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Verleihung des Silbernen Lorbeerblattes an Dirk Nowitzki

Bundespräsident Christian Wulff überreicht Dirk Nowitzki das Silberne Lorbeerblatt im großen Saal von Schloss Bellevue Schloss Bellevue, 28. August 2011 Bundespräsident Christian Wulff überreicht Dirk Nowitzki das Silberne Lorbeerblatt im großen Saal von Schloss Bellevue © Guido Bergmann

Herzlich willkommen in Schloss Bellevue! Wenn in diesem Saal das Silberne Lorbeerblatt verliehen wird, heißt es immer so schön: „Eine Auszeichnung für die ganz Großen im deutschen Sport.“ Ob Theodor Heuss, der Stifter des Ehrenzeichens, 1950 ahnte, dass mal ein Mann von 2,13 Meter Körperlänge dabei sein würde?

Und dieser Mann gilt in seiner Disziplin nicht nur bei den Deutschen als groß. Er wird gelobt von Legenden wie Magic Johnson und begeistert Basketballfans in aller Welt!

Ich gebe gern zu: Meine Frau und ich gehören auch dazu. In meinem Arbeitszimmer hängt ein Trikot „Nr. 14“ – geschenkt von Dirk Nowitzki. Wir drücken jetzt schon für die Europameisterschaft in Litauen die Daumen, lieber Herr Nowitzki. Und wir hoffen, dass diese EM eine schöne Fortsetzung Ihrer so beeindruckenden Entwicklung wird: Vom „German Wunderkind“ der 90er Jahre bis zum „American All Star“, der seine Mannschaft als Team-Kapitän in der NBA – der härtesten Profi-Liga überhaupt – diesen Sommer zum Sieg geführt hat.

Wie schafft man einen solchen Aufstieg? Das fragen sich viele, wenn „Dirkules“ mal wieder einen Treffer zaubert, für den die Gesetze der Schwerkraft nicht zu gelten scheinen. Und das fragt man sich auch beim Blick auf Ihre Sportkarriere insgesamt.

Talent, Treffsicherheit und Träume haben viele junge Spieler, aber ist in der Welt überhaupt jemand so weit gekommen wie Sie, lieber Herr Nowitzki? Dazu braucht man nämlich noch eine Menge mehr: Die Unterstützung einer Familie, in der Gene und Gefühle dem Sport sehr zugetan sind. Mutter Helga und Schwester Silke haben selbst auch als Nationalspielerinnen sehr erfolgreich Basketball gespielt. Bis zum Alter von 13 Jahren sah es bei Dirk dagegen fast so aus, als wollte er lieber Boris Becker nacheifern. Damals gehörte er zum besten Tennisnachwuchs der Republik. Aber auf seinem Würzburger Gymnasium gab es später eine Basketballmannschaft und einen Förderer, Holger Geschwindner, den ich hier auch ganz herzlich willkommen heiße!

Dann ging auch alles sehr „geschwind“: vom Schulteam zum damaligen Zweitligisten DJK Würzburg. Dieser stieg – und das war kein Zufall! – gemeinsam mit Ihnen, Dirk Nowitzki, in die Basketball-Bundesliga auf. Mit 19 konnten Sie sich dann bei einer Junioren-Weltauswahl gegen hoch gehandelte US-Talente durchsetzen, schafften es als Europäer zu den Dallas Mavericks und spielten auf zwei Kontinenten: Mit der deutschen Nationalmannschaft holten Sie Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften, in der NBA punkteten Sie auf Rekordniveau. Sie trugen die deutsche Fahne bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking.

Viele Fans kennen die Statistiken Ihrer Treffer und Rebounds auswendig. Beeindruckt haben Sie auch mit einer ganz anderen Liste: von A wie Ausdauer bis Z wie Zähigkeit! Wir konnten Sie schon mit ausgeschlagenem Zahn und geschientem Finger auf dem Spielfeld sehen, aber noch nie einen Satz hören wie: „Jetzt werf’ ich das Handtuch.“ Aufgeben passt offenkundig nicht in ihr Weltbild.

Angeben genauso wenig. Wer die schillernde NBA ein wenig kennt, der weiß: Da geht es nicht nur um Bälle, sondern auch um Best Bodies, nicht nur um Sternstunden des Sports, sondern auch um die Stars und ihre - sagen wir mal - privaten Superlative. Sie, lieber Dirk Nowitzki, sind trotz Blitzlichtgewitter bescheiden und zurückhaltend geblieben. Ich glaube, dafür liebt Sie das Publikum besonders. Wenn jemand sportlich die höchsten Weihen erreicht und finanziell vollkommen unabhängig ist, aber als Mensch immer am Boden bleibt, dann wird er auf doppelte Weise zum Vorbild. Auch dafür – nicht nur für die sportliche Leistung – soll das Silberne Lorbeerblatt Auszeichnung sein. Sie sind nämlich beides gleichzeitig: ein Idol und ein Mann mit Idealen!

Schöne Beispiele dafür finden sich in den Projekten der Dirk-Nowitzki-Stiftung, mit der Sie – der große Dirk – sich gemeinsam mit Ihrer Schwester den Kleinsten in der Gesellschaft widmen. Das reicht von der Sportförderung in einer Würzburger Kita bis hin zu Lebensmittelspenden für ein Waisenheim in Uganda. Die Kinder sollen gesund aufwachsen können und beim Sport fürs Leben lernen. Fairness, gegenseitige Anerkennung und Teamgeist: Wer jungen Menschen solche Erfahrungen möglich macht, trägt zu einer besseren Welt von morgen viel bei. Sport, der verbindet – ein schönes Entwicklungsziel!

Für die transatlantischen Verbindungen haben Sie 2011 schon eine Menge erreicht. Als im Juni eine viertel Million Amerikaner in Dallas ihren „German Maverick“ umjubelten, ist in den Köpfen und Herzen mehr passiert, als jede noch so schöne Imagebroschüre leisten könnte. Sie, lieber Herr Nowitzki, sind zum Botschafter des deutschen Sports und Deutschlands geworden, wie wir ihn uns besser nicht wünschen können.

Ich vermute, solche geballten Komplimente mögen Sie weniger. Sie trommeln gelegentlich auf dem Schlagzeug, nicht in eigener Sache. Diese Haltung gefällt: Sie vergoldet das Silberne Lorbeerblatt.

Aber herzlich freuen dürfen Sie sich trotz aller Bescheidenheit, lieber Herr Nowitzki! Und über Lob sollten Sie sich freuen, weil Sie Vorbild sind und andere Ihnen nacheifern.

In der NBA wurden Sie mehrfach als „wertvoller Spieler“ ausgezeichnet. Das Silberne Lorbeerblatt, das ich Ihnen jetzt verleihe, soll zum Ausdruck bringen: Sie sind unserem Land ein ganz besonders wertvoller Sportler – und vor allem ein eindrucksvoller Mensch - auf den Deutschland stolz ist!