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Abendessen anlässlich des offiziellen Besuchs in der Republik Lettland

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält eine Ansprache beim Abendessen, gegeben vom Präsidenten Vējonis, in der Kleinen Gilde in Riga anlässlich des offiziellen Besuchs in Lettland  Riga/Lettland, 23. August 2017 Offizieller Besuch in der Republik Lettland – Ansprache beim Abendessen, gegeben vom Präsidenten Vējonis, in der Kleinen Gilde © Jesco Denzel

Ich freue mich, heute wieder in Riga zu sein, in dieser wunderschönen alten Hansestadt. Danke für den herzlichen Empfang –wieder einmal, darf ich sagen. Denn dies ist mittlerweile mein achter Besuch in Ihrem schönen Land. Sieben Mal war ich als Außenminister bei Ihnen in Lettland – wir haben das extra noch einmal nachzählen lassen – und ein weiteres Mal, ich erinnere mich, auch zu einem ganz privaten Wochenendbesuch mit meiner Frau. Ein bisschen habe ich Land und Leute also kennengelernt über die Jahre, und auch ein bisschen von ihren Hoffnungen und ihren Befürchtungen erfahren.

Dennoch: bei diesem heutigen Besuch ist einiges anders: Zum ersten Mal komme ich in neuer Rolle zu Ihnen, als Bundespräsident. Das bringt natürlich viele Veränderungen mit sich, ganz positive: Zum ersten Mal habe ich Gelegenheit, ihre Stadt etwas näher kennen zu lernen. Zum ersten Mal habe ich eine Stadtführung mitmachen dürfen, zum ersten Mal das Okkupationsmuseum besuchen, zum ersten Mal in die Geschichte der Deutschbalten eintauchen können.

Ich freue mich, dass ich Ihr Land als Bundespräsident noch einmal aus einem etwas anderen Blickwinkel kennenlernen kann, dass mir mehr Zeit bleibt für Begegnungen mit Vertretern aus Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur. Morgen werde ich mit jungen Letten über ihren Umgang mit Sozialen Medien sprechen – ein Thema, dass mir, wie manche von Ihnen wissen, sehr am Herzen liegt. Es ist gut, dass Deutsche und Letten eng zusammenarbeiten, um die Medienkompetenz der Bürger, aber auch die Vielfalt unabhängiger Medien zu fördern.

Heute, am 23. August, steht mein Besuch auch im Zeichen unserer wechselvollen gemeinsamen Geschichte. In meiner Rede in Tallinn habe ich heute Morgen an den Tiefpunkt unserer Beziehungen, an den Molotow-Ribbentrop-Pakt erinnert, aber auch an den "baltischen Weg" in die Freiheit, genau fünfzig Jahre später. Die "Singende Revolution" hat damals unzählige Menschen in Ostdeutschland ermutigt, ebenfalls aufzustehen und ihre Stimme zu erheben.

Als Westdeutscher, der diesen epochalen Moment nur am Fernsehschirm verfolgen konnte, und der die Bilder von damals noch im Kopf hat, will ich Ihnen heute sagen: Ich bewundere den unbeugsamen Freiheitswillen der Letten, und Ihrer baltischen Nachbarn, bis heute. Und ich bin Ihnen dankbar, dass Sie Ihre Freiheitsgeschichte mit eingebracht haben in die Europäische Union.

Heute stehen wir, Letten und Deutsche, im Bewusstsein unserer Geschichte: für Frieden, Freiheit und Demokratie, für die Herrschaft des Rechts und die unveräußerlichen Menschenrechte. Aber wir wissen auch: Bekenntnisse allein reichen nicht aus. Auf solidarisches Handeln kommt es an!

Sie in Lettland können sich auf unsere Solidarität verlassen. Deutschland übernimmt, gemeinsam mit den NATO-Partnern, Verantwortung für die Sicherheit im Ostseeraum. Die von Deutschen geführte Truppe in Rukla, die ich übermorgen besuchen werde, ist dafür nur ein Beispiel. Auf der anderen Seite bin ich dankbar für das solidarische Engagement Ihres Landes bei der Überwindung der europäischen Krise. Dieses Europa ist unsere gemeinsame Zukunft.

Verbunden sind Letten und Deutsche durch eine in Teilen leidvolle Vergangenheit. Für uns ist diese Vergangenheit nicht nur Erinnerung, sondern Verpflichtung – mit Ihnen und an Ihrer Seite für die gemeinsame europäische Zukunft in Frieden und Freiheit zu arbeiten.

Ich bitte Sie nun, mit mir das Glas zu erheben: auf Präsident Vējonis und die Republik Lettland, auf die deutsch-lettische Freundschaft und unsere Zukunft in einem geeinten Europa!