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Verleihung des Silbernen Lorbeerblattes

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Übergabe des Silbernen Lorbeerblatts an die Medaillengewinnerinnen und -gewinner aus den Gruppen Leichtathletik, Schießen und Tennis der Sommerspiele der Gehörlosen und der World Games 2017 Schloss Bellevue, 13. Oktober 2017 Verleihung des Silbernen Lorbeerblattes an die Medaillengewinnerinnen und -gewinner der Sommerspiele der Gehörlosen (Deaflympics) und der World Games 2017 – Übergabe des Silbernen Lorbeerblatts an die Sportlerinnen und Sportler aus den Gruppen Leichtathletik, Schießen und Tennis © Steffen Kugler

Für mich ist das heute eine Premiere: Zum ersten Mal in meiner Amtszeit darf ich das Silberne Lorbeerblatt verleihen, die höchste Auszeichnung für sportliche Spitzenleistungen hier in unserem Land.

Damit Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben, will ich Ihnen kurz meine persönliche Sportgeschichte erzählen. Ich habe in meiner Jugend Fußball gespielt, in der Kreisklasse des TuS 08 Brakelsiek. Ein Verein, der über die Grenzen meiner lippischen Heimat hinaus jedem bekannt sein dürfte. Im Jahr 1976, das ist im Vereinsarchiv meines Vereins auf Ewigkeiten festgehalten, habe ich ein viel umjubeltes Tor gegen den FC Donop – ebenfalls eine sehr bekannte Fußballmannschaft – geschossen. Es war leider mein einziges Saisontor. Für dauerhaften Jubel reichte das nicht aus – zumal wir das Spiel am Ende auch noch 1:2 verloren haben. Aber erst recht reichte das nicht aus für ein Silbernes Lorbeerblatt, was ich rückblickend natürlich sehr bedauere.

Was mir aber geblieben ist aus dieser Zeit, und das meine ich jetzt ganz ernst, das ist die Begeisterung für Sport. Weiß Gott nicht nur für Fußball, sondern es gibt vieles, was ich auch nach wie vor gerne anschaue. Fußball spielen tue ich inzwischen nicht mehr. Ich quäle mich dafür zweimal die Woche auf dem Laufband, und wenn das mit den abendlichen Essen in diesem Amt so weitergeht, muss es in Zukunft auch drei Mal sein. Inzwischen gehe ich auch Bergsteigen – da werden zwar keine Tore geschossen, aber ich kann Ihnen versichern: Wenn man oben auf dem Gipfel ankommt, dann löst auch das Glücksgefühle und höchste Zufriedenheit aus.

Ich weiß jedenfalls, wie viel Zufriedenheit und wie viel Glück man durch den Sport erfahren darf. Deshalb freue ich mich, Sie hier heute alle miteinander begrüßen zu können. Herzlich willkommen im Schloss Bellevue.

Sie alle sind heute hier weil jeder und jede von Ihnen in diesem Sommer hervorragende sportliche Leistungen erbracht hat. Jede und jeder von Ihnen hat eine Medaille gewonnen bei den Deaflympics in Samsun oder bei den World Games in Breslau. Manche von Ihnen haben sogar mehrere Auszeichnungen mit nach Hause gebracht. Sie alle miteinander können stolz sein auf das, was Sie erreicht haben. Und deshalb vorab für alle meinen ganz herzlichen Glückwunsch!

Insgesamt zwölf Medaillen bei den Deaflympics und allein 18 Goldmedaillen bei den World Games haben Sie für unser Land errungen. Und hinter diesen Zahlen verbergen sich natürlich ganz besondere Erfolgsgeschichten.

Bei den Deaflympics zum Beispiel hat eine junge Schützin überraschend Gold im Luftgewehrschießen geholt. Und eine erfahrene, vielfach ausgezeichnete Läuferin konnte ihre Laufbahn – und dieses Wort passt ganz gut hierher – mit einem Sieg in der Königsdisziplin, dem Marathon, krönen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Spiele stand in Samsun Golf auf dem Programm – eine Innovation, die Deutschland gleich eine Goldmedaille bescherte. Besonders beeindruckt hat mich auch der großartige Erfolg unseres Bowling-Teams, das sich dieses Mal, nach dem zweiten Platz in Sofia, gegen ganz starke Konkurrenz durchsetzen konnte.

