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Bettina Wulff eröffnet Blumenausstellung auf dem Keukenhof

Bettina Wulff bei der Taufe der neuen rot-gelben Tulpenart auf dem Keukenhof 23. März 2011 Bettina Wulff bei der Taufe der neuen rot-gelben Tulpenart auf dem Keukenhof © S. Kugler

Bettina Wulff hat am 23. März 2011 in Begleitung ihres Mannes die 62. Internationale Blumenausstellung auf dem Keukenhof in den Niederlanden offiziell eröffnet. Dabei taufte sie in Anwesenheit des niederländischen Kronprinzen Willem-Alexander eine neue rot-gelbe Tulpenart auf den Namen "Bettina Wulff". Das diesjährige Thema auf dem Keukenhof in Lisse lautet "Deutschland, Land der Dichter und Denker". "Es ist mir eine große Ehre und eine große Freude, heute hier zu sein", sagte Bettina Wulff zu Beginn ihrer Rede auf Niederländisch.

Die komplette Ansprache:

"Ik vind het een grote eer en een groot plezier om vandaag hier te zijn. [Deutsche Übersetzung: Es ist mir eine große Ehre und eine große Freude, heute hier zu sein.]

Eine Eröffnungsfeier ist ein freudiges Ereignis. Umso mehr, wenn der Ort dafür in ein solch farbenprächtiges Gewand gekleidet ist. Unbeschwert können wir die heutige Feier dennoch nicht begehen. Unsere Gedanken sind auch in Japan, das mit den Folgen großer Naturkatastrophen kämpft. Wir fühlen mit den Menschen, die um ihre Nächsten trauern. Wir bangen mit denen, die Angehörige vermissen. Deutsche und Niederländer sind in diesen Tagen mit den Japanern besonders verbunden.

Dieser Tag in Keukenhof kann vielleicht auch ein Symbol der Hoffnung sein. Hoffnung, die ausgeht von der Schönheit des Parks und dem Heiteren, das viele Menschen mit den Niederlanden verbinden. Mir kommen da ganz verschiedene Dinge in den Sinn: als großer Blumenfan haben mich die prachtvollen Tulpenkreationen der Niederländer schon immer begeistert. Gerne erinnere ich mich auch an die wunderbare Gastfreundschaft, die ich als Jugendliche genießen durfte, wenn ich zu Basketball-Trainingslagern an die holländische Küste gefahren bin. Und dann denke ich da natürlich auch noch an Fußball. Auch hier sind die Zusammentreffen beider Mannschaften immer etwas Besonderes!

Eines steht fest: die Niederländer sind die unbestrittenen Tulpen-Weltmeister. Auch wenn die Tulpe ursprünglich aus dem Orient kommt: die niederländische Expertise bei der Tulpenzucht ist unangefochten. Die Tulpenpracht, die ich eben beim Rundgang durch den Park gesehen habe, ist großartig und eindrucksvoll. Die Vielfalt an Farben und Formen, die man hier bestaunen kann, ist überwältigend. Ein großes Kompliment an die Gärtnerinnen und Gärtner des Keukenhof, die die Tulpen zu so wundervollen Mustern und Bildern gepflanzt haben.

Das größte dieser Bilder zeigt das Brandenburger Tor, gepflanzt aus 100.000 Tulpenzwiebeln! In der ganzen Welt ist das Brandenburger Tor zu einem Symbol für das neue, wiedervereinigte Deutschland geworden. Es erinnert auch an die wieder gewonnene Einheit Europas. So wie am Brandenburger Tor in Berlin Ost und West zusammenkommen, so bringt in diesem Frühjahr ein Brandenburger Tor aus Tulpen Deutschland und die Niederlande einander näher. Am echten Tor in Berlin können wir bald 50.000 Tulpen aus Holland bewundern. Sie werden mich in der nächsten Zeit noch oft an diesen besonderen Tag erinnern.

Das Thema des Keukenhof in diesem Jahr ist "Deutschland - Land der Dichter und Denker". Zugeschrieben wird der Ausspruch dem Schriftsteller Wolfgang Menzel, der 1828 in seinem Werk "Die deutsche Literatur" schreibt: "[...] Das sinnige deutsche Volk liebt es zu denken und zu dichten, und zum Schreiben hat es immer Zeit." Ich freue mich sehr, dass der Keukenhof mein Heimatland damit besonders ehrt und das Augenmerk gleichzeitig auf die deutsche Literatur richtet. Deutsche Dichter und Schriftsteller werden in den Niederlanden viel gelesen, und wir Deutschen beobachten mit Bewunderung, wie viele Niederländer unsere Sprache gut beherrschen. Umgekehrt haben niederländische Autoren wie Cees Nooteboom oder der im vergangenen Jahr leider verstorbene Harry Mulisch in Deutschland einen großen Freundeskreis.

Über diesen Austausch auf kulturellem Gebiet bin ich besonders glücklich. Vor allem deshalb, weil das deutsch-niederländische Verhältnis insbesondere durch die Schrecken der nationalsozialistischen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs auch sehr dunkle Stunden erlebt hat. Heute Morgen haben mein Mann und ich das Anne-Frank-Haus in Amsterdam besucht. Es ist ein eindrucksvolles Monument der unfassbaren Verbrechen, die Deutsche unter der Nazi-Herrschaft verübt haben. Anne Franks Tagebuch berührt auch heute noch Millionen von Menschen auf der Welt.

Die Bereitschaft der Niederländer zur Versöhnung hat es ermöglicht, dass wir heute zu einem unbeschwerten Miteinander im Alltag gefunden haben. Das belegen nicht zuletzt unzählige Freundschaften und Partnerschaften: Die früheren Eisschnellläufer Anni Friesinger-Postma und Ids Postma sind eines von vielen Beispielen, die für die Herzlichkeit zwischen den Menschen in unseren beiden Ländern stehen.

Dass Deutschland in diesem Jahr Themenland im Keukenhof ist, dass der Stolz des niederländischen Gartenbaus, die Tulpe, zu unseren Ehren und sogar in unseren Farben blüht, das alles ist Ausdruck dieses freundschaftlichen Verhältnisses. Darüber freue ich mich sehr. Und somit ist es meinem Mann und mir eine besondere Freude, die Keukenhof-Saison 2011 eröffnen zu dürfen."