und Literatur sein kann. Seit 2001 ist er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

 

Dr. Rachel Salamander
München, Bayern
Verdienstkreuz 1. Klasse

Die Autorin, Verlagsberaterin, Buchhändlerin, Wissenschaftlerin und Bibliographin gründete 1982 die "Literaturhandlung" als Rekonstruktion der geistigen jüdischen Welt. Durch vielfältige Mittlerdienste ist es ihr auf diesem Weg gelungen, einen lebendigen und facettenreichen Dialog zwischen Nichtjuden und Juden zu begründen. Besondere Verdienste hat sie sich durch die Herausgabe der Judaica-Bibliographie erworben, die die gesamte deutschsprachige Literatur zum Judentum auflistet und ein unverzichtbares Arbeitsmittel der Wissenschaft geworden ist. Als Mitglied im Hochschulrat der Ludwig-Maximilians-Universität in München war sie treibende Kraft bei der Auseinandersetzung der Universität mit der NS-Zeit. Seit Jahrzehnten gibt sie auch mit ihren Veranstaltungsreihen wichtige Impulse für das geistige Leben in Deutschland.

 

Prof. Dr. Angelika Schmidt-Koddenberg
Köln, Nordrhein-Westfalen
Verdienstkreuz am Bande

Die Professorin an der Katholischen Fachhochschule in Köln widmet sich in vielfältiger Weise als Wissenschaftlerin und in zahlreichen Ehrenämtern der Verbesserung der politischen und gesellschaftlichen Partizipation von Frauen. Mit einer grundlegenden wissenschaftlichen Arbeit über Frauenverbände und Frauenverbandsarbeit in Deutschland für die Katholische Frauengemeinschaft Deutschland (kfd) hat sie die Neuausrichtung vieler Frauenverbände geprägt. Außerordentlich erfolgreich führte sie auch ein Bildungsprogramm für Frauen durch, die ein politisches Mandat anstrebten. Außerdem ist ihr die Erprobung neuer Handlungsansätze zur Erschließung qualifizierter Arbeitsplätze für junge Frauen mit Migrationshintergrund zu verdanken. Damit leistet sie einen verdienstvollen Beitrag zu deren Integration.

 

Friedrich Schorlemmer
Lutherstadt Wittenberg, Sachsen-Anhalt
Verdienstkreuz 1. Klasse

Seit Jahrzehnten setzt sich der Theologe und Bürgerrechtler für Frieden und soziale Gerechtigkeit ein. Bereits 1968 hat er sich an Aktionen gegen die damals neue Verfassung der DDR und den militärischen Einmarsch in die Tschechoslowakei beteiligt. Während des Kirchentages 1983 in Wittenberg fand auf dem Lutherhof unter seiner Verantwortung die symbolische Umschmiedung eines Schwertes zu einer Pflugschar statt, obwohl die Benutzung des Bibelsatzes von den "Schwertern zu Pflugscharen" verboten war. In der Umbruchphase war er Mitglied im "Demokratischen Aufbruch" und von 1990 bis 1994 für die SPD Mitglied des Stadtrates der Lutherstadt Wittenberg. Sein steter Kampf um Menschenrechte, Frieden und soziale Gerechtigkeit ist ein Vorbild für viele Menschen in Deutschland und in der Welt.

 

Dorit Seichter 
Zwickau, Sachsen
Verdienstkreuz am Bande

Die Gymnasiallehrerin setzt sich außerhalb des lehrplangebundenen Unterrichts in außergewöhnlicher Weise im Rahmen von Schülerprojekten, Initiativen und Veröffentlichungen für die kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ein. Ihr Ziel ist es, bei den Schülern ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein zu fördern, um so die Voraussetzungen für die mündige Teilnahme an der politischen Willensbildung und der Gestaltung der freiheitlichen Gesellschaft zu schaffen. So führte die von ihr initiierte Ausstellung "Zum Schicksal der Zwickauer Juden" zu Begegnungen zwischen Jugendlichen und ehemaligen Zwickauern, die den Holocaust überlebt hatten. Außerdem schloss sie sich mit Schülern in Zwickau und Schneeberg der "Stolperstein"-Aktion von Gunter Demnig an, mit der an das Schicksal deportierter und ermordeter Juden erinnert wird. Diese Aktivitäten finden auch weit über die Stadt hinaus große Resonanz.

