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Ordensverleihung zum Tag der Deutschen Einheit

Bundespräsident Joachim Gauck zeichnet Katharina Thalbach mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse aus anlässlich der Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland Schloss Bellevue, 1. Oktober 2015 Verleihung des Verdienstordens zum Tag der Deutschen Einheit – Auszeichnung von Katharina Thalbach mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse © Marvin Ibo Güngör

Bundespräsident Joachim Gauck zeichnet am 1. Oktober 32 Bürgerinnen und Bürger für ihr herausragendes Engagement mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland aus. Die 15 Frauen und 17 Männer zeigen die Bandbreite des gesellschaftlichen Engagements in der Bundesrepublik und deren Bedeutung für den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Zu den Geehrten gehören Aktive, die sich in der humanitären Hilfe, der Flüchtlingshilfe, im Gedenken an Krieg und Diktatur, in der Demokratiebewegung in der DDR und um das Zusammenwachsen von Ost und West besonders verdient gemacht haben.

Folgende Bürgerinnen und Bürger werden ausgezeichnet:

Baden-Württemberg

Dorothee Schumacher, Birkenfeld
Verdienstkreuz am Bande

Dorothee Schumacher hat sich in besonderer Weise um die deutsche Einheit verdient gemacht: Um Künstlern aus der DDR Auftritte im Westen zu ermöglichen, baute sie Anfang der 1980er-Jahre in ihrer Kirchengemeinde im württembergischen Birkenfeld die Veranstaltungsreihe "Musik aus Dresden" mit auf. Damit das Verständnis zwischen den Menschen aus Ost und West auch nach der Wiedervereinigung weiter gefördert wurde, hat Dorothee Schumacher die Veranstaltungsreihe fortgeführt, zunächst in eigener Regie, ab 1999 über den Freundeskreis Musik aus Dresden. Ihrem Einsatz sind bis heute sowohl ein vielfältiges Musikprogramm auf hohem künstlerischen Niveau als auch zahlreiche Begegnungen der Menschen beider Orte zu verdanken. Seit einigen Jahren widmet sich Dorothee Schumacher auch der musikalischen Frühförderung, vor allem für Kinder aus bildungsfernen Familien.

Bayern

Claudia Graus, Übersee
Verdienstkreuz am Bande

Claudia Graus engagiert sich seit 25 Jahren ehrenamtlich im Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF. Sie ist Vorstandsmitglied des Deutschen Komitees. Ihr gelingt es immer wieder in besonderer Weise, auf die Arbeit von UNICEF aufmerksam zu machen. Claudia Graus hat viele Sponsoren für UNICEF gewinnen können, zahlreiche Benefizveranstaltungen initiiert und langjährige Partnerschaften aufgebaut. Außerdem sind ihr UNICEF-Schülerläufe zu verdanken, bei denen Kinder selbst aktiv werden, um bedürftigen Kindern zu helfen. Mit den umfangreichen Spendengeldern wurden Schulen gebaut, Waisenhäuser unterstützt, Kriegskinder betreut und viele andere Projekte finanziert, die sie auch immer wieder mitbegleitet. Durch den engagierten Einsatz von Claudia Graus wird zahlreichen notleidenden Kindern in der ganzen Welt geholfen.

Berlin

Prof. Dr. Dr. h. c. Horst Bredekamp
Großes Verdienstkreuz mit Stern

Horst Bredekamp ist einer der bekanntesten deutschen Kunsthistoriker. Seine Forschungsschwerpunkte – darunter Politische Ikonographie, Kunst und Technik, Neue Medien – sind von besonderer Breite und umfassen eine Zeitspanne von mehr als einem Jahrtausend. Horst Bredekamp lehrt an der Humboldt-Universität zu Berlin, ist Sprecher des Exzellenzclusters "Bild Wissen Gestaltung. Ein interdisziplinäres Labor" und hat mit dem ihm 2012 zuerkannten Fritz-Winter-Preisgeld ein Projekt initiiert, dessen Ziel es ist, die Geisteswissenschaften für Probleme der Technik und Naturwissenschaften zu sensibilisieren und diese wiederum als auch kulturell und geschichtlich geprägte Disziplinen zu zeigen. Außerdem gehört Horst Bredekamp der Gründungsintendanz des Humboldt-Forums an. Im Jahr 2014 wurde er in den Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste gewählt.

