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Bundespräsident Steinmeier kondoliert zum Tod von Simone Veil


Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat dem Präsidenten der Französischen Republik, Emmanuel Macron, zum Tod der ehemaligen Ministerin und Präsidentin des Europäischen Parlaments Simone Veil kondoliert. Der Bundespräsident schreibt:

"Wir verlieren eine große französische Politikerin und engagierte Frau des Wortes. Ihr Leben umfasste die entsetzlichen Schrecken ebenso wie den hoffnungsvollen Aufbau im Europa des 20. Jahrhunderts. Simone Veil und ihre Familie haben schwer unter dem NS-Regime und der deutschen Besatzung in Frankreich gelitten. Ihre Eltern und ihr Bruder kamen ums Leben. Sie selbst überlebte Auschwitz. ‚Kein Tag vergeht, ohne dass ich an die Lager denke‘, sagte sie vor einigen Jahren. Und doch war sie schon unmittelbar nach der Befreiung 1945 überzeugt, dass der Aussöhnung mit Deutschland die Zukunft gehöre. Simone Veil hat die bewundernswerte Kraft aufgebracht, sich nach dem Krieg aktiv für die europäische Einigung und die deutsch-französische Freundschaft einzusetzen.

In ihrer vielbeachteten Rede zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag hat sie im Januar 2004 an die Schrecken des Holocaust erinnert, aber uns auch vor Augen geführt: ‚Das "Niemals wieder" hat künftige Generationen noch nie zu schützen vermocht. Es braucht mehr als Worte, mehr als gute Vorsätze, mehr als gute Absichten.‘ Und zum Umgang mit Deutschland nach dem Krieg sagte sie weiter: ‚Es ging hier nicht um Verzeihen, sondern um eine hellsichtige und mutige Versöhnung, die ebenso utopisch wie realistisch und umso notwendiger war, als sie aus der tiefsten Verzweiflung erwachsen musste. Der Teufelskreis musste durchbrochen werden: die deutsch-französische Aussöhnung würde der Eckstein beim Aufbau eines befriedeten Europa sein.‘

In diesem Geiste hat sie gewirkt, nicht zuletzt als erste Präsidentin des erstmals direkt gewählten Europäischen Parlaments. Wir verabschieden uns von einer großen Europäerin. Wir Deutsche werden sie in dankender Erinnerung behalten."