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Interview mit der Deutschen Presse-Agentur

Elke Büdenbender (Archivbild) Archivbild Elke Büdenbender (Archivbild) © Jesco Denzel

Elke Büdenbender hat der Deutschen Presse-Agentur ein Interview gegeben, das am 21. Dezember erschienen ist.

Sie sind jetzt seit einem dreiviertel Jahr First Lady – wie haben Sie sich eingelebt? Vermissen Sie ihren Beruf?

Ich bin wirklich gerne Richterin. Und man kann ja das eine vermissen, ohne das andere blöd zu finden. Ich habe noch viel Kontakt zu meinen Kolleginnen und Kollegen und weiß daher auch, unter welchem Druck sie stehen wegen der vielen Asylverfahren, die jetzt anfallen. Ich bin hier aber inzwischen gut angekommen und habe das Gefühl, mit meinen neuen Aufgaben kann ich wirklich Sinnvolles machen: Neben meinen Schirmherrschaften will ich als Thema vor allem die berufliche Aus- und Weiterbildung verfolgen.

Zu Ihrer Entscheidung, eine Berufspause einzulegen, gab es einige Diskussionen und den Vorwurf, das sei rückständig. Wie sehen Sie das?

Ehrlich gesagt, war ich ziemlich befremdet über diese Debatte. Seitdem ich 16 bin, war ich entweder in der Ausbildung, habe studiert oder gearbeitet. Wie kann da jemand auf die Idee kommen, dass ich keine selbstbewusste Entscheidung treffe? Nach mehr als 20 Jahren als Richterin, war das ein guter Zeitpunkt, eine Zeit etwas anderes zu machen. Ich habe mich mit meinem Mann, Freunden und Kollegen beraten, aber die Entscheidung habe ich getroffen. Und: Ich kann ja nach fünf Jahren wieder in mein Richteramt einsteigen. Ich bin beurlaubt, ohne Besoldung.

Wo hängt Ihre Richterrobe jetzt?

Ich habe sie noch einmal reinigen lassen. Und jetzt hängt sie bei mir Zuhause im Schrank. Ich hatte sie damals übrigens nicht neu gekauft, sondern von einer Kollegin, die sie wiederum von einem Bundesverwaltungsrichter übernommen hatte.

Secondhand, aber das riecht doch?

Nein, nein die Leih-Roben von Proberichtern riechen manchmal der Angstschweiß! Ich finde das übrigens sehr vernünftig mit der Robe. Dann ist völlig klar, wie die Rollen verteilt sind: Man sitzt da vorne als Richterin und jeder weiß, wer die Chefin im Ring ist.

Wie halten Sie es hier mit der Garderobe?

Zurzeit erweitere ich meine Garderobe Stück für Stück. Es gibt so viele verschiedene Anlässe, für ganz besondere leihe ich mir etwas aus.

Haben Sie eine Beratung?

Ja. Da frage ich etwa, welcher Stil passt zum Anlass? Lang oder kurz? Bei der Queen war dann tatsächlich die Frage: Hut oder kein Hut?

Und?

Keiner. Es war mittags. Und kein Knicks, den muss man nicht mehr machen. Ich habe eine große Hochachtung vor dieser Frau und ihrer Erfahrung. Sie ist eine sehr beeindruckende Persönlichkeit. Und dann hatte ich das Vergnügen, neben Prinz William zu sitzen: Ein kluger Mann! Sehr sympathisch. Es war ein schöner Termin.

Ein großes Thema dieses Jahr war die #MeToo-Debatte. Wie stehen Sie dazu?

Ich war wirklich erschüttert über die Geschichten, die da hochgekommen sind. Diese Taten müssen unbedingt strafrechtlich verfolgt werden, wenn die Verjährungsfristen einem nicht dazwischen hauen. Ich selbst habe das in meinem Berufsleben nicht erlebt. Sexuelle Misshandlung oder Belästigung das ist mir nicht passiert. Eine andere Frage ist, ob man als Frau allgemein unterschätzt wird. In der Realschule hat ein Lehrer mal zu mir gesagt, für ein Mädchen könne ich erstaunlich logisch denken. Da war ich vielleicht zwölf und habe gedacht: Spinnt der? Ansonsten hatte ich nicht das Gefühl, dass ich im Vergleich zu Männern anders eingeschätzt wurde.