György Dalos
Verdienstkreuz 1. Klasse

Der ungarische Schriftsteller, Publizist und Historiker war einer der Mitbegründer der demokratischen Oppositionsbewegung in Ungarn. Seit mehr als dreißig Jahren nimmt György Dalos auch sehr aktiv am kulturellen Leben in Deutschland teil. Seine literarischen und essayistischen Werke erscheinen seit den 1970er-Jahren im deutschen Sprachraum. 1988/89 gehörte György Dalos zur Redaktion der ostdeutschen Untergrundzeitschrift "Ostkreuz", nach dem Fall der Mauer wurde er zu einem der wichtigen Protagonisten in der Bundesrepublik. Von 1995 bis 1999 leitete György Dalos das Collegium Hungaricum in Berlin. Dabei war ihm ein besonderes Anliegen, ein differenziertes Bild seines Heimatlandes zu vermitteln. Die Vertrautheit mit drei Kulturen – der ungarischen, der russischen und der deutschen – und sein unbestechlicher Blick auf Geschichte und Gegenwart haben ihn in der Bundesrepublik zu einem herausragenden Vermittler zwischen Ost und West gemacht.

Katrin Hattenhauer
Verdienstkreuz 1. Klasse

Die Bürgerrechtlerin engagierte sich bereits in jungen Jahren in regimekritischen kirchlichen Basisgruppen und ertrug dabei schwerwiegende persönliche Nachteile. Mit großem Mut und unbeirrt kritisierte Katrin Hattenhauer die Führungsrolle der SED und rief zu politischem Engagement auf. Sie organisierte das erste Straßenmusikfestival in Leipzig am 10. Juni 1989 und die Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche mit. Am 4. September 1989 entrollte sie vor der Kirche zusammen mit Gesine Oltmanns ein Transparent mit der Aufschrift "Für ein off'nes Land mit freien Menschen". Kurze Zeit darauf wurde sie von der Staatssicherheit verhaftet. Nach der Friedlichen Revolution half sie beim Aufbau des Archivs Bürgerbewegung Leipzig. Bis heute ist sie gesellschaftspolitisch engagiert und setzt sich auch als Künstlerin immer wieder mit dem Thema Freiheit auseinander.

Dr. h. c. Nikolaus Schneider
Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband

Das Wirken des Theologen ist von großem Engagement für die sozialen Themen unserer Zeit geprägt. Stets ist Nikolaus Schneider für den Schutz der Menschenwürde und für soziale Gerechtigkeit eingetreten. Über seine Kirche hinaus hat er sich zum Anwalt benachteiligter Personengruppen gemacht. In den 1970er-Jahren baute er im Ruhrgebiet den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt mit auf. In seiner Amtszeit als Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland von 2003 bis 2013 hat er sich vor allem für einen verlässlichen Sozialstaat und die Verbesserung der Bildungschancen eingesetzt. Zu den herausragenden Aktivitäten von Nikolaus Schneider als EKD-Ratsvorsitzender von 2010 bis 2014 gehören sein besonderer Einsatz für die Ökumene, der Dialog mit den Muslimen in Deutschland und die intensive jüdisch-christliche Zusammenarbeit. Mit großer Konsequenz kämpft er immer wieder gegen jede Form von Antisemitismus in Deutschland.

Katharina Thalbach
Verdienstkreuz 1. Klasse

Katharina Thalbach ist seit ihrer Jugend eine der herausragenden Schauspielerinnen unseres Landes – in Ost wie West. Seit ihrer Entdeckung durch Helene Weigel wird einhellig ihre große darstellerische Kunst gerühmt. 1976 verließ sie die DDR, nachdem sie sich in einem offenen Brief solidarisch mit dem ausgebürgerten Wolf Biermann erklärt hatte. Ihre besondere Leidenschaft gehört dem Theater, wo sie zahlreiche Rollen geprägt hat. Daneben ist Katharina Thalbach auch ein gefeierter Filmstar. Große Sympathie erwarb sie sich zudem als Regisseurin. Ihr enorm großes Publikum verdankt ihrer eindringlichen Spielweise und ihren innovativen Inszenierungen – bei denen auch nie der Humor zu kurz kommt – einen oftmals neuen Zugang zu Theater und Oper. Katharina Thalbach gehörte im Jahr 2003 zu den Mitgründern der Deutschen Filmakademie, des zentralen Forums für Filmschaffende in unserem Land, das auch den Nachwuchs fördert.

