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Ordensverleihung zum Verfassungstag

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeichnet Sophie Debrunner Hall mit der Verdienstmedaille bei der Ordensverleihung zum Verfassungstag in Schloss Bellevue aus Schloss Bellevue, 22. Mai 2018 Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zum Verfassungstag – Auszeichnung von Sophie Debrunner Hall mit der Verdienstmedaille © Felix Zahn

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeichnete am Dienstag, 22. Mai um 11.00 Uhr in Schloss Bellevue 24 Bürgerinnen und Bürger mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland aus. Anlass ist der 69. Jahrestag des Inkrafttretens des Grundgesetzes am 23. Mai. Die zwölf Frauen und zwölf Männer engagieren sich in herausragender Weise für Freiheit und Demokratie und gegen Rechtextremismus und Gewalt. Der jüngste Ordensträger ist 20, der älteste 90 Jahre alt.

Folgende Bürgerinnen und Bürger werden ausgezeichnet:

Bayern

Felix Finkbeiner, Uffing am Staffelsee
Verdienstmedaille

Ein Referat, das er als Grundschüler über den Klimawandel gehalten hat, war der Beginn des außergewöhnlichen Engagements von Felix Finkbeiner. Seither propagiert er die Idee, durch das Pflanzen von Bäumen aktiven Umweltschutz zu betreiben. Im Alter von neun Jahren startete er mit Unterstützung seiner Familie das Klimaschutzprojekt Plant-for-the-Planet. Daraus ist eine internationale Bewegung mit mittlerweile mehr als 100.000 Unterstützern im Kindes- und Jugendalter entstanden. Um den Klimawandel zu bremsen, wollen sie bis zum Jahr 2020 weltweit 1.000 Milliarden Bäume pflanzen. Felix Finkbeiner präsentierte sein Vorhaben vor den Vereinten Nationen in New York und machte deutlich, dass es beim Klimaschutz um die Zukunftsperspektiven junger Menschen geht. Felix Finkbeiner zeigt, dass in einer Demokratie der Einsatz für das Allgemeinwohl keine Frage des Alters ist. Niemand ist zu jung, um sich durch herausragende Leistungen verdient zu machen.

Berlin

Dunya Hayali
Verdienstkreuz am Bande

Die TV-Moderatorin Dunja Hayali ist nicht nur als kritische Journalistin aktiv, sondern engagiert sich auch ehrenamtlich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Besonders aktiv unterstützt sie die Aktion Störungsmelder on tour des Vereins Gesicht zeigen! Unter dem Motto "Wir müssen reden. Über Nazis." diskutiert sie mit Schülerinnen und Schülern über rechte Trends und trainiert Zivilcourage. Außerdem unterstützt sie die Initiative des Deutschen Fußball-Bundes gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt. Immer wieder macht Dunja Hayali zudem öffentlich, wie sie in sozialen Medien wegen ihrer Herkunft und ihres Engagements beleidigt und bedroht wird und wie sie dagegen vorgeht. Als Betroffene zeigt sie damit eindringlich, dass Hass in der politischen Auseinandersetzung nicht tatenlos hingenommen werden muss.

Peter Merseburger
Verdienstkreuz 1. Klasse

Als Journalist war Peter Merseburger eine Ikone des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Der Redaktionsleiter des TV-Magazins Panorama war ein Vorbild für einen kritischen, aber faktenbasierten Journalismus, der die politischen Diskurse unseres Landes mitgeprägt hat. Als Auslandskorrespondent trug Peter Merseburger dazu bei, das Bild der Deutschen von ihren westlichen Partnern zu formen, und mit seiner Berichterstattung aus Ost-Berlin half er, das Bewusstsein für die Gemeinsamkeiten der Deutschen in Ost und West zu bewahren. Seiner Tätigkeit als Publizist verdanken wir u. a. wichtige Biographien über führende Persönlichkeiten der jungen Bundesrepublik. Seine Bücher über Kurt Schumacher, Willy Brandt oder Theodor Heuss erinnern uns daran, wie mühevoll und opferreich Deutschlands Weg zur Demokratie des Grundgesetzes gewesen ist.

