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Grußbotschaft zum Fest des Fastenbrechens

Bundespräsident Joachim Gauck im Gespräch in einer Berliner Moschee (Archivbild) Berlin Bundespräsident Joachim Gauck im Gespräch in einer Berliner Moschee (Archivbild) © Sandra Steins

Bundespräsident Joachim Gauck hat den Muslimen in Deutschland am 7. August zum Ende des Fastenmonats Ramadan folgende Grußbotschaft gesandt:

"In diesen Tagen geht der Ramadan zu Ende. Eine Zeit der Entbehrung, der Besinnung und des In-sich-Hineinhörens liegt hinter allen, die diesen Fastenmonat begangen haben.

Bevor der Alltag wieder beginnt, wird das große Fest des Fastenbrechens gefeiert. Nun kann jede und jeder Einzelne das in die Tat umsetzen, was sie oder er während des Fastens an Einsicht und Erkenntnis gewonnen hat.

Je nachdem, woher man kommt, wird dieses Fest unterschiedlich lang und bunt gefeiert. Die einen besuchen die Moschee zum Gebet und die Gräber, um der Toten zu gedenken. Andere lesen Koransuren und sprechen Bittgebete. Viele besuchen zu diesem Fest Freunde und Verwandte, gratulieren einander und verbringen schöne und anregende Stunden beim Festessen in der Gemeinschaft mit Menschen, die Ihnen nahestehen.

So unterschiedlich wie die Menschen das Fest des Fastenbrechens feiern, so reich und bunt ist der Festtisch an diesem Tag gedeckt. Das ist für mich ein schönes Zeichen für die Vielfalt an Herkünften, Kulturen und unterschiedlichen Menschen, die uns unter Muslimen in unserem Land begegnet. Diese Vielfalt bereichert nicht nur den Islam, sondern auch unsere Gesellschaft.

Ich freue mich darüber, dass das Fest des Fastenbrechens ein sichtbarer Ausdruck von Religionsfreiheit und kultureller Vielfalt in unserem Land geworden ist. Es wird längst nicht mehr nur von Muslimen begangen. Je mehr Gelegenheiten es gibt, gemeinsam zu feiern, zu teilen, sich auszutauschen, desto vertrauter werden wir miteinander.

An manchem Iftar-Tisch wird sich in die Festfreude wohl auch Sorge mischen – Sorge um die Entwicklungen in Ländern, denen sich viele muslimische Bürgerinnen und Bürger hierzulande besonders verbunden fühlen. Wir teilen ihre Hoffnung auf Ausgleich in Frieden und Freiheit.

Freude wie Sorgen zu teilen stiftet Gemeinschaft. Ich bin froh, dass in unserem Land das Zusammenleben von Menschen unterschiedlichen Glaubens, mit unter­schiedlichen Bräuchen und Riten, immer selbstverständlicher wird. Mein Besuch in der Berliner Şehitlik-Moschee hat mir gezeigt, wie sehr das auch von ehrenamt­lichem Engagement in der Gemeinde vorangebracht und geprägt wird. Inzwischen gibt es sogar muslimische Pfadfinderinnen und Pfadfinder bei uns. Im Herbst werden sie die Flamme der Hoffnung in verschiedene Städte Deutschlands tragen. Sie steht für den Wunsch nach Toleranz und Respekt, sie leuchtet für das friedliche Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft. Ein schönes Bild.

Das Zusammenleben in Vielfalt geschieht nicht von alleine. Es braucht Einsatz und Vertrauen, es braucht den guten Willen und die Bereitschaft jedes Einzelnen. Angesichts von Unfrieden und Gewalt, von Flucht und Vertreibung in anderen Teilen der Welt, sind wir dankbar für das gelingende Miteinander in unserem Land.

Ich wünsche allen, die das Fest des Fastenbrechens begehen, Freude, ein harmonisches Miteinander und Kraft für die Bewältigung aller kommenden Aufgaben."