Navigation und Service

Zertifizierung von neuen "HEROES – gegen Unterdrückung im Namen der Ehre"

Daniela Schadt hält eine Ansprache bei Strohhalm e.V. bei der Zertifizierung von 'HEROES – gegen Unterdrückung im Namen der Ehre' Berlin, 5. Dezember 2016 Zertifizierung von "HEROES – gegen Unterdrückung im Namen der Ehre" – Ansprache bei Strohhalm e.V. © Kristina Wogatzki

Daniela Schadt hat am 5. Dezember die Berliner HEROES für ihren Einsatz gegen Gewalt im Namen der Ehre gewürdigt. Es war ihr dritter Besuch bei der Initiative des Strohhalm e.V.

Ansprache von Daniela Schadt:

Sehr geehrte Damen und Herren, vor allem aber: liebe "fast"-HEROES!

Ich sage "fast", weil Sie ja erst mit der Übergabe des Zertifikats offiziell in die Familie der HEROES aufgenommen werden. Aber eigentlich wurden Sie schon mit Ihrer Entscheidung, sich den HEROES anzuschließen, zu Helden. Denn Sie übernehmen Verantwortung für sich und für unsere Gesellschaft. Damit sind Sie für alle Jugendlichen zum Vorbild geworden.

Mit Ihrer Bewerbung bei den HEROES haben Sie sich entschieden, einiges in Frage zu stellen: ein bisher vielleicht als selbstverständlich hingenommenes traditionell geprägtes Bild von Geschlechterrollen und nicht zuletzt Ihre scheinbar privilegierte Position als Mann. Sie haben sich entschieden, für Gleichberechtigung und gegen Unterdrückung im Namen der Ehre einzutreten. Denn Sie haben sich den Grundgedanken von HEROES zu eigen gemacht: Veränderung fängt im Kleinen an – bei jedem Einzelnen, in der Familie, in der Schule, im Kiez.

Und Sie sind nicht beim ersten Schritt – beim Umdenken – stehengeblieben, sondern haben Ihre Freizeit in den Dienst der Gesellschaft gestellt. Mindestens einmal pro Woche haben Sie schwierige, oft unbequeme und manchmal tabuisierte Themen diskutiert, etwa die Bedeutung von Ehre und Gleichberechtigung, von Diskriminierung, Unterdrückung Sexualität, Sexismus. Dabei mussten Sie oft eigene Wertvorstellungen, die häufig seit Generationen in den Familien weitergegeben werden, hinterfragen. Die Auseinandersetzung mit sich selbst und dem engsten Umfeld gehört wohl für alle jungen Menschen in einem bestimmten Alter zu den ganz großen, prägenden Herausforderungen. Sie haben sich dieser Herausforderung gestellt. Und das, während Ihre Freunde ausgegangen sind, Sport getrieben, sich einem Hobby gewidmet oder gefeiert haben.

Schon allein für Ihren Durchhaltewillen und Ihre Ausdauer, sich neben Schule, Ausbildung und Arbeit für längere Zeit mit den Fragen der Ehre auseinanderzusetzen – theoretisch wie praktisch –, schon allein dafür haben Sie die heutige Würdigung verdient!

Zu HEROES werden Sie gleich ernannt, weil Sie mit Gegensätzen souverän, ja heldenhaft umgehen können. Und das ist bestimmt nicht immer einfach. Manche von Ihnen finden sich ja selbst oft im Spannungsfeld von traditionellen, teilweise widersprüchlichen Vorstellungen, die Ihnen seit Ihrer Kindheit vertraut waren, und der Lebenswelt unserer liberalen Gesellschaft. Einer Gesellschaft im Übrigen, die selber lange für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gekämpft hat und damit noch immer nicht ganz am Ziel ist.

Trotz mancher Widerstände bringen Sie den Mut und die Kraft auf, sich in der Öffentlichkeit für Gleichberechtigung und die universelle Gültigkeit von Menschenrechten und Gleichberechtigung einzusetzen. Das macht Sie glaubwürdig. Und Sie selbst und wir alle spüren: Dadurch sind Sie nicht schwächer, sondern stärker geworden. Genau dafür werden Sie heute zertifiziert. Und genau dafür haben Sie unser aller Respekt!

Gratulieren möchte ich zunächst Frau Krägeloh, Frau van Os und allen Berliner Gruppenleitern: Dank Ihres Einsatzes und langjährigen Engagements sind die HEROES in Berlin und die gesamte HEROES-Familie um sechs weitere beeindruckende Persönlichkeiten reicher geworden.

Und nun natürlich zu Ihnen, liebe "Neu-HEROES": Die Zertifikate, die hier vor mir liegen, berechtigen Sie, ab sofort Workshops gegen Unterdrückung im Namen der Ehre und für Gleichberechtigung zu leiten.

Herzlichen Glückwunsch, liebe Helden!