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Besuch des Deutschen Auswandererhauses in Bremerhaven

Antrittsbesuch in Bremen - Bundespräsident Christian Wulff beim Besuch des Deutschen Auswandererhauses in Bremerhaven Bremerhaven, 30. März 2011 Antrittsbesuch in Bremen - Bundespräsident Christian Wulff beim Besuch des Deutschen Auswandererhauses in Bremerhaven © Jesco Denzel

Ich freue mich, heute erneut in Bremerhaven zu Gast sein zu können. Bei meinem letzten Besuch im April 2008 haben Sie, sehr geehrter Bürgermeister Böhrnsen, die norddeutschen Regierungschefs hier in Bremerhaven zur "Konferenz Norddeutschland" willkommen geheißen.

Die Stadt Bremen habe ich seit meinem Amtsantritt im vergangenen Jahr zweimal besucht: Am 3. Oktober bei den zentralen Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit. Dabei habe ich mich auch ins Goldene Buch der Stadt Bremen eingetragen. Und dann auch zur Verleihung des Deutschen Umweltpreises.

Es war mein Wunsch, in Bremerhaven das Deutsche Auswandererhaus zu besuchen. Denn dieses Museum sucht seinesgleichen - weit über Deutschlands Grenzen hinaus. Es hilft bei vielfältigen, aktuellen Debatten über das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen. Das Museum ist für meine mir wichtigen Themen und Anliegen von Bedeutung, nämlich Brücken zu bauen, zum Beispiel über den Atlantik, aber auch zwischen Einheimischen und Zugewanderten.

Das Museum gestattet einen anderen Blick. Die Ausstellung zeigt, dass Deutschland nicht nur ein Einwanderungsland ist, sondern über viele Jahrhunderte ein Auswanderungsland war. Die Auswandererbiografien, die jeder Besucher hier erhält, verbinden die Schicksale der deutschen Auswanderer mit Gesichtern. Die Klanginstallationen und die hochmoderne Museumstechnik machen den Besuch zu einer Reise durch die Jahrhunderte, zu einem Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst. Die Besucherzahlen belegen dies eindrucksvoll.

Für die emotionale Vermittlung von Geschichte und für die wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas Migration hat das Deutsche Auswandererhaus den "European Museum of the Year Award 2007" erhalten. Nach meinen ersten Eindrücken vom Ausstellungsrundgang und meinen Vorkenntnissen zu Ihrer Arbeit kann ich nur sagen: Diesen Preis haben Sie wahrlich verdient! Ich bin sehr beeindruckt. Hier wird Geschichte greifbar. Hier wird Geschichte zum Erlebnis!

Das Deutsche Auswandererhaus ist auch ein leuchtendes Beispiel für ein gelungenes Projekt öffentlicher und privater Zusammenarbeit. Dass es für den laufenden Betrieb weder öffentliche noch private Zuschüsse erhält, spricht für sich. Damit setzen Sie hier in Bremerhaven Maßstäbe in der Museumslandschaft!

Sie müssen damit rechnen, dass ich privat wiederkommen werde. Im Frühjahr nächsten Jahres soll der Erweiterungsbau eröffnet werden. In der erweiterten Dauerausstellung soll dann stärker als bisher auch "Deutschland als Einwanderungsland" thematisiert werden. Die erweiterte Dauerausstellung möchte ich mir zu gegebener Zeit ansehen.

Die Themen "Deutschland als Auswanderungsland" und "Deutschland als Einwanderungsland" liegen mir am Herzen. Denn ich bin mir sicher: Die Zukunft unseres Landes wird sich auch daran entscheiden, ob es uns gelingt, die zu uns gekommenen Menschen erfolgreich zu integrieren, zugleich attraktiv für neue, qualifizierte Menschen zu werden und unsere klügsten Köpfe im Land zu halten. Mit einer Reihe von Ländern haben wir negative Wanderungssalden, also mehr Menschen, die unser Land verlassen als zu uns kommen.

Auch angesichts der demografischen Entwicklung werden wir künftig auf niemanden in unserem Land verzichten können. Wir müssen vor allem die Potentiale der Menschen mit ausländischen familiären Wurzeln noch wesentlich besser erschließen, als dies bislang der Fall ist. Zudem ist es auch für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft entscheidend, dass jeder das Gefühl bekommt, gebraucht zu werden. Dass jeder eine Chance bekommt, die er dann aber auch nutzen sollte. Vertrauen und Zutrauen, Leistung und Gegenleistung - all dies gehört zusammen. Am 3. Oktober 2010 durfte ich in Bremen sagen: Die erfolgreichste Art, Zusammenhalt zu stärken, ist anderen zu vertrauen und Ihnen etwas zuzutrauen.

Dies allein wird aber nicht ausreichen, um in der Zukunft erfolgreich bestehen zu können. Wegen der demografischen Entwicklung könnten uns in nur 15 Jahren bis zu 6,5 Millionen Erwerbstätige fehlen. Wenn wir unsere sozialen Sicherungssysteme und unsere Wachstumschancen bewahren wollen, müssen wir attraktiver werden für kluge Köpfe aus aller Welt. Und wir müssen ihnen eine Perspektive bieten, damit sie sagen: Hier lohnt es sich zu bleiben. Hier lohnt es sich, seine Talente einzubringen. Hier haben unsere Kinder eine gute Zukunft.

Wenn wir uns der Zukunft offen zuwenden und "Mut zum Wandel" haben, werden wir auch attraktiv bleiben für die hochqualifizierten Menschen in Deutschland, die immer mobiler werden.

Mut zum Wandel, Mut zu Neuem haben Sie auch hier in Bremerhaven bewiesen: Sie haben das vorhandene wirtschaftliche Potential des Hafens ausgebaut. Sie haben auf neue, zukunftsträchtige Felder gesetzt: auf Wissenschaft und Forschung, auf Offshore-Windenergie und den Städtetourismus.

Bremerhaven wurde 2005 gemeinsam mit Bremen als erste "Stadt der Wissenschaften" in Deutschland ausgezeichnet. Bremerhaven ist heute ein Zentrum der Offshore-Windindustrie. Führende Hersteller von Windrädern und Rotoren haben sich hier angesiedelt und viele neue Arbeitsplätze geschaffen. Der Tourismus in Bremerhaven entwickelt sich positiv. Mit dem Klimahaus und dem Deutschen Auswandererhaus haben Sie neue Anziehungspunkte geschaffen. Und Sie sind auf einem guten Weg zur "Klimastadt".

Gerne trage ich mich in das Goldene Buch ein. Ich freue mich darauf, im Anschluss den Ausstellungsrundgang fortzusetzen. Und ich freue mich auf die Gespräche mit Ihnen.

Der Stadt Bremerhaven, dem Land Bremen und allen Bürgerinnen und Bürgern wünsche ich Erfolg, alles Gute und Gottes Segen!