Bei den World Games haben manche deutsche Athleten zum wiederholten Mal Gold in ihren Sportarten gewonnen. Man muss es so sagen: Faustball, Kanu-Polo und Ju-Jutsu sind deutsche Paradedisziplinen. Und im Standardtanz wird unser Land seit Jahren sehr elegant auf dem internationalen Parkett vertreten. Und auf unsere Lebensretter und Flossenschwimmer ist ohnehin immer Verlass. Wir haben heute Mittag aber auch einige Pioniere hier: Zum ersten Mal überhaupt werden Sportakrobaten, Speedskater, Squash-Spieler und Wasserski-Fahrer hier im Schloss Bellevue mit dem Silbernen Lorbeerblatt geehrt.

Wenn ich hier einzelne Leistungen und Sportarten hervorhebe, dann tue ich das nur Pars pro Toto. Einzelne, die ich nenne, die wir nennen und auszeichnen, stehen im Grunde genommen für alle. Wir wissen ja auch: Es ist oft nicht die individuelle Leistung allein, die den Erfolg bringt. Die natürlich zuvorderst – aber fast genauso wichtig sind die Unterstützung im Umfeld, das Miteinander und der Teamgeist. Sie sind im Sommer als Mannschaft ans Schwarze Meer und nach Breslau gereist. Und Sie haben sich dort gegenseitig – mit Fahnen, winkend oder geräuschvoll – angefeuert, haben Freude und Enttäuschung miteinander geteilt. Sie waren füreinander da – und das ist im Sport so wichtig, wie es in der gesamten Gesellschaft wichtig ist.

Nicht zuletzt haben Sie in der Türkei und in Polen – in zwei Ländern, die politisch gerade Anlass zu großer Sorge geben – die völkerverständigende Kraft des Sports erlebt, und Sie haben sie gestärkt. Sie haben sich mit den Gastgebern ausgetauscht, sind mit Athleten, Trainern, Betreuern aus aller Welt dort ins Gespräch gekommen. Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit und für Ihre Neugier, für Ihre Fairness und Toleranz, einfach für die vorbildliche Haltung, mit der Sie unser Land in diesen beiden Städten vertreten haben.

Es ist nun schon eine kleine Tradition, behinderte und nichtbehinderte Sportlerinnen und Sportler in einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Silbernen Lorbeerblatt auszuzeichnen. Ich finde, das ist nach wie vor ein wichtiges Zeichen der Inklusion, die auch im Sport voranschreitet und weiter voranschreiten muss.

Gerade im Breitensport, in den Vereinen, sind immer mehr Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam aktiv – auf der Tartanbahn und auf dem Spielfeld, aber auch in den Gremien, wo sie sich ehrenamtlich engagieren. Gehörlose Menschen sind hier oft Vorreiter, und ich bin mir sicher: Sie als Spitzensportler können eine Menge dafür tun, den Gedanken der Inklusion noch weiter in die Gesellschaft hineinzutragen.

Sport bringt uns in Bewegung, er fördert das Kennenlernen, das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung. Das konnte man im Sommer auch hier in Berlin ganz eindrucksvoll erleben, bei der Europameisterschaft im Blindenfußball, die erstmals nicht auf irgendwelchen abgelegenen Plätzen außerhalb, sondern hier mitten drin, im Herzen von Berlin ausgetragen wurde.

Sie alle haben sich im Training und im Wettbewerb außerordentlichen Herausforderungen gestellt. Sie haben sich Ziele gesetzt, haben an sich geglaubt und sind manchmal über sich selbst hinausgewachsen. Sie alle wissen: Erfolg ist ohne Anstrengungen nicht zu haben. Das ist im Sport nicht anders als in Wissenschaft und Kultur, in Wirtschaft und Politik. Ihre Leistungen, davon bin ich überzeugt, können und werden auch andere motivieren, werden bei anderen viele neue Kräfte freisetzen.

Jetzt will ich Sie aber nicht länger auf die Folter spannen, Sie nicht länger auf die Siegerehrung warten lassen: Ich gratuliere Ihnen herzlich zu Ihren Medaillen – und zum Silbernen Lorbeerblatt, das wir Ihnen gleich überreichen dürfen.

Vielen Dank.