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Eröffnung der Internationalen Gartenausstellung

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält eine Ansprache in der Arena auf dem Gelände in Berlin Marzahn-Hellersdorf bei der Eröffnung der Internationalen Gartenausstellung – IGA 2017 Berlin , 13. April 2017 Eröffnung der Internationalen Gartenausstellung – IGA 2017 – Ansprache in der Arena auf dem Gelände in Berlin Marzahn-Hellersdorf © Jesco Denzel

Wer immer auf die Idee gekommen ist, diese Gartenausstellung ausgerechnet an einem Gründonnerstag zu eröffnen – ich finde, das war eine geniale Idee!

Ich freue mich, bei Ihnen in Marzahn, in Hellersdorf zu sein. Zum ersten Mal eröffnen wir heute eine Internationale Gartenausstellung im Riesen-Biotop Berlin – mit den Machern, mit den Anwohnern, den Gartenbegeisterten aus Berlin und ganz Deutschland. Aber ich glaube, uns allen wäre nur "Grün" am Gründonnerstag nicht genug gewesen. Und ich kann mir vorstellen, dass die Verantwortlichen lange gezittert haben, ob sie denn zwischen dem Grünen auch was zum Blühen kriegen.

Und jetzt schauen Sie sich um, meine Damen und Herren: Es ist doch wirklich beeindruckend, was in den vergangenen Monaten hier gewachsen ist – in den "Gärten der Welt", auf dem Kienberg, zwischen Siedlungen und Plattenbauten. Herzlichen Dank an alle, die mit angepackt, diesen Park zum Blühen gebracht haben. Sie dürfen alle miteinander stolz auf diese Pracht sein! Herzlichen Dank, dass Sie uns das geschaffen haben.

Gartenschauen haben in Deutschland eine lange Tradition. Schon im 19. Jahrhundert waren sie Großereignisse, die Pflanzenfreunde von nah und fern angezogen haben. Und nie waren Gartenschauen nur etwas fürs Auge oder für die Sinne. Das waren und das sind sie zuallererst, ja. Aber fast immer haben sie auch Impulse für die Stadtentwicklung gesetzt. Ob Gruga in Essen, Planten un Blomen in Hamburg, Britzer Garten oder konkret hier: die Verwandlung des Parks in Marzahn in die "Gärten der Welt" – immer haben ihre Parks und ihre Baukunst Städte geprägt und ihnen ein neues Gesicht gegeben.

Auch die IGA 2017 soll etwas bewegen, hier in Berlin und darüber hinaus. Das ist gut so, denn wir stehen in der Tat vor großen Zukunftsfragen: Wie können wir in unseren wachsenden Städten die Außenbezirke attraktiver machen? Wo können wir Grünflächen schaffen, wenn die Bebauung dichter wird? Was kann jeder Einzelne tun, damit unsere Städte lebenswert bleiben? Ich hoffe, dass viele Ideen dieser Ausstellung auf wirklich fruchtbaren Boden fallen.

Wie wichtig Gartenschauen für die Bürgerinnen und Bürger sind, wie sehr sie den Zusammenhalt in Gemeinden, Städten und Regionen stärken können, das habe ich vor zwei Jahren da erlebt, wo ich für fast zehn Jahre meine politische Heimat hatte: im Havelland! Die BuGa hat nicht nur die Havelregion zum Blühen gebracht, sie hat fünf Städte und ihre Menschen zusammengebracht und eine Region deutschlandweit als Tourismusregion bekannt gemacht.

Und auch hier in Marzahn-Hellersdorf liegt etwas von Aufbruch in der Luft. Hunderte Menschen aus dem Stadtteil sind als ehrenamtliche Helfer im Einsatz. Viele Anwohner arbeiten dafür, dass das Lebensumfeld im Stadtteil attraktiver wird, und hoffen darauf, dass viel von dem, was jetzt entsteht, auch bleibt – nicht nur dieses Amphitheater, nicht nur die Seilbahn, sondern auch der Stolz der Menschen auf ihren Bezirk.

Ich bin ein Gartenfan, das wissen inzwischen viele in Deutschland, auch wenn mich meine Frau eher zu den niederen Tätigkeiten einteilt – von Rasenmähen bis Laubsäcke tragen.

