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Abendessen beim Besuch in Litauen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält eine Rede beim Abendessen, gegeben von Präsidentin Dalia Grybauskaitė, im Präsidentenpalast in Vilnius anlässlich des offiziellen Besuchs in Litauen   Vilnius/Litauen, 24. August 2017 Offizieller Besuch in der Republik Litauen – Rede beim Abendessen, gegeben von Präsidentin Dalia Grybauskaitė, im Präsidentenpalast © Jesco Denzel

Ich bin nun schon seit einigen Tagen unterwegs in den baltischen Staaten, und immer wieder geht es ums Singen. Das ist natürlich kein Wunder in Ländern, die weltberühmt sind für ihre Liedkultur und die "Singende Revolution". Aber aufgefordert fühlt man sich als Gast irgendwann schon.

Bevor Sie jetzt das Schlimmste befürchten – ich stamme aus Westfalen, einer Region in Westdeutschland, über deren Bewohner man sagt: "Westfalen singen nicht." Und ich bin fest entschlossen, dieses Klischee jetzt nicht zu entkräften. Sie können sich also alle entspannt zurücklehnen.

Ich freue mich, wieder hier bei Ihnen in Vilnius zu sein, diesmal in neuer Rolle. Es ist ein Besuch bei guten Freunden, und ich danke Ihnen für das herzliche Willkommen.

Meine Reise steht ganz im Zeichen der wechselvollen Geschichte, die unsere Länder verbindet. Und sie fällt in eine Zeit, in der wir erleben, dass unser in Frieden und Freiheit geeintes Europa keine Selbstverständlichkeit ist.

Tomas Venclova, der große Schriftsteller Ihres Landes, hat einmal geschrieben:

"Die Erschaffung unseres Kontinents und unserer Zivilisation war immer Aufgabe, Ungewissheit und Risiko. Ich weiß nicht, ob es einen Ort in Europa gibt, der diese Unabgeschlossenheit besser entspricht als Vilnius."

Hier, in dieser "Stadt in Europa", wird uns die Offenheit der Geschichte ganz besonders bewusst. Und hier wird uns klar: Es ist an uns, die Zukunft der Europäischen Union zu gestalten – durch gemeinsames, verantwortungsvolles Handeln, so wie Sie, Frau Präsidentin, es schon vor Jahren in Ihrer Rede bei der Verleihung des Karlspreises angemahnt haben.

Litauen kann sich auf die Solidarität Deutschlands verlassen. Wir übernehmen Verantwortung für die Sicherheit im Ostseeraum, gemeinsam mit unseren Partnern in der NATO. Dazu gehört unser militärisches Engagement in Rukla, wo wir morgen die von Deutschen geführte Truppe besuchen werden.

Auf der anderen Seite ist aber auch richtig: Verteidigungsbereitschaft schließt den Dialog mit Russland nicht aus. Es ist gut, dass unsere gemeinsame Politik in der NATO auf beiden Säulen ruht.

Im Bewusstsein unserer Geschichte stehen wir, Deutsche und Litauer, heute gemeinsam für Frieden und Sicherheit, Freiheit und Demokratie, für die Herrschaft des Rechts und die unveräußerlichen Menschenrechte. Lassen Sie uns in diesen Zeiten noch enger zusammenarbeiten und gemeinsam für unsere europäischen Werte eintreten.

In diesem Sinne bitte ich Sie nun, mit mir das Glas zu erheben: auf Präsidentin Grybauskaitė und die Republik Litauen, auf die deutsch-litauische Freundschaft und unsere Zukunft in einem geeinten Europa!