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25 Jahre Lesben- und Schwulenverband in Deutschland

Bundespräsident Joachim Gauck in Schloss Bellevue (Archiv) Schloss Bellevue Bundespräsident Joachim Gauck in Schloss Bellevue (Archiv) © BPA

Der Bundespräsident hat am 25. April dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) anlässlich des 25. Jubiläums ein Grußwort geschickt:

Erinnern Sie sich, wie es vor 25 Jahren in Leipzig oder Ludwigsburg, in deutschen Städten und auf dem Land aussah? Gleichgeschlechtliche Liebe fand damals vor allem im Verborgenen statt. Im Westen stand sie laut Strafgesetzbuch, Paragraph 175, noch unter Strafe. So vieles hat sich seit 1990 verbessert, seit jenem Jahr, in das die Gründung des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland fiel. Unsere Nation ist zusammengewachsen und zugleich offener geworden. Heute können sich homosexuelle Paare in der Öffentlichkeit zeigen und in freier Selbstbestimmtheit ihr Leben führen. Was für ein Unterschied.

"25 Jahre für Vielfalt und Respekt", wie das Jubiläumsmotto lautet, sind zweifellos ein Anlass zur Freude. Herzlichen Glückwunsch!

Zugleich wissen wir: Diese Entwicklung war kein Selbstläufer. Sie wurde von Menschen getragen, die gerade in der Vergangenheit viel riskierten – ihren familiären Rückhalt, ihren Arbeitsplatz, ihre bürgerliche Existenz. Diesen mutigen Frauen und Männern ist es zu verdanken, dass der kulturelle Wandel überhaupt in Bewegung kam, dass Tabus gebrochen und politische Forderungen erhoben wurden. Ihnen, den Vorkämpfern der sexuellen Gleichberechtigung, gilt heute mein Dank.

Und ich möchte alle Mitstreiterinnen und Mitstreiter des LSVD ermutigen, ihr Engagement fortzusetzen, auch wenn schon viel erreicht wurde. Denn noch immer ist es keine Selbstverständlichkeit, dass sich Sportler, Schauspielerinnen oder Top-Manager zu ihrer sexuellen Identität bekennen. Noch immer müssen sich Regenbogenfamilien gegen Vorurteile und Diskriminierung wehren. Und noch immer müssen wir Zeitungsberichte wie jüngst über einen 18-jährigen Homosexuellen aus Berlin-Neukölln lesen, der aus Angst vor Zwangsheirat und Verschleppung in den Libanon seine eigenen Verwandten anzeigte.

Das Bekenntnis zur Vielfalt verlangt uns eine Menge ab: Jeder Einzelne braucht den Mut, zu sich selbst zu stehen, und die Bereitschaft, andere Lebensformen zu respektieren. Unsere Gesellschaft insgesamt muss fähig und willens sein, Pluralismus immer wieder neu zu erringen und zu verteidigen. Es ist nicht damit getan, Missstände aufzudecken und zu tadeln. Wir müssen auch geeignete Wege finden, um Konflikte friedlich auszutragen – und zu lösen.

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland betont, dass er die ganze Gesellschaft in den Blick nimmt, nicht zuletzt die schwer erreichbaren Gruppen. Auch dafür möchte ich heute danken. Unser Miteinander lebt davon, dass wir unterschiedlichen Meinungen den nötigen Raum geben, dass wir immer wieder bereit sind zur Begegnung, zum Dialog und zum Austausch, auch wenn wir den Standpunkt unseres Gegenübers nicht teilen. Die neue Freiheit ist von unten gewachsen. Sie braucht weiterhin eine starke Basis.

Wer über Deutschland hinaus für die Rechte aller Menschen eintreten möchte – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung –, der kann auch künftig in der Hirschfeld-Eddy-Stiftung des LSVD seinen Platz finden. Die Anwaltschaft für Unterdrückte in anderen Ländern ist eine Verpflichtung, die aus der eigenen Freiheit erwächst. Wann immer ich im Ausland Opfer von Menschenrechtsverstößen oder ihre Familien treffe, heißt es: Bitte hören Sie nicht auf, unsere Schicksale öffentlich zu machen. Bitte kämpfen Sie weiter dafür, dass die Menschenrechte auch in der Realität werden, was auf dem Papier versprochen wird: universell gültig.

Ihnen, sehr geehrte Mitglieder, Freunde und Förderer des LSVD, wünsche ich bei Ihrer wichtigen Arbeit – zuhause wie weltweit – Anerkennung und Erfolg!