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Deutschlandfest im Arisugawa-Park in Tokio

Bundespräsident Christian Wulff mit dem japanischen Kronprinzen Naruhito bei seiner Rede beim Deutschlandfest Tokio, Japan, 23. Oktober 2011 Offizieller Besuch in Japan - Bundespräsident Christian Wulff mit dem japanischen Kronprinzen Naruhito bei seiner Rede beim Deutschlandfest © Guido Bergmann

Jeder Stand, jede Aktivität hier im Park steht für einen Mosaikstein der unzähligen Verbindungen zwischen Deutschen und Japanern. Ein Anlass zur Freude und Dankbarkeit, ebenso wie die Tatsache, dass Sie, Kaiserliche Hoheit, als gemeinsamer Schirmherr der Feiern anlässlich des 150-jährigen Bestehens der diplomatischen Beziehungen heute dieses Fest mit uns gemeinsam feiern. Aber unsere Freude über den Nationalfeiertag, den Tag der Deutschen Einheit, wird überschattet von der Katastrophe, die Japan diesen März getroffen hat.

Es ist mir daher wichtig, ganz zu Anfang meines Besuches in Japan allen Opfern von Erdbeben, Tsunami und Reaktorunfall meinen Respekt zu erweisen. Meine Trauer und mein Mitgefühl gelten den Familien und Freunden der über 6.000 Toten und 4.000 Vermissten. Es gilt den rund 500.000 Menschen, die durch die Katastrophe obdachlos wurden. Und es gilt den rund 80.000 Menschen, die ihre Häuser um das Atomkraftwerk Fukushima verlassen mussten. Viele stehen vor den Trümmern ihrer Existenz und müssen unter größten Mühen ein neues Leben aufbauen. Wir teilen ihr Leid. Ich werde übermorgen in die Stadt Iwaki fahren, um dies auch direkt gegenüber den Betroffenen dort zum Ausdruck zu bringen. Ich bin überzeugt, dass es den Menschen mit der Hilfe des ganzen Landes und der Freunde weltweit gelingt, bald wieder Perspektiven für einen Neuanfang zu haben. Wir bewundern die disziplinierte Aufbauarbeit, die hier geleistet wird.

Die Nachrichten aus Japan haben in ganz Deutschland eine Anteilnahme ausgelöst, die belegt, wie eng die Verbindungen zwischen Deutschland und Japan sind. Als ich direkt nach der Katastrophe in die japanische Botschaft in Berlin ging, um mein Beileid auszusprechen, waren die Bürgersteige voll von Kerzen, Blumen und Trauerbotschaften. Nicht nur in der Hauptstadt und den Metropolen, sondern auch auf dem Land waren Schock und Trauer allgegenwärtig. In jedem Winkel Deutschlands leben Menschen, die persönliche Verbindungen nach Japan haben.

Es würde den Rahmen sprengen, die Liste der Partnerschaften zwischen Städten, Universitäten, Schulen, Firmen, Museen, Orchestern, Vereinen, Freundschaftsgesellschaften halbwegs erschöpfend aufzuzählen. Es sind ganz unterschiedliche Partner, die in den Zeiten der Not die Hand nach Japan ausgestreckt haben. Herausgekommen sind dabei bislang ungefähr 54 Millionen Euro. Ich werde gleich die Ehre haben, symbolisch ein Zentrum für die Gemeinde Kawauchi-Mura zu übergeben, das mit Spendenmitteln des deutschen Roten Kreuzes finanziert wird. Über die materielle Hilfe hinaus gibt es eine Vielzahl anderer Zeichen der Anteilnahme und Solidarität. Zum Beispiel hat der deutsche Fußballer Pierre Littbarski die betroffenen Regionen besucht, deutsche Orchester haben Konzertreisen durch Schulen, Universitäten und Tempel in Tohoku gemacht. Weitere werden folgen. 

Dieses dichte Netz an Kontakten ist über Generationen gewachsen. Deutschland und Japan feiern dieses Jahr gemeinsam  150 Jahre Freundschaft. Eine Freundschaft, die weit über die Regierungen hinausreicht, deren Kontakte vor 150 Jahren begannen. Das wir heute hier im Arisugawa-Park gemeinsam mit Ihnen, Kaiserliche Majestät, den deutschen Nationalfeiertag begehen können, ist für mich ein besonderes Zeichen dieser  Freundschaft. Wir haben beide schon einige Höhepunkte des Programms verpasst – auf der Hauptbühne wurde den ganzen Tag schon deutsch-japanisch musiziert, Kultur und Information halten sich die Waage, dazu gibt es deutsches und japanisches Essen. Und, zu meiner großen Freude, überall spielen Kinder um- und miteinander: Kinder aus Deutschland, Japan und anderen Ländern zeigen uns, wie wir gemeinsam feiern können. Das Wiedersehen mit einer der Fußballerinnen des Nadeshiko-Teams war für mich ein persönliches Highlight. Das Team hat in Deutschland nicht nur den Weltmeistertitel, sondern auch die Herzen der Welt gewonnen. Ich freue mich, dass mich eine der Spielerinnen, die in Deutschland aktiv sind, auf meinem Besuch in Japan begleitet. Deutschland und Japan haben eine feste Basis der gemeinsamen Sympathie und des Respekts, der uns auch in die nächsten Generationen tragen wird.

Ich danke Ihnen, freue mich auf meine Tage in Japan und wünsche Ihnen allen ein frohes Beisammensein hier im Arisugawa-Park.