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Erstmalige Aushändigung des Feuerwehr-Ehrenkreuzes in der neugestifteten Stufe Bronze

Bundespräsident Christian Wulff bei seiner Ansprache Schloss Bellevue, 6. Oktober 2011 Erstmalige Aushändigung des Feuerwehr-Ehrenkreuz der Stufe Bronze - Bundespräsident Christian Wulff bei seiner Ansprache © Hans-Christian Plambeck

Wenn ich mich umsehe, zähle ich Feuerwehrfrauen und -männer in mehrfacher Staffelstärke im Saal. Herzlich willkommen im Schloss Bellevue zu einem ganz besonderen Einsatz! Ich freue mich sehr, Sie alle hier begrüßen zu dürfen. Zumal es sich um eine Premiere handelt – mit dem neuen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze.

Diese Veranstaltung gilt elf besonderen Menschen, denen wir auf besondere Weise danken wollen.

Erlauben Sie mir vorweg ein Wort an 1,3 Millionen Menschen. So hoch ist nämlich die aktuelle Zahl der Feuerwehr-Angehörigen in Deutschland. Das sind angehende, aktive und ehemalige Feuerwehrfrauen und -männer, mutige Helferinnen und Helfer – freiwillig oder von Berufswegen. Sie alle haben sich bereit erklärt, Leben zu retten. Und sie alle sind bereit, dafür im Notfall ihr eigenes Leben zu riskieren. Das ist eines der größten Versprechen, die man der Gemeinschaft geben kann. Dafür hat jede und jeder Einzelne dieser 1,3 Millionen unsere Hochachtung und unseren Dank verdient!

Wenn heute elf Ehrenzeichen verliehen werden, dann stehen elf Namen für hervorragende Feuerwehr-Arbeit in unserem Land.

Hinzu kommt: Diese Elf stehen für einen Neubeginn, für ein neues Kapitel der deutschen Feuerwehrgeschichte. Denn nun gibt es ein Ehrenzeichen, das eine lange Tradition mit moderner Anerkennungskultur verbindet: das Ehrenkreuz in Bronze!

Als ich von der Idee dieser Neustiftung gehört habe, dachte ich: Genau darum geht es. Wir brauchen zeitgemäße Formen der Wertschätzung. Wir brauchen Symbole des Dankes, die zur Lebenswirklichkeit in Zeiten von Google und Globalisierung passen. Die Zahl derer, die jahrzehntelang am gleichen Ort wohnen und sich dort ununterbrochen engagieren können, wird kleiner. Die steigende Mobilität prägt immer mehr Biografien. Das gilt für Ausbildung, Studium und Beruf, aber auch für das freiwillige Engagement, das diesem Rhythmus angepasst werden muss. Besonders für junge Menschen ist es nicht leicht, sich trotz aller Pflichten und trotz der hohen Anforderungen an die viel zitierte Flexibilität, „einfach so“ einer Aufgabe zu widmen. Das spürt man auch in den Nachwuchsorganisationen der Feuerwehr.

Deshalb ist das neue Ehrenkreuz mit einer doppelten Botschaft verbunden.

Erstens: Anerkennung ist unabhängig von Jahren oder Jahrzehnten. Beim Bronze-Zeichen geht es nicht um die Dauer des Engagements, sondern um seine Intensität und Wirkung. Zweitens: Junge Menschen sind ausdrücklich angesprochen! Ehre ist keine Frage des Alters. Aber Ehrenamt ist durchaus eine Frage der Motivation. Das Bronze-Kreuz soll auch ein Beitrag zur Nachwuchsförderung sein.

Mit diesen Argumenten hat der Deutsche Feuerwehrverband viele überzeugt und offene Türen gefunden! Auch beim Bundesverdienstorden haben wir in diesem Sommer mit einer behutsamen Modernisierung begonnen. Mein größter Wunsch ist es, die junge Generation für freiwilliges Engagement zu gewinnen – trotz der hohen Anforderungen und zeitlichen Belastungen in Schule, Ausbildung, Studium und Beruf.

Wir treten also nicht zufällig Seite an Seite auf, lieber Herr Kröger. Wir stehen hier mit einer gemeinsamen Überzeugung!

Ich spreche sicher für uns beide, wenn ich sage: Mitstreiterinnen und Mitstreiter für diese Idee sind sehr willkommen! Beeindruckende Vorbilder sitzen hier im Saal. Zum Beispiel zwei Jugendfeuerwehrmänner. Der eine hat mit gerade 15 Jahren einen Serienbrandstifter auf Sylt gestellt, der andere ist mit 20 zum Lebensretter geworden. Oder denken wir an die junge Radiomoderatorin, die sehr einfallsreich um Frauen in der Feuerwehr wirbt. So verschieden die Geschichten auch sind, haben sie doch etwas gemeinsam. Sie zeigen, wie viel und wie viele jemand bewegen kann, der auf die Stärken der Feuerwehr baut – also auf Mut und Kameradschaft.

Außenstehende wundern sich vielleicht, wenn sich Feuerwehrangehörige mit „Kameradin“ oder „Kamerad“ ansprechen. Die Bedeutung dieser Anrede kann man aber gerade bei Feuerwehrleuten eindrucksvoll erleben, vor allem in Augenblicken, die besondere Kraft abverlangen. Einige unserer Ehrengäste haben beim schweren Eisenbahnunglück von Eschede, beim Großbrand von Ludwigshafen oder bei den Aufräumarbeiten nach dem Tsunami in Japan geholfen. Wenn ich Ende Oktober nach Japan reise, werde ich bestimmt wieder darauf angesprochen. Die Partnerorganisationen dort sind den deutschen Feuerwehren für ihre Unterstützung sehr dankbar.

Andere von Ihnen helfen mit Expertenwissen über Gefahrenstoffe oder mit großem Einfühlungsvermögen in der Notfallseelsorge. Wir werden auch Ehrenkreuzträger kennenlernen, die Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in einen Feuerwehrtrupp und damit stärker in unsere Gesellschaft integrieren. All das bedeutet Kameradschaft. Sie ist nicht nur ein Wort, sondern wertvolle Wirklichkeit. Wertvoll und unersetzbar. Ein Schulterklopfen funktioniert nämlich nur von Mensch zu Mensch. Und auch Vertrauen entsteht von Mensch zu Mensch.

Kameradinnen und Kameraden können sich aufeinander verlassen. Und wir können uns auf die deutschen Feuerwehren verlassen. Das ist ein großes Geschenk an unser Land. Mit dem Ehrenkreuz in Bronze haben wir ab heute eine neue Möglichkeit, dafür Danke zu sagen!