Brandenburg

Prof. Dr. Dr. h. c. Richard Schröder, Blankenfelde-Mahlow
Großes Verdienstkreuz mit Stern

Richard Schröder ist eine wichtige Stimme unseres Landes. Er gehörte 1990 der einzigen frei gewählten Volkskammer an. Bis heute ist der Theologe und Philosoph über alle Partei- und Sozialgrenzen hinweg ein gefragter und geschätzter Ratgeber – ob zu Fragen der Politik, Kultur oder des sozialen Engagements. Immer wieder bringt sich Richard Schröder auch in öffentliche Debatten ein und arbeitet bis heute an den großen gesellschaftlichen Fragen mit. So engagiert er sich unter anderem als Vorsitzender im Beirat des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR und als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Nationalstiftung. Von 2001 bis 2007 war er Mitglied des Nationalen
Ethikrats.

Werner Schulz, Boitzenburger Land
Verdienstkreuz 1. Klasse

Werner Schulz hat sich mit seinem überragenden politischen Engagement verdient gemacht: In der DDR wirkte er in verschiedenen Oppositionsgruppen mit und war 1990 Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer. Von Oktober 1990 bis Oktober 2005 gehörte er dem Deutschen Bundestag an, von Juli 2009 bis Mai 2014 dem Europäischen Parlament. Werner Schulz ist damit einer der wenigen deutschen Politiker, die sowohl im Bundestag als auch im Europäischen Parlament ein Mandat hatten. Dabei ist er stets Aktivist für die Bürgerrechte geblieben. Eines seiner besonderen Anliegen war, die Kluft zwischen Ost und West in der Europäischen Union zu überwinden. Werner Schulz hat mit seiner Erfahrung als Bürgerrechtler und Abgeordneter erheblich dazu beigetragen, dass das Europäische Parlament als Garant für Werte wie Freiheit und Demokratie wahrgenommen wird.

Bremen

Albert Schmitt
Verdienstkreuz am Bande

Albert Schmitt war im Jahr 2007 Spiritus Rector des Vorhabens, den Arbeitsmittelpunkt der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen in die Gesamtschule Bremen-Ost zu verlegen. Seither probt nicht nur das Weltklasse-Orchester direkt im Schulgebäude, sondern initiiert dort auch zahlreiche Projekte. In diesem "Zukunftslabor" erarbeiten die Musikerinnen und Musiker gemeinsam mit der Schule und Gruppen aus dem ganzen Stadtteil spektakuläre Aufführungen wie die "Stadtteil-Opern". Das "Zukunftslabor" gilt national wie international als richtungsweisendes Modell. Albert Schmitt ist zudem Mitglied im Beirat des Programms "Kulturagenten für kreative Schulen". Er hat als Musiker und Manager gezeigt, wie die Kraft der Musik eine Gesellschaft voranbringen kann.

Hamburg

Dr. Frank Husemann
Verdienstkreuz am Bande

Nachdem bei seinem Sohn die unheilbare Nervenkrankheit Neuronale Ceroid Lipofuszinose (NCL) – auch Kinder-Demenz genannt – diagnostiziert worden war, gründete Frank Husemann die gemeinnützige NCL-Stiftung, in der er sich seither ehrenamtlich engagiert. Die Ursache der Erkrankung ist noch weitgehend unbekannt und aufgrund der Seltenheit dieser Stoffwechselerkrankung gab es bisher nur wenige Forschungsprojekte und Geldmittel. Ziele der Stiftung sind, über diese seltene Krankheit zu informieren, Forschungsprojekte zu finanzieren und eine Plattform für den weltweiten wissenschaftlichen Austausch zu schaffen. Die Stiftung ist mittlerweile der größte Einzelförderer von Doktorandenstipendien auf diesem Forschungsgebiet und vernetzt die NCL-Forschung weltweit. Frank Husemann kämpft mit beharrlichem Einsatz dafür, dass an NCL leidende Kinder eines Tages Aussicht auf Therapie haben und die Krankheit überleben werden.

