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Daniela Schadt überreicht "German Paralympic Media Award 2012"

Daniela Schadt im Gespräch mit den Preisträgern Berlin, 3. Dezember 2012 Daniela Schadt im Gespräch mit den Preisträgern © DGUV/Olaf Ballnus

Daniela Schadt hat am 3. Dezember 2012 gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), Hans-Joachim Wolff, den "German Paralympic Media Award 2012" in Berlin verliehen. Der Preis zeichnet herausragende journalistische Berichterstattung über den Behindertensport aus und wurde bereits zum 14. Mal verliehen.

"Gerade in diesem Jahr, das mit den Paralympics in London einen neuen Höhepunkt geboten hat, kam dem Sport von Menschen mit Behinderung große Aufmerksamkeit in den Medien zu", sagte DGUV-Schirmherrin Daniela Schadt in ihrer kurzen Ansprache. "Der 'German Paralympic Media Award' leistet einen wichtigen Beitrag dazu, die Berichterstattung über den Behindertensport auch abseits sportlicher Großereignisse zu verstetigen."

Daniela Schadt mit allen Preisträgern Daniela Schadt mit allen Preisträgern

In der Kategorie Print/Foto wurde die Zeitschrift "Men’s Health" ausgezeichnet. Die Preise in den Kategorien TV/Hörfunk und Online gingen an den Moderator Matthias Berg bzw. den Videoblog "London 365"auf sportschau.de. Den Sonderpreis 2012 erhielt der französische Spielfilm "Ziemlich beste Freunde".

Die vollständige Ansprache von Daniela Schadt:

(Änderungen vorbehalten. Es gilt das gesprochene Wort.)

"Haben Sie vielen Dank für die herzliche Begrüßung.

Zunächst möchte ich mit Ihnen der Opfer des schrecklichen Unglücks in Titisee-Neustadt gedenken.

Denken wir an die 14 Frauen und Männer im Alter von 28 bis 68 Jahren, die dem Brand an ihrem Arbeitsplatz zum Opfer fielen. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen, den Betreuerinnen und Betreuern und den Frauen und Männern, die nicht nur um ihre Kolleginnen und Kollegen, sondern vor allem um ihre Familienangehörigen, Freundinnen und Freunde trauern müssen. Mein Dank gilt den zahlreichen Rettungskräften, ohne deren schnelles Eingreifen wohl noch mehr Opfer zu beklagen wären und die sich nun aufopfernd um die Betroffenen kümmern.

Sehr geehrte Damen und Herren, die Schirmherrschaft über den German Paralympic Media Award und die Teilnahme an der heutigen Preisverleihung ist für mich aus zwei Gründen etwas ganz besonderes.

Zum einen kenne ich die Sorgen und Nöte der Medienvertreter aus meiner Zeit als Journalistin bei der Nürnberger Zeitung gut und mir ist bewusst, wie wichtig es ist, die Presse zu motivieren, auch über Ereignisse zu berichten, die vermeintlich auf ein weniger großes Leserinteresse stoßen.

Zum anderen verbinde ich mit dieser Schirmherrschaft die Erinnerung an zwei ganz besondere Termine, die ich in diesem Jahr erleben konnte: Die Eröffnung der Special Olympics im Mai dieses Jahres und die Eröffnung der Paralympischen Sommerspiele in London.

Ich erinnere mich an die mitreißende Begeisterung der Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung, die sich in der Olympiahalle in München versammelt haben, um gemeinsam den Auftakt ihrer Nationalen Spiele zu feiern. Diese ausgelebte und unbeschwerte Freude von der Athletin über den Betreuer bis hin zu den Organisatoren und den vielen Helferinnen und Helfern hat mich sehr beeindruckt.

Und ich denke zurück an die Entzündung des Olympischen Feuers in London, an die Anspannung vor den Wettkämpfen, an die Energie, an die Freude oder auch Enttäuschung über die eigene Leistung, und an den immer spürbaren Stolz, Teil dieses großen Ereignisses zu sein. Ich habe erlebt, dass der olympische Gedanke wirklich zählt. Auch für Sportlerinnen und Sportler mit einer Behinderung gilt nicht ausschließlich, dabei sein ist alles. Der Wille, Leistung zu zeigen und den Sieg zu erringen, ist gleichermaßen bestimmend und schmälert keinesfalls die Freude am gemeinsamen Wettbewerb.

Sich als Teil eines Ganzen betrachten zu können, darum geht es auch, wenn wir von Teilhabe von Menschen mit Behinderungen sprechen. Das wollen wir in allen Bereichen unserer Gesellschaft erreichen. Von der Bildung außerhalb von Förderschulen bis zur Arbeit außerhalb von Behindertenwerkstätten. Dabei müssen wir uns aber auch der Grenzen bewusst sein, denn Inklusion ist die Wertschätzung von Vielfalt und nicht deren Negierung.

Es gibt schon viele gute Beispiele, die zeigen, wie ein gemeinsames Leben von Menschen mit und ohne Behinderung besser funktionieren kann. So sind schon viele Bereiche des öffentlichen Lebens „barrierefrei“ und es ist besonders erwähnenswert, dass in vielen Sportvereinen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam trainieren. Das freut mich sehr und ich möchte allen, die hier unterstützen, für Ihr Engagement danken und zu weiterem Engagement ermutigen. Es ist ein richtiger und wichtiger Weg.

Es gibt noch viele Möglichkeiten, das Leben von Menschen mit einer Behinderung in unserer Gesellschaft zu verbessern. Wir können zum Beispiel damit beginnen, unsere eigene Einstellung kritisch zu hinterfragen. Wir können versuchen, sprachliche Barrieren zu überwinden. Wir können Leistungen von Sportlerinnen und Sportlern anerkennen, nicht weil sie sie, wie mancher sagt, „trotz ihrer Behinderung“ erbracht haben, sondern weil es Meisterleistungen sind, die uns begeistern.

Meinen eigenen Berufsstand möchte ich gleich zweifach in die Verantwortung nehmen.

1. Die Medien können durch die Art und den Wortlaut ihrer Berichterstattung dazu beitragen, sprachliche Barrieren abzubauen.

2. Und sie können durch ganzjährige Beiträge über Sportveranstaltungen, an denen Menschen mit Behinderungen teilnehmen, den Blick der Öffentlichkeit auf deren Leistungsfähigkeit und auf den Menschen hinter dem Sportler lenken.

Über die Paralympischen Spiele 2012 wurde soviel berichtet wie nie zuvor. Das ist gut und ich wünsche mir, dass dieser Berichterstattung auch zukünftig noch mehr Raum geschenkt wird.

Über Qualitätsjournalismus, journalistischen Herdentrieb , die Sach- und insbesondere die Sparzwänge wurde in den letzten Wochen viel geschrieben und diskutiert. Aus eigenem Erleben könnte ich noch einiges aus dem Redaktionsalltag hinzufügen. Dennoch bin ich überzeugt, dass trotz Kostendruck sich die Vertreterinnen und Vertreter der Presse ihrer Verantwortung bewusst sind und vielfach die öffentliche Debatte um sachlich fundierte Berichte bereichern. Es freut mich ganz besonders, dass wir heute Autorinnen und Produzenten solcher Reportagen, Analysen und Interviews auszeichnen.

Liebe Preisträgerinnen und Preisträger, dies ist eine verdiente Würdigung und Anerkennung Ihrer gut recherchierten, kompetenten und verständlichen Beiträge. Ich hoffe, sie motiviert auch andere Kolleginnen und Kollegen, mehr über die Leistungen von Menschen mit einer Behinderung zu berichten. Und dazu können Sie erneut beitragen, indem Sie auf Ihre Auszeichnung stolz sind und dies auch Ihren Kolleginnen und Kollegen erzählen.

Ich danke Ihnen für Ihr Engagement als Fernsehexperte, für Ihre Berichterstattung im Internet, Ihre Magazinartikel oder Ihre Filmproduktion und freue mich, später selbst einen der Preise überreichen zu dürfen.

Allen Preisträgerinnen und Preisträgern: herzlichen Glückwunsch!"