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Abendessen zu Ehren von Kronprinz Naruhito von Japan

Abendessen zu Ehren des japanischen Kronprinzen in Schloss Bellevue - Bundespräsident Christian Wulff hält seine Tischrede im Großen Saal Schloss Bellevue, 22. Juni 2011 Abendessen zu Ehren des japanischen Kronprinzen - Bundespräsident Christian Wulff hält seine Tischrede im Großen Saal © Jochen Eckel

Es ist uns eine große Ehre und Freude, dass Sie uns in Deutschland gerade jetzt besuchen. Wir feiern 150 Jahre diplomatischer Beziehungen. Aber nicht nur das: Wir feiern 150 Jahre Freundschaft zwischen den Menschen unserer Länder. Aus diesem Anlass gibt es unter unserer gemeinsamen Schirmherrschaft sowohl in Japan als auch in Deutschland eine Vielzahl von Veranstaltungen, die die Freundschaft in die nächste Generation tragen sollen. Eine Freundschaft, die auch harte Zeiten überwunden hat. Ich sage dies bewusst, weil ich mich noch gut an meinen Besuch im Kriegsgefangenenlager Bando auf der japanischen Insel Shikoku in der Präfektur Tokushima erinnern kann. Dorthin kamen im Ersten Weltkrieg deutsche Soldaten. Sie, die Kriegsgegner, wurden mit Respekt und Fairness behandelt. Und sie waren es, die zum ersten Mal die neunte Symphonie von Beethoven in Japan aufführten und sich über Kulturen intensiv austauschten. Gerade die Musik verbindet unsere Völker bis heute, wie wir auch heute Abend hören können.

Heute Vormittag haben wir anlässlich des Jubiläumsjahres gemeinsam im Garten des Schlosses Bellevue eine japanische Kirsche gepflanzt. Sie steht hier im Schlosspark an einem besonderen Ort. Darüber hinaus gibt es in ganz Deutschland unzählige japanische Kirschen – viele von ihnen wurden übrigens als Zeichen der Freude über die deutsche Wiedervereinigung aus Japan geschickt. Mit den Kirschbäumen findet sich überall ein Stück japanischer Seele in unserem Land. Die über 100 deutsch-japanischen Freundschaftsgesellschaften, die Partnerschaften zwischen Kommunen, Schulen, Firmen, Universitäten und Kultureinrichtungen sind nur ein Ausdruck dieser engen Verbundenheit.

In meiner siebeneinhalbjährigen Regierungszeit als Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes hatte ich den vielfältigen Partnerschaften eine hinzugefügt, die mit dem japanischen Tokushima, um die Chancen einer Vertiefung der japanisch-deutschen Beziehung zu unterstreichen.

Die Meldungen aus Japan über die dreifache Katastrophe von Erdbeben, Flut und Reaktorunfall haben uns alle in Deutschland tief betroffen. In Benefizkonzerten, Gedenkveranstaltungen und Spendenaktionen brachten die Deutschen ihre Anteilnahme am Schicksal der Betroffenen in Japan zum Ausdruck. Bis heute kamen ungefähr 50 Millionen Euro an Spenden zusammen.

Die Herausforderungen für die Regionen sind gewaltig. Wann können die Überlebenden in ihre Heimat zurück? Wo sollen die Städte und Dörfer wieder aufgebaut werden? Wie lange wird es dauern, bis die Infrastruktur wieder funktioniert? Seien Sie versichert: Deutschland wird an der Seite Japans stehen, auch in Zeiten des Regens, nicht nur wenn die Sonne scheint. Daran erweist sich wirkliche Freundschaft.

Der Unfall in Fukushima hat auch in Deutschland die Diskussion um die Zukunft der Kernenergie stark beeinflusst. Der jetzt beschlossene Ausstieg aus der Atomenergie bedeutet eine große Herausforderung: Wie kann Deutschland seinen Energiebedarf decken, ohne gleichzeitig seine Klimaschutzziele zu verfehlen? Erneuerbare Energien werden eine große Rolle dabei spielen müssen. Ich sehe mit großem Interesse, dass die japanische Regierung angekündigt hat, in den nächsten zehn Jahren den Anteil der erneuerbaren Energien an der Versorgung des Landes auf 20 Prozent zu steigern. Ich glaube, Energieerzeugung und –effizienz sind zwei große Zukunftsthemen, bei denen deutsche und japanische Kreativität gemeinsam viel bewegen können.

Dies gilt auch für andere Felder, sowohl im bilateralen Verhältnis als auch weltweit. Als Beispiele nenne ich hier nur die Reform der Vereinten Nationen, Abrüstung und ein offenes Welthandelssystem. Japan ist für uns dabei der Wertepartner in Asien.

Kaiserliche Hoheit, ich habe mir sagen lassen, ein japanisches Sprichwort heißt: „Wenn man von den Angelegenheiten des nächsten Jahres spricht, dann lacht der Teufel.“ Aber ich wage dennoch die Voraussage, dass die Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Japaner auf der soliden Grundlage der vergangenen 150 Jahre sich auch in der Zukunft hervorragend entwickeln wird. Ihr Besuch, Kaiserliche Hoheit, ist dafür ein bedeutsames Zeichen und ein wichtiger Schritt nach vorn.

Ich bitte Sie, mit mir das Glas zu erheben und einen Toast auszubringen: auf die Gesundheit und das Wohl von seiner Majestät dem Kaiser, Seiner Kaiserlichen Hoheit dem Kronprinzen, der kaiserlichen Familie und auf die Freundschaft zwischen Japan und Deutschland, die uns sehr bedeutsam ist.