Aber auch bei mir im Bundespräsidialamt wird von der IGA geschwärmt: Ich habe vor wenigen Tagen erst mit einer Mitarbeiterin bei uns gesprochen, die hier in Marzahn aufgewachsen ist und sich auch gar nicht vorstellen kann, irgendwo anders zu wohnen. Und die hat mir erzählt, wie sie als Kind hier auf den Wiesen gespielt hat, noch zu DDR-Zeiten, und wie sie sich jetzt so sehr darauf freut, dass viele sehen können, wie grün und wie vielfältig ihr Bezirk ist – ein Bezirk, der auch mit Vorurteilen zu kämpfen hat und der sich endlich einmal anders zeigen kann.

Den besten Überblick hat man natürlich vom Wolkenhain, dem neuen Wahrzeichen über den Wipfeln des Kienbergs. Ich hoffe, dass in den kommenden Jahren noch mehr zusammenwächst, was man von dort sehen kann: Parklandschaft und Siedlungen, Außenbezirke und Innenstadt, Metropole und Region. Das käme allen zugute.

Der Blick vom Wolkenhain reicht weit, aber in Berlin weiß man immer auch: Hinterm Horizont geht’s weiter. Und ich finde, die IGA ist ein besonders schönes Symbol für die Weltoffenheit dieser Stadt und für den Dialog der Kulturen.

Landschaftsarchitekten aus fünf Kontinenten haben Kunstwerke geschaffen, die uns Tradition und Moderne ihrer Länder nahebringen. Und auch in den "Gärten der Welt" können wir erleben, wie unterschiedliche Kulturen ihre Ideen von Schönheit, Ordnung und Glück in der Natur zum Ausdruck bringen. Eines ist dabei allen gemeinsam: Überall auf der Welt ist der Garten ein Ort der Einkehr, der Begegnung und des Friedens.

Und ich setze hinzu: Manchmal auch nur ein Ort der Hoffnung!

Und wie wichtig das ist, das habe ich selbst erlebt: Mitten im zerstörten Kabul in Afghanistan haben wir in meiner Außenministerzeit einen alten Gartenpark wieder entstehen lassen. Das war für viele Generationen dort der Ort, wo am Sonntag die ganze Familie ihren Ruhetag im satten Grün, mit Wasserläufen am Schwimmbad verbrachte. Heute sind dort die Babur-Gärten nicht nur der einzige grüne Fleck in einer von Zerstörung geprägten Stadt, diese Gärten sind eben auch Anker der Hoffnung, dass es eines Tages wieder so werden könnte, wie die Menschen sie vor langer Zeit, zur Friedenszeit, erlebt haben: als Orte der Ruhe und des Gesprächs.

Das zeigt: Gärten verbinden, über Grenzen hinweg. Deshalb wünsche ich mir, dass der Park hier in Marzahn-Hellersdorf viele Besucher aus aller Welt anzieht – und dass er zu einem Ort wird, an dem die Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Kultur miteinander ins Gespräch kommen.

Das große Interesse an der IGA macht klar: Gärtnern ist in Deutschland schwer im Trend. Alle Welt zieht es hinaus in die Natur, überall wird gebuddelt, gepflanzt, geharkt und gekappt. Die Statistik bestätigt, dass mehr als die Hälfte der Deutschen ihre Freizeit am liebsten im Garten verbringt.

Besonders groß ist die Begeisterung hier in Berlin, nicht nur in unzähligen Schrebergärten. Und diejenigen, die keine eigene Parzelle haben, erfinden neue Formen des Gärtnerns: auf öffentlichen Plätzen werden in Eigenregie Blumen, Salat und Tomaten gesetzt. Oder sie tun sich mit Nachbarn zusammen und bepflanzen Bürgergärten. Und Sie hier in Berlin wissen: selbst ehemalige Flugplätze bleiben von Gartenbegeisterung nicht verschont

Landlust findet auch in der Stadt ihren Platz!

Zum Schluss: 2006 war die Welt zu Gast bei Freunden, und es wurde ein Sommermärchen. Märchen lassen sich nicht planen. Aber wenn die Welt zu Gast bei Gärtnern ist, dann, bin ich mir sicher, kann eigentlich gar nichts schiefgehen. Mindestens hier auf der IGA wird auch dieser Sommer märchenhaft, das versichere ich Ihnen!

Ich wünsche dem Bezirk, der Stadt, der Region, dass vieles bleiben wird vom frischen Wind der IGA – auch dann, wenn die Blüten im Herbst verblüht sind. Ich wünsche den Besuchern viel Vergnügen: Kommen Sie zahlreich, kommen Sie immer wieder und verwöhnen Sie Ihre Sinne.

Vielen Dank!