Sind Sie Feministin?

Diesen Begriff scheue ich überhaupt nicht. Für mich gibt es keinen Grund, Frauen zu benachteiligen. Natürlich: Frauen nach vorne!

Wie stehen Sie zur Frauenquote, etwa in Aufsichtsräten?

Ich finde die Idee einer Quote grundsätzlich erst einmal richtig, auch um die Leute daran zu gewöhnen, dass Frauen dahin gehören. Die gläserne Decke, an die Frauen stoßen, gibt es nämlich nach wie vor.

Wie stehen Sie zum Kopftuch?

Ich bin da hin- und hergerissen. Das wäre wirklich eine Frage, die wir mal auf einer Veranstaltung diskutieren könnten. Etwa: Wie wirkt eine Lehrerin mit Kopftuch an einer Grundschule auf die Mädchen? Wie ist das, wenn eine Frau mit Kopftuch als Beisitzerin auf der Richterbank sitzt? Oder eine Referendarin, die Kopftuch trägt? Da kommt ja viel zusammen, auch der Anspruch religiöser Neutralität bei der Ausübung staatlicher Aufgaben. Ich möchte aber auch keiner Frau ihr Recht nehmen, selbst zu entscheiden, wie sie ihren Glauben leben will. Für mich selbst ist das Kopftuch keine Option.

Würden Sie auch in Saudi Arabien kein Kopftuch tragen?

Nein. Ich würde einen Hut als Sonnenschutz tragen.

Gehört der Islam zu Deutschland, so wie Christian Wulff sagte?

Die Zeiten ändern sich und auch Deutschland hat sich verändert. Zu unserer christlich-abendländischen und jüdischen Tradition sind weitere hinzugekommen.

Ist es eine gute Idee, mit dem Ehepartner zusammen zu arbeiten?

Das ist eine Herausforderung aber eine schöne. Man lernt sich dann nochmal von einer anderen Seite kennen. Und man kann wirklich anders miteinander reden, weil man mehr Gemeinsames teilt. Als ich noch Richterin war, habe ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen viel mehr diskutiert als mit meinem Mann, weil wir die gleiche Arbeitswelt hatten.

Gucken Sie zusammen Fernsehen?

Ja, schon. Allerdings: Talkshows gucke ich nicht so gerne. Die heute-show ist aber zum Beispiel total witzig. Dokumentarfilme schaue ich ganz gerne. Und wir schaffen es auch schon mal, ins Kino zu gehen.

Wobei können Sie gut abschalten?

Beim Lesen und Musikhören. Oder wenn ich einfach was mit den Händen mache: zum Beispiel das Unkraut aus dem Steingarten rausreißen. Dann bin ich ganz auf eine Sache konzentriert. Oder beim Sport, obwohl es auf dem Crosstrainer wirklich langweilig ist, da höre ich immer Musik.

Zuhause oder im Fitness-Studio?

Im Fitness-Studio.

Mäht ihr Mann noch den Rasen und macht den Abwasch?

Ja, doch. Das machen wir zusammen. Wir haben ja jahrelang in Wohngemeinschaften gelebt. Die größte WG war mit sieben Mitbewohnern in Siegen. Das war sehr lustig. Mit Putzplan und Essens-Kasse das hat super funktioniert.

Wie ist es nach dem Umzug in der Dienstvilla in Dahlem?

Im Moment noch ein bisschen wie zu Besuch. Die Bücherkisten warten noch.

Wie feiern Sie Weihnachten?

Wir besuchen unsere Familien in Nordrhein-Westfalen. Einmal in Ost-Westfalen meine Schwiegermutter, mit der Familie des Bruders meines Mannes. Dann fahren wir weiter ins Siegerland zu meinem Vater und meinen Brüdern mit Familie. An Heiligabend gibt es traditionell Kasseler, Sauerkraut und Kartoffeln. Meine Schwiegermutter stammt aus Breslau, sie hat das von ihrer Mutter übernommen.

Welche Vorsätze haben Sie für 2018?

Hm. Ich habe keine Vorsätze, sondern bemühe mich einfach, alles hinzubekommen, was ich mir in dieser Position vorgenommen habe. Ich möchte hier möglichst gut meinen Job erledigen.

Die Fragen stellten: Caroline Bock und Thomas Lanig