Brandenburg

Gudrun Breitschu-Wiehe, Cottbus
Verdienstkreuz am Bande

Um Übergriffe auf Ausländer nicht tatenlos hinzunehmen, sondern etwas dagegen im eigenen Umfeld zu tun, gründeten Bürgerinnen und Bürger 1999 den Cottbuser Aufbruch – Aktionsbündnis für ein gewaltfreies tolerantes Miteinander. Die Angestellte Gudrun Breitschuh-Wiehe ist seitdem besonders engagiertes Mitglied sowie treibende Kraft in der überparteilich agierenden Initiative; sie gehört auch dem Vorstand des Fördervereins an. Der Cottbuser Aufbruch fördert die Begegnung von Einheimischen und Migranten sowie das couragierte Eintreten gegen Gewalt und Hass. Dafür bringt sich Gudrun Breitschuh-Wiehe zupackend und mit guten Ideen in viele Gremien ein. Seit 2003 ist sie auch Stadtverordnete und hat in Cottbus die Aktion "Stolpersteine" angestoßen, mit der an Menschen erinnert wird, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt worden sind.

Dr. Juli Zeh, Barnewitz
Verdienstkreuz am Bande

Sie ist nicht nur eine international erfolgreiche Schriftstellerin, sondern auch eine politisch aktive Intellektuelle. In ihren Werken, die weltweit in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurden, behandelt Juli Zeh immer wieder die Grenzen von Recht und Unrecht, von Freiheit und Verantwortung. Aber sie belässt es nicht dabei, diese Themen literarisch zu bearbeiten. Als promovierte Juristin setzt sich Juli Zeh besonders für die bürgerlichen Freiheitsrechte im digitalen Zeitalter ein – und sie ermuntert andere zum demokratischen Engagement. Sie macht deutlich, dass Individualismus, persönliche Unabhängigkeit und eigenständiges Denken kein Widerspruch sind zum gemeinsamen Engagement und zur Mitgliedschaft in demokratischen Parteien. Juli Zeh stellt klar: Unser Land braucht kein konsumistisches Politikverständnis, sondern engagierte Demokratinnen und Demokraten.

Hamburg

Hannes Ley
Verdienstkreuz am Bande

Als mit der Flüchtlingsaufnahme im Sommer 2015 rassistische und menschenverachtende Kommentare und Postings im Internet ständig zunahmen, beschloss Hannes Ley, selbst aktiv zu werden und dagegen vorzugehen. Er gründete die Internetgruppe #ichbinhier. Nahezu 40.000 Aktive hat er in kurzer Zeit gewonnen. Gemeinsam identifizieren sie Schmähungen, Beleidigungen und Hassäußerungen im Netz, schreiben "Gegenkommentare" und leiten diese weiter. Die Initiative hat sich zu einem wichtigen Instrument gegen sprachliche Verrohung und für eine demokratische Streitkultur im Netz entwickelt. Das Internet darf kein Tummelplatz für Extremisten werden, die mit verbaler Aggression besonnene Akteure vertreiben. Das Engagement des Unternehmers Hannes Ley ist daher ein heraus-ragender Beitrag für den Schutz der Meinungsfreiheit im digitalen Zeitalter.

Hessen

Prof. Günther Nonnenmacher, Offenbach am Main
Verdienstkreuz 1. Klasse

Zwei Jahrzehnte lang war Günther Nonnenmacher einer der klugen Köpfe hinter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Als Herausgeber prägte er vor allem die außenpolitische Berichterstattung des Blattes, das wie kaum ein anderes unter den deutschen Tageszeitungen für Qualitätsjournalismus steht. Günther Nonnenmacher gehört dem Beirat des Walther Rathenau Instituts – Stiftung für internationale Politik und dem Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik an. Außerdem wirkt er im Kuratorium der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums in Frankfurt am Main. Seit 2009 lehrt Günther Nonnenmacher auch als Honorarprofessor an der Universität Leipzig Kommunikationswissenschaften. In Zeiten von Fake News und "alternativen Fakten" ist diese Vermittlung von journalistischem Handwerk und Ethos wichtiger denn je.

