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Konzert für die Evakuierten der Katastrophe vom 11. März 2011 in Japan

Bundespräsident Christian Wulff trifft Evakuierte aus Hirono und Naraha in der Provinz Fukushima Iwaki New Town Takaku, Japan, 25. Oktober 2011 Offizieller Besuch in Japan - Bundespräsident Christian Wulff trifft Evakuierte aus Hirono und Naraha in der Provinz Fukushima © Guido Bergmann


Der römische Philosoph Seneca sagte: „Für ein Schiff ohne Hafen ist kein Wind der richtige.“ Der Schmerz, seine eigenen vier Wände verlassen zu müssen, ist bis heute ein ständiger Begleiter der Menschheit. 43 Millionen Flüchtlinge alleine durch Krieg und Gewalt verzeichnen die Vereinten Nationen 2010. Dazu kommen noch einmal ungefähr so viele Menschen, die ihre Heimat durch Naturkatastrophen verloren haben. Die Katastrophe vom 11. März in Japan macht Menschen noch aus einem anderen Grund heimatlos: Radioaktive Strahlung. Über 80.000 Menschen mussten die Umgebung des Atomkraftwerks Fukushima verlassen. Sie weichen vor einer Bedrohung, die man nicht sehen, hören oder riechen kann. Vor einer Bedrohung, die im schlimmsten Fall über Jahrzehnte andauern kann. Die Menschen in Deutschland fühlen mit Ihnen. Wir teilen Ihren Schmerz.

Ich habe heute mit Evakuierten aus der Gemeinde Hirono ausführlich über ihre Lage gesprochen. Ich bin tief bewegt von den Schicksalen. Die Ungewissheit über Möglichkeit, wieder in ihre Häuser zurückzukehren, lastet schwer auf ihnen. Die Katastrophe von Fukushima hat deutlich gemacht, welche Gefahren bei einem Unfall in einem Atomkraftwerk entstehen können. Jede Gesellschaft wird sich nach Fukushima die Frage stellen müssen, in welcher Form sie bereit ist, dieses Risiko zu tragen. Japan ist eines der Länder mit den höchsten Qualitätsstandards weltweit. Ich wünsche mir, dass bei diesen Diskussionen weltweit auch die Stimmen derjenigen gehört werden, die am eigenen Leibe erfahren mussten, was es bedeutet, direkt von einer solchen Katastrophe betroffen zu sein.

Der Schmerz über den Verlust, die die Menschen im Tohoku durch das Beben und die Flutwellen erlitten haben, ist für jeden der Betroffenen von eigener Art. Die Entschlossenheit, trotz aller Schwierigkeiten nicht aufzugeben, ist umso beeindruckender. Ich habe viel Solidarität gespürt – Solidarität der Menschen untereinander, aber auch durch Hilfe aus ganz Japan. An der Art, wie Menschen in der Not zusammenhalten, zeigt sich der wahre Reichtum einer Gesellschaft. Ich habe großen Respekt vor diesem Reichtum.

Indirekt war die ganze Welt betroffen. Überall in Deutschland gab es spontane Aktionen. Schüler sammelten in den Schulen, Vereine bei ihren Mitgliedern, Firmen bei den Mitarbeitern. Selbstverständlich hat die deutsche Partnerstadt von Iwaki, die Gemeinde Badenweiler Spenden für die Menschen in der Not gesammelt. Die Bundesregierung und die Menschen in Deutschland werden auch weiterhin alles tun, um Sie zu unterstützen.

Als bescheidene Geste, die ausdrückt, dass wir Deutsche in dieser Zeit an der Seite Japans stehen, freue ich mich, Sie heute Abend zu einem Konzert begrüßen zu dürfen. Es handelt sich um deutsche und japanische Musiker, die im Rahmen der „Young Euro Classics“ gemeinsam auftreten. Ich danke allen, die dieses Konzert ermöglicht haben und verbinde den Abend mit dem Herzenswunsch, dass Sie, die Evakuierten, möglichst bald wieder – ganz im Sinne von Seneca - einen sicheren Hafen haben werden.