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Antrittsbesuch in der Tschechischen Republik

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält eine Rede beim Mittagessen, gegeben vom Präsidenten der Tschechischen Republik, Miloš Zeman, auf der Prager Burg anlässlich seines Antrittsbesuchs in der Tschechischen Republik Prag/Tschechische Republik, 12. September 2017 Antrittsbesuch in der Tschechischen Republik – Rede beim Mittagessen, gegeben vom Präsidenten Miloš Zeman, auf der Prager Burg © Sandra Steins

Es ist mir eine große Freude, heute in meinem neuen Amt als Bundespräsident hier in Prag zu sein. Und es ist alles andere als ein Zufall, dass ich in die "Goldene Stadt" komme, noch bevor die ersten sechs Monate meiner Amtszeit verstrichen sind.

2017 ist ein besonderes Jahr in den deutsch-tschechischen Beziehungen. Wir feiern 25 Jahre Nachbarschaftsvertrag. Und 20 Jahre sind vergangen seit der wegweisenden Deutsch-Tschechischen Erklärung.

Wer sich an die intensiven und auf beiden Seiten auch emotional geführten Debatten um die gemeinsame Erklärung erinnert, der wird noch besser ermessen können, welchen Quantensprung wir seit damals gemacht haben. Es ist uns gelungen, unsere Beziehungen konsequent auf die Zukunft auszurichten, ohne die Lehren unserer wechselvollen Geschichte aus dem Blick zu verlieren. Ich freue mich, Herr Präsident, dass Sie die Bedeutung der Erklärung erst kürzlich erneut öffentlich gewürdigt haben.

Wir sind beide füreinander wichtig. Das sagt sich leicht. Zumal als Nachbarn. Es ist aber in unserer wechselvollen Geschichte alles andere als selbstverständlich. Heute haben unsere Beziehungen ein festes Fundament. Und sie haben engagierte Akteure, die die tägliche Zusammenarbeit mit Leben füllen. Ich freue mich, dass einige von Ihnen heute bei uns sein können. Ihnen allen gilt mein ausdrücklicher Dank. Kluge Politik vermag Hindernisse zu beseitigen, neue Räume zu öffnen. Dass uns das zwischen Tschechien und Deutschland in den letzten Jahren so überzeugend gelungen ist, verdanken wir vor allem dem lebendigen Dialog der Bürgerinnen und Bürger unserer Länder, dem intensiven Austausch in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur – kurz: verdanken wir Ihnen und vielen anderen.

Wir sind füreinander wichtig auch in der Europäischen Union. Ich weiß, dass es hierzulande auch Skeptiker gibt. Aber ich bin überzeugt, dass uns gerade mit Blick auf die Welt von morgen, in der Europa nur gemeinsam seinen Interessen und seinen Werten Gehör verschaffen kann, weit mehr verbindet als uns trennt. Ich bin heute auch hier, weil ich um den Wert des inneren Zusammenhalts weiß, den die Europäische Union jetzt braucht. Weil ich werben möchte dafür, dass wir den wechselseitigen Respekt und die Solidarität weiter pflegen, die unser Europa heute so unendlich viel lebenswerter machen als in den dunkleren Zeiten unserer Geschichte. Die Erwartungen unserer Bürger zu erfüllen in den komplexen Fragen von Sicherheit und wirtschaftlichem Wachstum, im Umgang mit Flucht und Migration, wird nicht einfach sein. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsame Lösungen finden können, wenn wir die Zukunft nicht fürchten, sondern ihr offen begegnen. Es ist an uns, sie zu gestalten. So wie vor 25, so wie vor 20 Jahren.

Ich bitte Sie, mit mir gemeinsam das Glas zu erheben auf unsere gute deutsch-tschechische Nachbarschaft in einer friedlichen, geeinten, starken Europäischen Union.