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Bundespräsident Christian Wulff aus Anlass der Ordensverleihung zum "Tag des Ehrenamts"

Bundespräsident Christian Wulff am Rednerpult Schloss Bellevue, 6. Dezember 2010 Foto: Sebastian Bolesch, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung © Foto: Sebastian Bolesch, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Herzlich willkommen in Schloss Bellevue. Seit 1996 ist es eine gute Tradition, dass der Bundespräsident in Anknüpfung an den Internationalen Tag des Ehrenamts Bürgerinnen und Bürger persönlich mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland auszeichnet, die sich lange und in vielfältiger Weise ehrenamtlich engagiert haben.

Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland wurde vor fast 60 Jahren von Theodor Heuss gestiftet. Er ist die einzige und damit höchste Auszeichnung, die die Bundesrepublik für Verdienste um unsere Gemeinschaft vergeben kann und soll ganz besonders herausragende Verdienste einzelner Bürgerinnen und Bürger um unser Land würdigen. Heute möchte ich Sie für Ihr großartiges ehrenamtliches Engagement ehren. Heute sollen Sie im Mittelpunkt stehen.

Sie, liebe Ordensträgerinnen und Ordensträger, wissen und beherrschen etwas, aus dem andere Nutzen ziehen können. Sie bringen Kompetenz ein, teilen Ihr Wissen und Ihre Erfahrung mit anderen. Sich nicht nur um sich selbst zu kümmern, das ist praktizierte Solidarität. Unser freiheitlich-demokratisches Gemeinwesen lebt von dieser Solidarität. Die vielen Ehrenamtlichen in diesem Lande tun dem sozialen Klima gut. Denn im Ehrenamt vereinen sich Freiheitlichkeit und Verantwortung. Und das sind die eigentlichen Säulen unserer Gesellschaft. Ohne bürgerschaftliches Engagement im Ehrenamt ist ein freiheitlicher, demokratischer und sozialer Staat nicht denkbar. Sie alle helfen, unsere Gesellschaft zusammenzuhalten.

Der Umfang des ehrenamtlichen Engagements in der Bundesrepublik ist beeindruckend. Mehr als jeder dritte Bundesbürger ab 14 Jahren engagiert sich in Deutschland freiwillig in Verbänden, Initiativen oder Projekten. Die Bereitschaft der Bürger dazu hat in den vergangenen zehn Jahren immer weiter zugenommen. Es stimmt eben nicht, dass immer mehr Menschen nur an sich denken und sich aus dem Gemeinwesen zurückziehen. Ganz im Gegenteil. Das ehrenamtliche, freiwillige Engagement hat heute einen so hohen Stellenwert in Deutschland, dass unser Gemeinwesen ohne gar nicht mehr auskommen könnte.

Dennoch werden wir künftig noch mehr bürgerschaftliches Engagement für das Gemeinwesen brauchen - in der Nachbarschaft und im Stadtteil, im Verein und am Arbeitsplatz, in Wirtschaft, Bildung und Wissenschaft, in Kulturangelegenheiten und im sozialen Bereich und natürlich auch in der Politik. Denn die Möglichkeiten des Staates sind begrenzt und vor allem die demografische Entwicklung wird uns zusätzlich vor große Herausforderungen stellen.

Sie alle zeigen, wie viel jeder Einzelne beitragen und an Positivem erreichen kann und wie viel Freude und persönliche Genugtuung das birgt - bei aller Arbeit, die natürlich auch regelmäßig nötig ist. Sie kommen aus allen Teilen unseres Landes und engagieren sich in den unterschiedlichsten Bereichen des Ehrenamts: im kirchlichen und sportlichen Bereich, in der Behindertenarbeit sowie der Brauchtums- und Kulturpflege, in der Obdachlosenhilfe, in der Unterstützung für Kinder, und zwar sowohl in Entwicklungsländern als auch für die Rechte von Kinder in Deutschland, im Umwelt- und Artenschutz, bei der Johanniter-Unfallhilfe und dem Technischen Hilfswerk, in Berufsverbänden und in der Frauenverbandsarbeit, in der Aussiedlerbetreuung und in Integrationsprojekten, in der Friedensarbeit und Projekten zur Völkerverständigung, in der politischen Bildung, der Kommunalpolitik und in der Unterstützung von Menschen mit Lernschwierigkeiten und für Frauen in Notlagen. Diese Vielfalt ist beeindruckend.

Sie handeln vorbildlich. Deshalb ist es auch wichtig, dieses Engagement in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, um noch mehr Menschen für das Ehrenamt zu gewinnen. Sie sind sehr bescheiden, aber wir benötigen Sie als Vorbilder für andere.

Sie sind Vorbilder in Sachen Menschlichkeit und Miteinander. Sie sind Vorbilder, die zum Nachahmen einladen und zum Mitmachen ermuntern sollen. Deshalb brauchen wir eine Anerkennungskultur für die ehrenamtlich Tätigen.

Besonders herausheben möchte ich aber auch noch die Menschen in Ihrer nächsten Umgebung, Ihre Angehörigen und Freunde, von denen einige heute hier sind. Sie müssen nicht selten zurückstecken. Deshalb auch Ihnen ein herzliches Dankeschön! Mit Ihrer Unterstützung und Ihrem Verständnis tragen Sie dazu bei, dass das ehrenamtliche Engagement, das wir heute ehren, möglich wird.

Wir wissen: Wer sich aus freien Stücken und mit Überzeugung für andere einsetzt, dessen Leben erfährt Zuwachs an Sinn, dessen Leben gewinnt an Freude und dessen Leben verlängert sich. Eine Studie des Universität von Michigan belegt es: Helfende leben länger und das Ehrenamt macht froh! Ehrenamtliche Tätigkeit wirkt nachweislich gesundheitsfördernd und lebensverlängernd. Soziales Engagement kann die individuelle Lebenserwartung um bis zu 21% steigern. Wenn dies noch bekannter wäre, würde sich vermutlich jeder ehrenamtlich engagieren. Deshalb hat Mutter Theresa auch Recht, wenn sie sagt: "Je mehr Du gibst, desto mehr empfängst Du. Und wer mit Freuden gibt, gibt am meisten."

Nochmals herzlichen Dank für Ihren besonderen Einsatz. Ich freue mich, Ihnen den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland aushändigen zu können.