Hessen

Elfriede Köhler, Lohra
Verdienstkreuz am Bande

Überall dort, wo Hilfe an ihrem Wohnort Lohra gebraucht wird, bringt sich Elfriede Köhler ein: Sie engagiert sich seit langem im Ortsbeirat, als Ortsvorsteherin und ist Mitglied in der Gemeindevertretung. Außerdem arbeitet sie im Hospizdienst mit. Ganz besonders am Herzen liegen ihr auch die Menschen, die im Asylbewerberheim in Lohra untergebracht sind. Elfriede Köhler kümmert sich persönlich um sie und unterstützt sie bei Behördengängen, Arztterminen oder wann immer es nötig ist. Darüber hinaus bietet sie für zugewanderte Menschen Deutschunterricht an. Seit 1999 steht Elfriede Köhler auch dem Arbeitskreis für Menschenrechte und Menschenwürde in ihrer Gemeinde als Vorsitzende vor. Zum gegenseitigen Kennenlernen aller Bewohnerinnen und Bewohner Lohras organisiert sie immer wieder Feste, die großen Zuspruch finden und beispielhaft für eine nachhaltige Form des Miteinanders sind.

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Michael Stolleis, Kronberg
Großes Verdienstkreuz mit Stern

Der Jurist ist einer der international führenden Rechtshistoriker auf dem Gebiet des öffentlichen Rechts. Besondere Arbeitsschwerpunkte von Michael Stolleis sind "Rechtstechniken des Nationalsozialismus" und die sogenannte "sozialistische Gesetzlichkeit" in der DDR. Unter seinen zahlreichen Publikationen nimmt die vierbändige "Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland" eine zentrale Rolle ein. Das Werk ist zu einem auch im Ausland stark beachteten Standardwerk geworden und wird insbesondere dafür gerühmt, dass es dem Leser mit großer Präzision und wissenschaftlicher Genauigkeit einen umfassenden Überblick der gesamten Entwicklungen des öffentlichen Rechts in Deutschland bietet. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit hat sich Michael Stolleis stets auch an aktuellen politischen und juristischen Debatten beteiligt. Im Jahr 2014 wurde er in den Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste gewählt.

Mecklenburg-Vorpommern

Petra Klawitter, Gelbensande
Verdienstkreuz am Bande

Jungen Menschen anschaulich die Auswirkungen von Krieg und Diktatur der jüngeren deutschen Geschichte zu vermitteln, ist das große Anliegen von Petra Klawitter. Seit 1998 leitet sie die Projektgruppe "Kriegsgräber", die den Lazarettfriedhof in Gelbensande instandgesetzt und seine Geschichte dokumentiert hat. Dabei arbeitet sie auch eng mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zusammen. Im Rahmen eines weiteren Projekts von Petra Klawitter haben Schülerinnen und Schüler ein Buch über das KZ-Außenlager Schwarzenpfost veröffentlicht und – mit Unterstützung der JVA Waldeck und des Stadtforstamts Rostock – einen "Lehrpfad gegen das Vergessen" angelegt. Außerdem organisiert Petra Klawitter jährlich Treffen von deutschen und polnischen Jugendlichen, die sich in Workcamps gemeinsam mit den Auswirkungen von Krieg und
Gewaltherrschaft befassen.

Niedersachsen

Hanna Middelmann und Wolf Middelmann, Göttingen
Verdienstkreuz am Bande

Seit mehr als zwanzig Jahren engagieren sich Hanna und Wolf Middelmann im humanitären Bereich. Sie organisieren Sach- und Medikamentenlieferungen für überlebende Opfer der nationalsozialistischen Besatzung im Baltikum. Bei ihren Reisen haben sie viele Biografien von Holocaust-Überlebenden kennengelernt, die sie seit dem Jahr 2004 im Rahmen der Wanderausstellung "Dem Judenmord entronnen" der Öffentlichkeit vorstellen. Die Ausstellung legt Zeugnis von den Verbrechen der Nationalsozialisten in Lettland und Litauen ab und wurde bisher an mehr als zwanzig Orten präsentiert. Bei ihren Hilfsaktionen haben Hanna und Wolf Middelmann auch immer wieder Kontakte zwischen einzelnen Spendern und baltischen Juden vermittelt und damit zu vielen neuen Freundschaften beigetragen.