 

Dr.-Ing. Kira Stein
Darmstadt, Hessen
Verdienstkreuz am Bande

Die in den Bereichen Schadenanalyse, Prozessoptimierung, Qualitätsmanagement, Tourismus, Software und Im- und Export tätige Unternehmerin hat sich jahrzehntelang ehrenamtlich für Frauen in technischen Berufen engagiert. Im Verein "Frauen in Naturwissenschaft und Technik e.V.", im deutschen ingenieurinnenbund e.V., im Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit und im Deutschen Frauenrat, dessen Mitgliederversammlung sie 2008 in den Vorstand wählte, setzte und setzt sie sich entschieden für das kreative Potenzial von Frauen in der Naturwissenschaft und Technik ein. Sie vertritt den Deutschen Frauenrat u. a. auch im nationalen Pakt "Komm, mach MINT" für Frauen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Durch ihr beispielgebendes Wirken hat sie das Bild der Frau im technischen Beruf nachhaltig positiv geprägt.

 

Mehmet Tanriverdi
Gießen, Hessen
Verdienstkreuz am Bande

Der Dolmetscher, Übersetzer und Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände in der Bundesrepublik Deutschland e. V. macht sich seit mehr als zwei Jahrzehnten als "Brückenbauer" zwischen Deutschen und Einwanderern, insbesondere kurdischer Herkunft, verdient. Er setzt sich für ein gleichberechtigtes Zusammenleben unter Berücksichtigung der Vielfalt der Lebensentwürfe, Sprachen und Kulturen ein. Die soziale, politische und kulturelle Teilhabe von Migranten ist ihm ein wichtiges Anliegen, das er mit Nachdruck fördert. Davon zeugen auch seine Mitarbeit am Nationalen Integrationsplan und seine Teilnahme an integrationspolitischen Dialogforen. Immer wieder weist er auch auf die herausragende Bedeutung des Bildungsbereichs und des Sports für eine erfolgreiche Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund hin.

 

Erhard Thörner
Lich-Langsdorf, Hessen
Verdienstkreuz am Bande

Seit Jahrzehnten setzt er sich ehrenamtlich für den Naturschutz ein: u. a. als Vorsitzender des Naturschutzbeirates des Landkreises Gießen, beim Amt für Straßen- und Verkehrswesen Schotten, wo er ein guter Ratgeber ist, der viele Projekte naturschutzfachlich begleitet hat, als Vorsitzender der Vogelschutzgruppe Langsdorf
e. V. und als Beauftragter der Staatlichen Vogelschutzwarte für den Raum Lich und das bedeutende europäische Vogelschutzgebiet Wetterau-Nordteil. Sein unermüdliches Engagement hat dazu beigetragen, dass in seiner Heimat im Auenverbund Wetterau ein beispielgebendes Flachwasser- und Wechselwasserbiotop geschaffen wurde, das sogar als Europäisches Vogelschutz- und Flurgebiet nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie durch die Europäische Kommission in Brüssel ausgewiesen wurde.

 

Prof. Dr. Dr. h.c. Ernst Ulrich von Weizsäcker
Emmendingen, Baden-Württemberg
Großes Verdienstkreuz

Der Biologe und Physiker hat sich durch sein jahrzehntelanges umweltpolitisches Wirken in außergewöhnlicher Weise um den Umweltschutz verdient gemacht. Dabei hat er immer wieder Pionierarbeit geleistet. Früher und entschiedener als andere wies er auf die Bedeutung des Umweltschutzes für das Überleben der Menschheit, die Folgen des Klimawandels und die mit der Globalisierung einhergehenden neuen Herausforderungen hin. Mit fundierten Vorschlägen hat er wichtige Beiträge zu einer Versachlichung der oft emotional geführten Umweltdiskussionen geliefert. Er gilt als einer der wichtigsten Vordenker des Konzeptes einer nachhaltigen Entwicklung. Bedeutende nationale und internationale Gremien suchen den Rat des vielfach Ausgezeichneten, der im Oktober vergangenen Jahres den angesehenen Deutschen Umweltpreis erhielt.

 

Prof. Dr. Margret Wintermantel
Weinheim, Baden-Württemberg
Verdienstkreuz 1. Klasse

Die Sozialpsychologin und Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz ist eine national und international anerkannte Expertin, die sich engagiert für die Weiterentwicklung des deutschen Hochschulsystems einsetzt, dem sie eine Schlüsselrolle im Wissenschaftssystem zuweist. Besonders am Herzen liegen ihr die Modernisierung der Hochschulen, Strukturveränderungen, die Frauen gerechtere Chancen in Wissenschaft und Forschung eröffnen, und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die Entwicklung von begabten jungen Studierenden unterstützt sie ehrenamtlich u. a. durch ihre Mitarbeit in zahlreichen Gremien der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Auch durch ihr beispielhaftes Eintreten für die Europäisierung des Hochschulraums und die Internationalisierung des deutschen Hochschulsystems hat sie sich verdient gemacht.

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