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Abendessen, gegeben vom Premierminister von Japan, Yoshihiko Noda

Bundespräsident Christian Wulff bei seiner Ansprache beim Abendessen, gegeben von Premierminister Yoshihiko Noda Tokio, Japan, 24. Oktober 2011 Offizieller Besuch in Japan - Bundespräsident Christian Wulff bei seiner Ansprache beim Abendessen, gegeben von Premierminister Yoshihiko Noda © Guido Bergmann


Vielen Dank für den freundlichen Empfang. In Deutschland und Japan feiern wir dieses Jahr das 150. Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Dies zeigt, wie viel uns mit Japan, unserem Wertepartner in Asien, verbindet.

Von den unzähligen Geschichten aus fünf Generationen Freundschaft will ich nur eine erzählen: Sie führt uns in die Zeit direkt nach dem Ersten Weltkrieg. Die internationalen Verbindungen der deutschen Wissenschaft waren größtenteils gekappt, viele der Forscher selber in großer Not. Da war es ein japanischer Industrieller, Herr Hajime Hoshi, der mit mehreren Spenden der „Notgemeinschaft Deutscher Wissenschaften“ unter die Arme griff. Reichspräsident Ebert bedankte sich 1924 in einem Brief: „Als Bestand und Fortschritt der deutschen Wissenschaft bedroht schienen, waren Sie der erste Ausländer, der seine Freundschaft durch tatkräftige finanzielle Hilfe der deutschen chemischen Wissenschaft bekundete.“ Neben ihm hatten damals viele andere Japaner für notleidende Deutsche gespendet.

Im Komitee, das die Hilfen für die Wissenschaft vergab, saßen mit Fritz Haber, Max Planck, Richard Willstätter und Otto Hahn vier Nobelpreisträger. Aus den engen Verbindungen entstanden später das Japan Institut in Berlin und das Deutsch-japanische Kulturinstitut in Tokio. Heute haben wir das gemeinsame Japanisch-Deutsche Zentrum Berlin und in Tokio das Deutsche Institut für Japanstudien.

Auf dieser Grundlage haben sich die deutsch-japanischen Beziehungen bis heute auf allen Gebieten hervorragend weiterentwickelt. Deutsche und japanische Unternehmen arbeiten zusammen, unsere Wissenschaftler stehen in engem Austausch, Künstler und Kulturschaffende erhalten vielfältige Anregungen voneinander. Die Villa Kamogawa in Kyoto, die ich auf der Reise besuchen kann, ist hierfür ein gutes Beispiel. Die mich begleitende Wirtschaftsdelegation wird unsere wirtschaftlichen Kontakte weiter vertiefen helfen. Gerade in Zeiten weltwirtschaftlicher Unsicherheiten sind die stabilen deutsch-japanischen Wirtschaftsbeziehungen von besonderer Bedeutung. Wir sollten ihr volles Potenzial nutzen. Das steht den dritt- und viertgrößten Wirtschaftsnationen der Welt an.

Deutschland und Japan kooperieren nicht nur bilateral, sondern auch in anderen Ländern. Ich komme gerade von einem Besuch in Afghanistan. Deutschland und Japan sind dort die größten Gebernationen. Wir nutzen unsere Wirtschaftskraft also auch, um anderen zu helfen.

Das gilt natürlich in Notlagen auch untereinander. Die Anteilnahme der Menschen in Deutschland an der Katastrophe in Japan ist hoch. Viele haben in ihrem persönlichen Umfeld für Japan gesammelt. Morgen werde ich an den Geburtsort von Herrn Hajima Hoshi nach Iwaki fahren. Ich möchte den Menschen dort direkt meine Anteilnahme aussprechen, mit Evakuierten der Katastrophe von Fukushima sprechen und in Toyoma die Schäden des Tsunami und die Wiederaufbauleistungen sehen. Als bescheidene Geste wird es ein Solidaritätskonzert für die Menschen geben. Deutschland steht in diesen schweren Zeiten fest an der Seite von Japan.

Ich bitte Sie nun, mit mir das Glas zu erheben auf die Gesundheit von Ministerpräsident Noda, auf den schnellen Wiederaufbau des Landes und auf die 150-jährige Freundschaft zwischen Japan und Deutschland.