Nordrhein-Westfalen

Karin Ahrens, Bonn
Verdienstkreuz am Bande

Karin Ahrens wurde bei ihrem kommunalpolitischen Engagement mit der schwierigen Situation asylsuchender Minderjähriger konfrontiert, die ohne Angehörige nach Deutschland gekommen sind. Seither setzt sie sich nachdrücklich und sehr erfolgreich dafür ein, dass unbegleitete Flüchtlingskinder nach ihrer gefährlichen und oftmals traumatisierenden Flucht eine Chance erhalten, an den Bildungsangeboten in Deutschland teilzuhaben. 2003 trat sie dem Verein Ausbildung statt Abschiebung bei, der diese jungen Menschen in engem Kontakt mit verschiedenen Schulen und einem Berufskolleg unterstützt, und übernahm 2011 dessen Vorsitz. Außerdem war Karin Ahrens 1995 Mitgründerin des Vereins Sterntaler Bonn, der sich um benachteiligte Bonner Kinder und Jugendliche kümmert, und ist als Beisitzerin im Vorstand aktiv.

Ulrike Jaeger, Bünde
Verdienstkreuz am Bande

Seit zwanzig Jahren engagiert sich Ulrike Jaeger im Verein Heim-statt Tschernobyl, der Familien beim Bau eines neuen Zuhauses tatkräftig unterstützt, die auch heute noch in den durch die Reaktorkatastrophe verstrahlten Gebieten leben. Um zudem die Lebenssituation von hilfsbedürftigen alten Menschen zu verbessern, hat sie das Internationale Jugendworkcamp Belarus gegründet, eine Initiative, bei der jedes Jahr junge Menschen aus Deutschland und Weißrussland gemeinsam während der Sommerferien deren Wohnhäuser renovieren. Dabei vermittelt Ulrike Jaeger den deutschen Jugendlichen auch die geschichtlichen Hintergründe Weißrusslands – insbesondere die Besatzung durch die Nationalsozialisten – und vereinbart Treffen mit Zeitzeugen und Überlebenden des Holocaust. Für die weißrussischen Jugendlichen organisiert Ulrike Jaeger stets eine "Rückbegegnung" in Deutschland.

Prof. Dr. Bülent Uçar, Oberhausen
Verdienstkreuz am Bande

Bülent Uçar leistet Pionierarbeit im Bereich der Islamischen Religionspädagogik, einem für das Zusammenleben in der Bundesrepublik zentralen Bereich. An der Universität Osnabrück gründete er 2007 das Zentrum für Interkulturelle Islamstudien und war maßgeblich an dessen Erweiterung zum Institut für Islamische Theologie beteiligt, das er auch leitet. Bülent Uçar ist national wie international ein gefragter Ansprechpartner und Vermittler für Politik und Öffentlichkeit. Er wirkte am Modellprojekt "Weiterbildung von Imamen" mit, unterstützte die Islamkonferenz des Bundesministers des Innern als Experte und wurde in die Arbeitsgemeinschaft "Deutschlands Selbstbild" beim Zukunftsdialog der Bundeskanzlerin berufen. Darüber hinaus hat er im Jahr 2012 das Avicenna-Studienwerk mit gegründet, ein Begabtenförderungswerk für sozial engagierte muslimische Studierende und Promovierende. Seit Gründung des Studienwerkes hat er das Amt des Vorsitzenden inne.

