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Bundespräsident Christian Wulff beim Konzert von Udo Lindenberg "Bunte Republik Deutschland - Hinter`m Horizont geht`s weiter"

Bundespräsident Christian Wulff in der Schinkel-Kirche in Neuhardenberg Neuhardenberg, 8. November 2010 Foto: Guido Bergmann, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung © Foto: Guido Bergmann, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Keine Panik! Ich singe nicht - und ich rede nicht lange. Im Sinn von Bruce Springsteen: "We learned more from a three-minute-record than we ever learned in school...".

Alles, wofür Udo Lindenberg steht: seine Texte, seine Erfindungen, von Rudi Ratlos bis Elly Pirelli, seine Aktionen und Performances: all das hat ja nur funktioniert und den Erfolg gefunden, weil die Musik gestimmt hat. Für mich ist er zuerst Musiker, ein Musikant, wie er selbst sagen würde.

Dazu kommen Anstöße, die mich faszinieren und die auch seine Bedeutung ausmachen.

Ich will hier drei nennen:

1.) Udo Lindenberg war einer der ersten, der die Tradition der deutschen Unterhaltung wiederbelebt hat. Er hat schon sehr früh Chansons aus den zwanziger und dreißiger Jahren adaptiert und neu aufgenommen, er hat sich nicht nur Grete Weiser am Synthesizer vorgestellt, sondern auch Lieder von Friedrich Holländer reaktiviert und Marlene Dietrich musikalische Denkmäler gesungen. Udo Lindenberg - ein deutscher Traditionalist, der uns vor Augen geführt hat, was die Nationalsozialisten vernichten wollten und vernichtet haben.

2.) Udo Lindenberg war zu einer Zeit, als das kaum einer tat, vor allem keiner aus seiner Szene, am Osten interessiert, an der DDR.

Es waren nicht nur Lieder wie "Mädchen aus Ostberlin" oder der berühmte Sonderzug nach Pankow, es waren vor allem auch seine mutigen Sticheleien Richtung SED und Erich Honecker, ihn doch endlich in der DDR auftreten zu lassen, die die jungen Leute im Westen daran erinnerten, dass es da auch noch einen anderen deutschen Staat gab, dass es Deutsche gab, die nicht hören und singen durften, was sie wollten. Udo Lindenberg - ein Deutscher, dem die Einheit wichtig war.

Und schließlich 3.): Udo Lindenberg hat die deutsche Sprache genutzt. Er hat sie bereichert durch seinen unverwechselbaren Sprachstil. Seine Art, das ganz Hohe mit dem ganz Alltäglichen zu verbinden - das ist bis heute einmalig und ist gleichzeitig Allgemeingut geworden: Alles klar auf der Andrea Doria, Keine Panik auf der Titanic - solche Formulierungen haben uns unverkrampfter gemacht.
Dass man auf deutsch Blues und Rock 'n' Roll singen kann, das hat vielen deutschen Musikern Selbstbewusstsein gegeben. Jeder, und auch noch der schrägste und seltsamste Zeitgenosse, hat Platz in seinen Liedern.

Das alles - und dazu noch die Idee der "Panik-Akademie" zur popkulturellen Nachwuchsförderung, für deren Realisierung heute geworben werden soll, - sind Gründe, warum ich heute hier bin. Wir haben Udo Lindenberg viel zu verdanken - und ich freue mich, dass es ihn gibt. Er teilt nicht alle meine Einlassungen - ich teile nicht alle seine Texte. Darauf kommt es aber heute Abend nicht an. Morgen jährt sich zum 21. Mal der Tag der Maueröffnung und damit einer der glücklichsten Tage deutscher Geschichte. Und: Udo Lindenberg hat seinen Anteil!