Sabine Röder und Dr. Daniel Röder, Frankfurt am Main
Verdienstkreuz am Bande

Das unerwartete Votum der Briten für einen Austritt aus der EU war der erste Schock, die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten der zweite. Anschließend wollten die beiden Rechtsanwälte Sabine und Daniel Röder Europafeindlichkeit und Nationalismus nicht länger tatenlos zusehen, sondern deutlich machen, dass ein vereintes Europa und offene Grenzen alles andere als ein volksfernes Elitenprojekt sind. Sie gründeten Pulse of Europe und brachten mit ihrer Bürgerinitiative in Deutschland und vielen europäischen Ländern in kurzer Zeit Zehntausende auf die Straße. Damit setzten sie ein europaweit beachtetes Zeichen. Seit April 2017 ist Pulse of Europe ein eingetragener Verein, dem Daniel Röder als Vorsitzender vorsteht. Das Beispiel von Sabine und Daniel Röder zeigt, dass auch Einzelne Großes zu leisten vermögen, wenn sie im richtigen Moment das Richtige tun.

Mecklenburg-Vorpommern

Klara Fries, Greifswald
Verdienstmedaille

Die Lehramtsstudentin Klara Fries gründete 2014 gemeinsam mit anderen jungen Menschen das Jugend- und Kulturzentrum Demokratiebahnhof in Anklam. Damit soll Freiraum für Kinder und Jugendliche geschaffen und sie sollen in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Auf diese Weise erleben sie ganz praktisch demokratische Meinungsbildung und Selbstbestimmung und sie lernen, dass ihre eigenen Ideen und Vorstellungen einen Platz in unserer Gesellschaft finden können. Die Vermittlung von Solidarität und die Akzeptanz unterschiedlicher Herkünfte und Milieus sind dabei zentrale Werte. Das Engagement von Klara Fries ist nicht gefahrlos – schon mehrmals wurden das Projekt und sie von Rechtsextremisten bedroht. Doch die junge Frau, die auch Jugendgruppenleiterin im Pfadfinderbund Mecklenburg-Vorpommern ist, lässt sich nicht einschüchtern. Sie engagiert sich weiter und beweist damit großen Mut, für ihre demokratischen Überzeugungen einzustehen.

Niedersachsen

Monika Dehmel und Gregor Dehmel, Isernhagen
Verdienstkreuz am Bande

Ihr Motto lautet: "Wir machen Lust auf Demokratie". Und genau das erreichen Monika und Gregor Dehmel seit mehr als 20 Jahren bei Schülerinnen und Schülern. 2006 gründete das Ehepaar den Verein Politik zum Anfassen. Seitdem initiieren und organisieren die beiden Psychologen politische Bildungsprogramme für junge Menschen. Dazu gehören das kommunalpolitische Planspiel "Pimp Your Town!", die "Faktenwerkstatt" zum Wert von Nachrichten und Fake News oder Filmprojekte wie "Kartoffel werden" über Einbürgerungen. Was als lokales ehrenamtliches Projekt begann, ist so erfolgreich geworden, dass damit heute jedes Jahr mehr als 10.000 junge Menschen aus ganz Deutschland erreicht werden. Mit ihren innovativen Projekten ermutigen Monika und Gregor Dehmel Jugendliche, selbst aktiv zu werden und über die Zukunft unseres Landes mitzubestimmen.

Walter Klinge, Hardegsen-Asche
Verdienstkreuz am Bande

Der Landwirtschaftsmeister hat mit seinem kommunalpolitischen Engagement erreicht, was heute wichtiger denn je ist: dem demographischen Wandel zu trotzen, sinkenden Einwohnerzahlen entgegenzuwirken und im ländlichen Raum ein attraktives Dorfleben für alle Generationen zu schaffen. Als Ortsbürgermeister von Asche und Ratsherr der Stadt Hardegsen hat Walter Klinge nicht auf die Hilfe von übergeordneten Stellen gewartet, sondern hat selbst innovative Wege beschritten. Eine moderne Highspeed-Internetanbindung des Heimtortes wurde in Eigeninitiative geschaffen. Walter Klinge organisierte die Wärmeversorgung genossenschaftlich und er strukturierte den Ort erfolgreich in ein Bioenergiedorf um. Außerdem machte er sich für den Arbeitskreis Wir für Asche stark – eine Initiative, die mit ihrem Engagement dafür sorgt, dass es auch in einem kleinen Ort große Lebensqualität gibt.