Rheinland-Pfalz

Andreas Kieling, Hümmel
Verdienstkreuz am Bande

Der Dokumentarfilmer, Buchautor und Naturschützer bringt einem großen Publikum sowohl die heimische Natur als auch ferne Kontinente nahe. Mit seinen Dokumentarfilmen über das Yukon-Gebiet Kanadas und Alaskas hat Andreas Kieling internationale Maßstäbe gesetzt. Sein fünfteiliger Dokumentarfilm "Mitten im wilden Deutschland" zeigt entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze Landschaften und ihre Menschen und wirft in einer einzigartigen Momentaufnahme einen unvoreingenommenen Blick auf Deutschland nach der Wiedervereinigung. Neben seinen vielen filmischen Aktivitäten engagiert sich Andreas Kieling auch für seine Heimatstadt Gotha, die er als Sechzehnjähriger verließ, um – seinem Freiheitsdrang folgend – aus der DDR zu fliehen. Darüber hinaus organisiert er auch immer wieder Hilfsaktionen für Menschen in den Ländern, in denen er arbeitet.

Saarland

Peter Merkel, Riegelsberg
Verdienstkreuz am Bande

Peter Merkel hat sich um die Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte verdient gemacht. Der aus Kasachstan stammende Sportlehrer arbeitet seit dem Jahr 1997 für das Programm "Integration durch Sport" beim Landessportverband für das Saarland. Er hat den ersten Integrationssportverein mit ins Leben gerufen und sich an der Gründung weiterer Integrationsvereine sowie der Etablierung von Sportabteilungen maßgeblich beteiligt. Außerdem leitet er ehrenamtlich Sportprogramme, besucht Gremien, die sich mit Integration beschäftigen und ist Ansprechpartner für alle Fragen zu Sport und Integration. Bei den Aktivitäten kommen ihm seine umfassenden Sprachkenntnisse zu Hilfe, so kann er auf Deutsch, Russisch und Kasachisch die Richtlinien den Vereinsmitgliedern vermitteln und auf die jeweiligen Mentalitäten besonders gut eingehen.

Sachsen

Gabriele Beyler und Bettina Klein, Dreiheide / Leipzig
Verdienstkreuz am Bande

Gabriele Beyler und Bettina Klein setzen sich seit der Wiedervereinigung mit großem bürgerschaftlichen Engagement für die Aufarbeitung der Geschichte des Geschlossenen Jugendwerkhofs Torgau ein. Dieser wurde 1964 in der DDR in einem ehemaligen Gefängnis als Spezialheim zur Umerziehung eingerichtet, in dem haftähnliche Lebensbedingungen herrschten. Bis zur Schließung im November 1989 wurden dort mehr als 4.000 Jugendliche eingewiesen. Gabriele Beyler und Bettina Klein haben in dem Gebäude eine Gedenkstätte eingerichtet, Ausstellungen konzipiert und ein Zeitzeugenbüro aufgebaut, damit das den jungen Menschen zugefügte Leid nicht vergessen wird. Seit 1996 engagieren sich Gabriele Beyler und Bettina Klein im Vorstand des Trägervereins der Gedenkstätte, die heute von Land und Bund gefördert wird. Außerdem initiierten sie eine Selbsthilfegruppe für Betroffene zur Aufarbeitung ihrer traumatischen Erlebnisse.

Tobias Hollitzer, Leipzig
Verdienstkreuz 1. Klasse

Tobias Hollitzer hat sich mit seinem konsequenten Einsatz für Freiheit und Demokratie verdient gemacht. Er engagierte sich bereits als Jugendlicher in Leipzig in Dritte-Welt- und Umweltgruppen und gehörte zu den Organisatoren des "Pleißepilgerwegs" am 4. Juni 1989, einer mutigen Aktion, bei der zahlreiche Menschen für gesellschaftliche Veränderungen eintraten. Im Dezember 1989 gründete er das Bürgerkomitee Leipzig mit und kämpfte mit aller Kraft für die Auflösung der Staatssicherheit und den Erhalt der Stasi-Akten. Bis heute wirkt Tobias Hollitzer im Vorstand des aus dem Bürgerkomitee hervorgegangenen Vereins, des Trägers der Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" mit dem Museum im Stasi-Bunker. Seit 2007 leitet er das Museum. Tobias Hollitzer hat außerdem zahlreiche Texte zur Diktaturgeschichte der DDR publiziert.

