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Preisverleihung des 46. Bundeswettbewerbs „Jugend forscht“

Preisverleihung des 46. Bundeswettbewerbs "Jugend forscht" in Kiel- Bundespräsident Christian Wulff bei seiner Rede Kiel, 22. Mai 2011 Preisverleihung des 46. Bundeswettbewerbs "Jugend forscht" - Bundespräsident Christian Wulff bei seiner Rede © Markus Scholz

Kiel ist ein guter Ort zur Preisverleihung des Bundeswettbewerbs „Jugend forscht“: Denn in Kiel ist das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und der Mathematik ansässig. Hier befassen sich interdisziplinäre Teams aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit den Fragen des Lehrens und des Lernens.

Anders als Erwachsene gehen Kinder ohne Hemmungen und voller Tatendrang an Dinge heran. Sie wollen entdecken. Leider gibt es nicht mehr so viele natürliche Orte, wo Jugendliche Neugier befriedigen können, wo sie Technik, Biologie, Chemie und Physik auf natürliche Weise erfahren können, wo Räume erlebbar werden und sich in der Welt eines Kindes widerspiegeln. Deshalb brauchen wir Forscher, die Erziehern und Lehrern Antworten geben auf die Fragen: Wie kann technisches und naturwissenschaftliches Erleben besser möglich werden? Wie können unkonventionelle Lehr- und Lernmethoden und digitale Lernmittel im Unterricht ausprobiert werden?

Wir sollten erreichen, dass der Unterricht so spannend ist, dass sich unsere Kleinsten wünschen, später einen Beruf in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, zu ergreifen. Wir müssen werben für Berufe wie Ingenieur, Chemiker oder Physiker. Wir brauchen in Deutschland viele Albert Einsteins und Lise Meitners, die die Welt mit ihren Erfindungen begeistern.

Leistungsstarke und kreative Fachkräfte haben Deutschland zu einer der weltweit erfolgreichsten und wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften gemacht. Viele deutsche Unternehmen aus der Automobilindustrie, aus der Elektroindustrie, der chemischen Industrie und dem Maschinen- und Anlagenbau spielen weltweit ganz vorne mit - einige als Weltmarktführer. 125 Jahre Robert Bosch zeigt uns das sehr eindrucksvoll. Dieser Erfolg macht stolz. Dieser wirtschaftliche Erfolg sichert die Basis für unsere Gesellschaft!

Deutschland zählt zu einer der wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt, weil wir aus den industriellen Anfängen heraus unsere Stärken konsequent weiterentwickelt haben. Es waren Ingenieure wie Carl Benz, Werner von Siemens, Rudolf Diesel oder Ferdinand Porsche, die Deutschlands industriellen Aufstieg auf den Weg gebracht haben. Ihre Leistungen haben den Grundstein gelegt für das Know-how, das unsere Wirtschaft bis heute beflügelt.

Zukünftig müssen wir eine zweite industrielle Revolution mit den grünen Technologien neu und besser gestalten.

Dass sich gerade junge Menschen – Mädchen wie Jungen – dafür begeistern, durch Technik und Innovation Lösungen für ein nachhaltigeres Wirtschaften zu finden - darauf setze ich für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Rohstoffschonendes, energieeffizientes Wirtschaften bietet ökonomische Perspektiven und ökologische Chancen, um die Probleme der Welt zu lösen.

Die Zahl der Menschen auf der Welt wird weiter zunehmen, vielleicht auf über neun Milliarden bis 2050. Der Welthandel und die weltweite Produktion werden weiter deutlich wachsen. Naturwissenschaftlich arbeiten und lernen heißt nicht nur, in wissenschaftliche Sphären abheben, sondern genauso auch praktische Probleme lösen

Deshalb rate ich uns allen, nie den Boden unter den Füßen zu verlieren, sondern immer die Menschen und ihre Bedürfnisse mit den alltäglichen Problemen zu beachten.

Besonders wichtig ist mir dabei, dass wir Mädchen und Jungen mit „Jugend forscht“ gleichermaßen ansprechen. Neben einer starken Förderung der Naturwissenschaften und der Technik brauchen wir immer auch die Förderung der Kultur und der Geisteswissenschaften.

Unsere geistige und kritische Kraft des Denkens muss die wissenschaftlich-technologischen Prozesse begleiten. Bis ins 18. Jahrhundert hatten sich Künstler und Philosophen wie selbstverständlich mit den Naturwissenschaften auseinandergesetzt. Sammler wie Alexander von Humboldt haben in ihren Kabinetten neben Kunstwerken gerade auch Funde aus der Natur präsentiert. Gottfried Wilhelm Leibniz, Universalgenie des 17. Jahrhunderts, war mit Erfindungen wie der Rechenmaschine und der Entwicklung des binären Zahlencodes ein Wegbereiter für den modernen Computer und die Informationstechnologie!

Liebe Schülerinnen und Schüler, sehr geehrte Damen und Herren, „Jugend forscht“ ist eine echte Erfolgsgeschichte. Die 46. Wettbewerbsrunde hat eine Rekordbeteiligung von 10.677 Jugendlichen.
Viele Jungforscher, die bei „Jugend forscht“ erfolgreich waren, sind heute engagierte und erfolgreiche Wissenschaftler, Unternehmer und Hochschullehrer. Wer sich Wettbewerbsbeiträge zeigen lässt, der staunt über die hohe Qualität und die Kreativität der Projekte.

Ich möchte allen danken, die „Jugend forscht“ möglich machen. Heute dabei zu sein, ist allein schon ein großer Erfolg, für jede und jeden von Ihnen! Besonders danken möchte ich den Lehrerinnen und Lehrern, die in den Schulen für den Wettbewerb werben. Ihr Einsatz für die Exzellenz Ihrer Schülerinnen und Schüler ist beispielhaft.

Es zählt zu den Qualitäten des Wettbewerbs Jugend forscht, dass er junge Menschen motiviert, mit eigener Energie, mit eigener Kreativität und mit viel Durchhaltvermögen Neues zu schaffen. Neugier und Leidenschaft, kritisches Denken und Ideen, Initiative und Teamfähigkeit sind Eigenschaften, die wir in dieser Zeit mehr denn je brauchen

Ich wünsche Ihnen allen heute bei der Preisverleihung zur 46. Wettbewerbsrunde von „Jugend forscht“ und in Zukunft viel Erfolg!