Jürgen Uebel, Bad Nenndorf
Verdienstkreuz am Bande

Der Apotheker hat vor zwölf Jahren die Initiative Bad Nenndorf ist bunt – Bündnis gegen Rechtsextremismus mit gegründet und war bis März 2018 deren Vorsitzender. Bad Nenndorf war viele Jahre Ort eines rechtsextremen Aufmarsches. Jürgen Uebel und seine Mitstreiter haben entlang des Aufmarsches eine Partymeile mit kreativen Gegenaktionen organisiert und deutlich gemacht: Die große Mehrheit in Bad Nenndorf lehnt den Extremismus ab. Ihr Engagement hatte Erfolg. Seit 2016 ist der rechtsextreme Spuk vorbei – aber das Engagement geht weiter: Der Verein sammelt Spenden für die Aussteigerorganisation Exit, organisiert den Holocaust-Gedenktag, ist in der Flüchtlingshilfe aktiv und feiert in diesem Jahr zum 13. Mal das Internationale Kulturfest. Das Engagement von Jürgen Uebel ist ein herausragendes Beispiel bürgerlichen Widerstands gegen Neonazis und rechten Extremismus.

Nordrhein-Westfalen

Ulrich Pieper, Bochum
Verdienstkreuz am Bande

Als die meisten Deutschen noch von "Gastarbeitern" sprachen, engagierte sich Ulrich Pieper bereits für Integration. Schon im Alter von 18 Jahren war er einer der Gründer des Vereins für multikulturelle Kinder- und Jugendhilfe – IFAK. Seit 1974 ist Ulrich Pieper im ehrenamtlichen Vorstand des Vereins aktiv, seit 1997 als Vorsitzender. IFAK ist heute Träger von mehreren Kindergärten, Jugendtreffs und Familienhilfezentren und hat zahlreiche Projekte in der interkulturellen Kinder- und Jugendhilfe durchgeführt. Viele, die heute in dem Verein ehrenamtlich mitwirken, hat der Lehrer Ulrich Pieper dort schon als Kinder kennengelernt und ermuntert, ihre Ziele zu verwirklichen. Heute sind sie es selbst, die ihn bei der ehrenamtlichen Arbeit unterstützen und mit ihm zusammen zu Vielfalt, friedlichem Zusammenleben und Chancengleichheit beitragen – zu wichtigen Grundwerten unseres demokratischen Staates.

Sachsen

Dr. Martin Böttger, Zwickau
Verdienstkreuz 1. Klasse

Bereits in der DDR engagierte sich der Physiker in der kirchlichen Friedensarbeit. Obwohl denunziert und von den Machthabern verfolgt und verhaftet, hat Martin Böttger sich nicht beugen lassen, sondern wurde Mitgründer der Initiative Frieden und Menschenrechte und des Neuen Forums. Nach der Friedlichen Revolution 1989 übernahm er sofort Verantwortung in politischen Ämtern und widmete sich der Aufarbeitung des SED-Unrechts. Seit 2009 wirkt Martin Böttger auch im Zwickauer Stadtrat. Besonders wichtig ist ihm, junge Menschen zum aktiven Eintreten für die Demokratie zu ermutigen. 1998 hat er das Martin-Luther-King-Zentrum für Gewaltfreiheit und Zivilcourage in Werdau mit aufgebaut, eine Bildungs- und Begegnungsstätte, deren Vorstandsvorsitzender er auch ist. Martin Böttger trägt in herausragender Weise zu demokratischem Engagement und friedlicher Konfliktlösung in unserer Gesellschaft bei.

Thomas Eulenberger, Penig
Verdienstkreuz am Bande

Thomas Eulenberger ist es in besonderer Weise zu verdanken, dass Penig, eine Kleinstadt im Herzen Sachsens, seit der Deutschen Einheit einen beispielhaften Aufschwung erlebt hat. Schon bei der ersten freien Kommunalwahl in der DDR, im Mai 1990, war er bereit, Verantwortung zu übernehmen und wurde zum Bürgermeister gewählt. Seitdem setzt sich Thomas Eulenberger mit Weitblick und großer Tatkraft für die Interessen der ostdeutschen Kommunen ein. Seine langjährigen Erfahrungen als Bürgermeister bringt er auch im Kreistag von Mittelsachsen und im Sächsischen Städte- und Gemeindetag ein. Thomas Eulenberger engagiert sich dafür, dass auch Kleinstädte attraktive Wohnorte bleiben – mit Arbeitsplätzen und guter Infrastruktur. Mit Dialogforen, die er zu aktuellen Fragen organisiert, sorgt der Bürgermeister zudem für eine lebendige Debattenkultur in der Stadt.

Sachsen-Anhalt

Juliane Luisa Gombe, Magdeburg
Verdienstkreuz am Bande

Die aus Angola stammende Technikerin und Sozialarbeiterin hat sich um ein friedliches Zusammenleben in Magdeburg verdient gemacht. Das große Engagement von Juliana Luisa Gombe zeigt, welche Bereicherung Zuwanderung für eine aktive Zivilgesellschaft darstellen kann. Als junge Frau musste sie aus politischen Gründen ihre Heimat verlassen. 1996 kam sie nach Magdeburg, wo sie von Anfang an mit ihrem Talent, auf Menschen zuzugehen, andere Flüchtlinge unterstützt und sich für das Gemeinwohl engagiert hat. Ihre Arbeit hat sie auch fortgeführt, nachdem sie vor einigen Jahren von Rechtsextremisten angegriffen und dabei schwer verletzt wurde. 2016 gründete sie den Verein Toleranz Lernen und Leben – TOLL, der sich vor allem der Integration von Flüchtlingsfamilien widmet. Besonderen Wert legt Juliana Luisa Gombe, die sechs Sprachen spricht, auf das Erlernen der deutschen Sprache als Voraussetzung der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Schleswig-Holstein

Claudine Nierth, Raa-Besenbek
Verdienstkreuz am Bande

Die Künstlerin engagiert sich seit Langem für demokratische Mitwirkung. Seit 1998 ist Claudine Nierth Vorstandssprecherin des Vereins Mehr Demokratie, dessen Thema die Schaffung und der Ausbau von direktdemokratischen Instrumenten ist. Claudine Nierth ist anerkannte Expertin auf diesem Gebiet und eine über Deutschland hinaus gefragte Referentin. Auch wenn die direkte Demokratie in einem Spannungsverhältnis zur repräsentativen Demokratie steht, ist der Austausch darüber, ob unser Land mehr Volksentscheide braucht, stets bereichernd. Wie lassen sich kluge Entscheidungen unter breiter Teilhabe am besten erreichen? Diese wichtige Frage setzt Claudine Nierth immer wieder auf die politische Agenda. Außerdem ist sie im Vorstand der Gemeinnützigen Treuhandstelle Hamburg aktiv – einer Institution, die Geld sammelt und ermöglicht, dass aus guten gesellschaftspolitischen Ideen erfolgreiche Projekte werden.

Susanne Itzerott, Woltorf
Verdienstkreuz am Bande

Das Lebensumfeld selbst mitgestalten – mit dieser Maxime hat sich Susanne Itzerott bereits als junge Frau in die Kommunalpolitik eingebracht. In den 1970er-Jahren war sie das erste weibliche Mitglied der Gemeindevertretung von Wohltorf. Heute ist die ehemalige Angestellte stellvertretende Bürgermeisterin ihres Heimatortes und gehört dem Kreistag an, in den sie erstmals 1992 gewählt wurde. Sie wurde aktiv, als Politik noch eine Männerdomäne war. Deshalb ist es ihr bis heute wichtig, den Frauenanteil in politischen Gremien zu steigern. Susanne Itzerott ist stellvertretende Bundesvorsitzende der Vereinigung Liberaler Kommunalpolitiker und macht sich im Vorstand des Vereins KopF – kommunalpolitisches Netzwerk für Frauen Herzogtum Lauenburg für die Förderung von Frauen stark. Der Verein schult Frauen unter anderem in Kommunikation und Rhetorik und möchte dadurch mehr Frauen ermutigen, selbst in der Kommunalpolitik aktiv zu werden.