Sachsen-Anhalt

Ines Fischer, Bitterfeld-Wolfen
Verdienstkreuz am Bande

Die Lehrerin setzt sich an ihrer Schule beispielhaft und weit über ihre pädagogischen Verpflichtungen hinaus für das Demokratieverständnis junger Menschen ein und sensibilisiert sie für die fundamentale Bedeutung der Toleranz. Ines Fischer hat eine Schülerarbeitsgruppe ins Leben gerufen, mit der sie Aktionen zur Toleranzförderung und Demokratiebildung durchführt. Dabei geht sie mit ihrer Arbeitsgruppe auch der Geschichte jüdischen Lebens in Bitterfeld-Wolfen nach. Vor allem diesen Aktionen verdankt die Schule die Verleihung des Titels "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage". Darüber hinaus hat sich Ines Fischer mit ihren Schülerinnen und Schülern dafür stark gemacht, dass die Initiative auch in die Stadt Bitterfeld-Wolfen übertragen wurde, um eine "Stadt mit Courage" zu werden. Neben diesem sehr zeitaufwendigen Engagement hat sie außerdem eine Patenschaft zur Sonnenlandschule in Bitterfeld-Wolfen für geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche aufgebaut.

Andreas Heinrich, Wernigerode
Verdienstkreuz am Bande

Der Dezernent für Gemeinwesen und Stellvertreter des Oberbürgermeisters von Wernigerode war einer der Wegbereiter der Demokratie im Harz. Andreas Heinrich war Mitglied des Friedenskreises Wernigerode, formulierte Anfang 1989 wesentliche Positionen für einen gesellschaftlichen Wandel in der DDR und war aktiv an den Runden Tischen beteiligt. Im Mai 1990 wurde er in den ersten frei gewählten Stadtrat gewählt. Nach der Wiedervereinigung wirkte er über zehn Jahre im Kreistag. Im Jahr 2001 gründete er das "Bürger-Bündnis Wernigerode für Weltoffenheit und Demokratie" mit, eine Organisation, die sich für Offenheit anderen Kulturen gegenüber und gegen Rechtsextremismus einsetzt und Partner im Netzwerk für Demokratie und Toleranz des Landes Sachsen-Anhalt ist.

Gesine Liesong, Sangerhausen
Verdienstkreuz am Bande

Gesine Liesong hat sich mit ihrem mutigen Einsatz für Demokratie und ihrem langen bürgerschaftlichen Engagement verdient gemacht. Sie gründete das Neue Forum an ihrem Wohnort in Sangerhausen mit und war dort 1989/90 eine der Hauptakteurinnen bei den "Dienstagsdemonstrationen", an denen bis zu 20.000 Menschen teilnahmen. Seit Februar 1990 ist sie in der aus dem Neuen Forum hervorgegangenen Bürgerinitiative Sangerhausen aktiv und wirkt seit 25 Jahren nahezu ununterbrochen im Stadtrat. Außerdem engagiert sie sich in der Evangelischen Kirche, der Initiative "Erinnern und Gedenken" und der Netzwerkgruppe "Sangerhausen bleibt bunt". Darüber hinaus arbeitet Gesine Liesong, die früher als Ärztin tätig war, ehrenamtlich in der Notfallseelsorge, Notfallbegleitung und Krisenintervention ihres Landkreises mit, wo sie ein unverzichtbares Teammitglied ist.

Schleswig-Holstein

Prof. Dr. Peter Herzig, Fargau
Verdienstkreuz 1. Klasse

Peter Herzig ist ein international renommierter Rohstoffgeologe und gehört zum Kreis der weltweit angesehensten Meeresforscher. Er ist Direktor des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, einer der führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Meeresforschung in Europa. Peter Herzig hat mit seinem Wirken bedeutende Impulse für die Meeresforschung gesetzt und zur Lösung wichtiger und gesellschaftlich relevanter Fragestellungen beigetragen. Dazu zählen die Rolle des Ozeans im Klimawandel, die Veränderung mariner Ökosysteme durch menschliche Einflüsse und der bessere Schutz der Menschheit vor marinen Naturgefahren. Darüber hinaus ist er in zahlreichen Gremien der Meeresforschung aktiv, um den größten und zugleich am wenigsten bekannten Lebensraum unseres Planeten zu erforschen und die Aufmerksamkeit für die Meere zu steigern.

