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Neujahrsgespräch in Schloss Bellevue

Begrüßung von Daniela Schadt zum Unicef Neujahrsgespräch Schloss Bellevue, 16. Januar 2013 Begrüßung von Daniela Schadt zum Unicef Neujahrsgespräch © Henning Schacht

Daniela Schadt hat am 16. Januar zu einem Neujahrsgespräch mit Unicef ins Schloss Bellevue eingeladen. Experten aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft diskutierten unter dem Titel „Per SMS für Kinderrechte“ Chancen und Risiken der neuen Medien für die Verbesserung der Lebenssituation von Kindern in Entwicklungs- und Schwellenländern.

In ihrer Begrüßung sagte Daniela Schadt: "Der Siegeszug von Handys, Computern und Internet ist nicht per se gut oder schlecht. Jede Erfindung ist nur so gut wie das, was man daraus macht. Für Unicef – und das schätze ich als Schirmherrin sehr an dieser Organisation – ist das Glas immer zuerst einmal halb voll. Jetzt geht es darum, die neuen Entwicklungen im Sinne der Kinder und ihrer Rechte zu nutzen. Wir haben die Chance, das Beste daraus zu machen, für die Kinder, die heute leben, und für die kommenden Generationen."

Begrüßung von Daniela Schadt

Änderungen vorbehalten. Es gilt das gesprochene Wort.

Herzlich willkommen zum Neujahrsgespräch in Schloss Bellevue. Als Schirmherrin von Unicef Deutschland freue ich mich, dass so viele von Ihnen unserer gemeinsamen Einladung gefolgt sind. Ich bin sehr gespannt auf die interessanten Gäste und eine lebhafte Diskussion.

Wir diskutieren heute unter dem Titel „Per SMS für Kinderrechte“ die Chancen, die die neuen Technologien für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen in der ganzen Welt bieten. Dabei wollen wir aber nicht die Nachteile von Internet und Handy außer Acht lassen.

Für uns in Deutschland sind Mobiltelefone in den letzten Jahren zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Wer zum ersten Mal in ein Entwicklungsland reist, staunt hingegen oft, dass auch in Kenia oder Kambodscha anscheinend fast jeder ein Handy hat – selbst im abgelegensten Dorf und im ärmsten Slum. Das passt nicht zu unserem Bild von armen Ländern und hilfsbedürftigen Menschen. Tatsächlich aber sind die sogenannten Entwicklungsländer den Industrieländern in Sachen Mobiltelefone inzwischen weit voraus: Laut Weltbank gibt es heute sechs Milliarden Handy-Nutzer – fünf Milliarden davon in Entwicklungs- und Schwellenländern. Afrika hat den am schnellsten wachsenden Handy-Markt der Welt. Und nicht nur zahlenmäßig liegen die Entwicklungsländer vorn. Oft entstehen Innovationen im Mobilfunk gerade dort: Zum Beispiel wurde das mobile Banking in Kenia erfunden. Grund hierfür war, dass es in einem Land, in dem nicht jeder ein Bankkonto hat, an einfachen Bezahlmöglichkeiten fehlte.

Der bekannte US-Ökonom Jeffrey Sachs hat gesagt: „Keine andere Technologie wird für die Entwicklung armer Länder eine größere Rolle spielen als das Mobiltelefon.“ Sachs erwartet nicht weniger als eine „Revolutionierung“ der Entwicklungshilfe durch Handys und mobiles Internet.

Die Hoffnungen scheinen keine Grenzen zu kennen: Durch den Zugang zu Handys und Internet sollen sich ganz neue Job-Chancen eröffnen, die Armut soll überwunden werden. Viele erhoffen sich mehr Pressefreiheit, weniger Korruption, Demokratisierung.

Das klingt zu schön, um wahr zu sein, und Zweifel sind berechtigt: Allein durch eine immer größere Zahl an Handys und Internetseiten wird unsere Welt nicht besser werden.

Denn selbstverständlich gibt es auch Schattenseiten. Nicht nur Wissen und Nachrichten lassen sich online verbreiten, sondern eben auch Verleumdungen und falsche Behauptungen – und wenn sie erst einmal kursieren, sind sie so leicht nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Probleme, die wir aus der realen Welt kennen, können durch Internet und soziale Netzwerke eine ganz neue Dimension annehmen. Was früher die Prügelei auf den Schulhof war, wird heute zum Cybermobbing – mit weitreichenden, quälenden Folgen für die meist jungen Opfer. Bei jedem neuen Kommunikationsweg besteht eben immer auch die Gefahr von Manipulation und Missbrauch.

Wir dürfen auch nicht vergessen, dass zwar sehr viele und immer mehr Menschen ein Handy und einen Internetzugang besitzen, aber eben noch lange nicht alle. Der ehemalige UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat schon vor zehn Jahren von einer „digitalen Kluft“ gesprochen: Zwischen den Menschen, die Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnik haben und denen, die davon abgeschnitten sind. Diese digitale Kluft gibt es immer noch, und es besteht die Gefahr, dass sie gesellschaftliche Herausforderungen noch verschärft.

Der Siegeszug von Handys, Computern und Internet ist nicht per se gut oder schlecht. Jede Erfindung ist nur so gut wie das, was man daraus macht. Für Unicef – und das schätze ich als Schirmherrin sehr an dieser Organisation – ist das Glas immer zuerst einmal halb voll. Jetzt geht es darum, die neuen Entwicklungen im Sinne der Kinder und ihrer Rechte zu nutzen. Wir haben die Chance, das Beste daraus zu machen, für die Kinder, die heute leben, und für die kommenden Generationen.

Ihnen allen liegt das Wohl der Kinder genauso am Herzen wie mir. Lassen Sie uns gemeinsam dafür eintreten, dass das große Potential von neuen Technologien richtig genutzt wird: So dass Kinder davon profitieren! Und zwar jedes Kind und jeder Jugendliche – unabhängig davon, in welchem Land es lebt oder ob es aus einer armen oder einer reichen Familie kommt.

In diesem Sinn wünsche ich uns eine spannende Diskussion und lebhafte Gespräche.

Ich darf das Wort jetzt an Herrn Dr. Heraeus übergeben. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.