Walter Vietzen, Hohenwestedt
Verdienstkreuz am Bande

Der Lehrer setzt sich seit vielen Jahren in seiner Heimatregion für eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus und für politische Bildung ein. Er hat zahlreiche Ausstellungen zur nationalsozialistischen Vergangenheit, Zeitzeugengespräche und Exkursionen zur KZ-Gedenkstätte Neuengamme vor allem für junge Menschen organisiert. Sein Engagement stieß auch auf Widerstände. Vor zehn Jahren wurde er über Monate hinweg von Neonazis terrorisiert. Darüber haben Jugendliche einen Dokumentarfilm gedreht. In vielen Gesprächen hat ihnen Walter Vietzen dabei eindringlich vermittelt, wie Zivilcourage und Solidarität wirksam Rechtsextremismus entgegengesetzt werden können. An der Gemeinschaftsschule in Kellinghusen war er zudem der Initiator des Projekts "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage". So ist Walter Vietzen ein Beispiel dafür, dass demokratisches Engagement manchmal auch den Mut des Einzelnen braucht – und die Solidarität von Vielen.

Thüringen

Gertrud Kunze, Glasehausen
Verdienstkreuz am Bande

Der ehemaligen Erzieherin ist es in besonderer Weise zu verdanken, dass sich ihr Heimatort Glasehausen, der direkt an der ehemaligen innerdeutschen Grenze liegt, von einem aussterbenden Sperrzonendorf zu einem lebendigen Wohnort entwickelt hat. Ohne den Elan und das Durchhaltevermöge von Gertrud Kunze wäre die kleine
thüringische Gemeinde heute nicht der lebenswerte Ort im ländlichen Raum, der er ist. Gertrud Kunze war von 1989 bis 2016 ehrenamtliche Bürgermeisterin und die prägende Persönlichkeit, die in der Gemeinde für Zusammenhalt gesorgt hat. Immer wieder hat sie Mut gemacht, die notwendigen Veränderungen im Zuge der Deutschen Einheit zu meistern. Sie hat zu Engagement und Investitionen motiviert und mit alldem dafür gesorgt, das Leben auf dem Land attraktiv zu machen. Als unermüdliche Brückenbauerin zu den angrenzenden Gemeinden in Niedersachsen hat sie außerdem das Zusammenwachsen von Ost und West tatkräftig gefördert.

Aus dem Ausland

Sophie Debrunner Hall, Oxford/Großbritannien
Verdienstmedaille

Die Studentin ist schweizerische und britische Staatsangehörige und hat Politikwissenschaften u. a. an der Freien Universität Berlin studiert. Seit 2010 ist sie in herausragender Weise beim Europäischen Jugendparlament aktiv. Das Netzwerk ist in 40 Ländern Europas vertreten und führt Jugendliche über nationale Grenzen hinweg zusammen. Es macht europäische Politik erlebbar und begeistert junge Menschen für die Idee eines vereinten Europas. Sophie Debrunner Hall engagierte sich zunächst in der Schweiz für das Europäische Jugendparlament, von 2015 bis 2016 war sie Vorsitzende des internationalen Vorstands. Außerdem ist sie jüngstes Vorstandsmitglied der in Berlin ansässigen Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa, in der sie mit großem Elan für die europäische Verständigung aktiv ist.

Sonja Licht, Belgrad/Serbien
Verdienstkreuz am Bande

Die serbische Soziologin ist eines der profiliertesten Mitglieder der Zivilgesellschaft ihres Landes. Sie ist eine unermüdliche Kämpferin für Menschenrechte und Demokratie – ein Kampf, dem sie sich seit über 50 Jahren verschrieben hat, mitunter auch gegen erheblichen Widerstand der jeweiligen Machthaber. Zu den zahlreichen NGOs, die sie gegründet hat und für die sie aktiv ist, gehören der überparteiliche Belgrade Fund for Political Excellence und das Belgrade Security Forum, das sich zu einer der wichtigsten regionalen Veranstaltungen im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik entwickelt hat. Dieses Engagement für Demokratie und Frieden auf dem Westbalkan liegt auch im deutschen Interesse. Sonja Licht ist zudem im Deutsch-Serbischen Forum aktiv, das sich für die kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Beziehungen auf Ebene der Zivilgesellschaft einsetzt – ein Engagement, das auch deshalb bemerkenswert ist, weil mehrere jüdische Verwandte von Sonja Licht während des Zweiten Weltkrieges von Nazideutschland ermordet worden sind.