Thüringen

Ralf-Uwe Beck, Eisenach
Verdienstkreuz am Bande

Ralf-Uwe Beck setzt sich seit dreißig Jahren für Naturschutz, Bürgerrechte und Demokratie ein. Er gründete in der DDR eine freie Umweltgruppe, wurde noch vor dem Fall der Mauer Mitglied im Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und baute gleich nach der Wiedervereinigung den Landesverband Thüringen des BUND mit auf. Außerdem initiierte er 1990 auf dem ehemaligen Grenzstreifen das Kunst- und Erinnerungsprojekt "Baumkreuz", bei dem sich jedes Jahr im November Menschen aus Ost und West treffen, um durch das Pflanzen und Pflegen von Bäumen das Überschreiten von Grenzen zu symbolisieren. Darüber hinaus engagiert sich Ralf-Uwe Beck seit 1997 im Verein Mehr Demokratie, der bundesweit für Bürgerbeteiligung auf allen politischen Ebenen eintritt.

Dagmar Wagenknecht, Nohra
Verdienstkreuz am Bande

Dagmar Wagenknecht hat über ihre Leidenschaft für die Filmkunst zum Widerstand in der DDR beigetragen. Sie war ab 1982 die Leiterin des Kinoklubs in Erfurt, einem der ersten arthouse-geprägten "Studiokinos" der DDR. Unter großem persönlichen Risiko arbeitete sie dabei mit kritischen Erfurter Künstlerinnen und Künstlern und mit kirchlichen Einrichtungen zusammen, nahm von ihnen empfohlene Filme in das Programm auf und reservierte Eintrittskarten für sie. Trotz etlicher Verweise wegen angeblicher Staatsverleumdung und Repressalien durch das SED-Regime engagierte sich Dagmar Wagenknecht weiter für ein künstlerisch freies Kino. Nach der Wiedervereinigung setzte sie sich beharrlich dafür ein, dieses Kino zu einer festen Instanz zu machen. Zahlreiche Auszeichnungen für Programme und Veranstaltungen ihrer legendären Institution sind auf ihr ganz persönliches Wirken zurückzuführen.

Österreich

Andrea Breth, Wien
Großes Verdienstkreuz

Andrea Breth hat sich herausragende Verdienste um die Entwicklung der Theaterkultur in Deutschland und Europa erworben. Sie ist eine der großen Theaterregisseurinnen unserer Zeit. Andrea Breth gehörte zu den allerersten Frauen in der Bundesrepublik, die am Theater Regie geführt haben und ist bis heute ein großes Vorbild für nachfolgende Regisseurinnen. Von 1992 bis 1997 war sie künstlerische Leiterin der Berliner Schaubühne, seitdem arbeitet sie frei, vor allem am Burgtheater Wien. Im Jahr 2006 erhielt Andrea Breth den Theaterpreis Berlin, das Geld spendete sie einer Suppenküche in Pankow. Mit ihren im besten Sinne werktreuen und hoch reflektierten Inszenierungen gelingt es ihr immer wieder, beim Publikum "das Gehör und den Blick zu schärfen, das politische Denken zu schulen".

Italien

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Claudio Magris, Triest
Großes Verdienstkreuz mit Stern

Claudio Magris gilt als einer der großen Kulturpublizisten unserer Zeit. Mit seiner Studie "Donau. Biographie eines Flusses", in der er die Kultur- und Geistesgeschichte zahlreicher Regionen quer durch Europa beschreibt, wurde er international bekannt. Seine Werke haben der Kulturgeschichtsschreibung starke Impulse gegeben und gelten als Standardwerke. Außerdem hat Claudio Magris die Übersetzung vieler deutschsprachiger Autorinnen und Autoren ins Italienische angeregt und mit betreut, darunter Übersetzungen der Werke von Georg Büchner, Arthur Schnitzler und Joseph Roth. Claudio Magris ist vielfach ausgezeichnet worden, unter anderem im Jahr 2009 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Seit dem Jahr 2014 ist er Mitglied im Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste.