Navigation und Service

Staatsbankett in Singapur

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält eine Rede beim Staatsbankett gegeben von Staatspräsidentin Halimah Yacob im Präsidentenpalast anlässlich seines Staatsbesuchs in der Republik Singapur Singapur/Republik Singapur, 2. November 2017 Staatsbesuch in der Republik Singapur – Rede beim Staatsbankett gegeben von Staatspräsidentin Halimah Yacob im Präsidentenpalast © Jesco Denzel

Zwischen unseren beiden Ländern liegen ungefähr 10.000 km – oder gute 12 Flugstunden. Daher entschuldigen Sie bitte den müden Blick des einen oder anderen Tischnachbarn aus der deutschen Delegation – ich bin sicher, anregende Gespräche und die Kunst der singapurischen Küche werden ihnen umgehend neues Leben einhauchen.

Trotz der 10.000 km: Seit ich heute das Flugzeug verlassen habe, spüre ich keine Distanz, sondern Wärme. Das liegt nicht nur an den tropischen Temperaturen. Ich glaube, das liegt auch daran, dass Menschen in unseren beiden Ländern trotz der räumlichen Distanz vieles gemeinsam haben. Über viele dieser Gemeinsamkeiten durfte ich eben an der Singapore Management University sprechen – vom Austausch in Forschung und Wissenschaft, über die Außenpolitik und die regionale Zusammenarbeit zwischen EU und ASEAN, bis hin zum regen zivilgesellschaftlichen Austausch zwischen unseren Ländern. Stellvertretend für viele traf ich gerade eben vor unserem Bankett einige Vertreter der Asia-Europe Foundation (ASEF), die jährlich über 3.000 Asiaten und Europäer zusammenbringt.

Am Ende sind es nicht politische Abkommen oder Finanzinvestitionen, auf denen unsere partnerschaftlichen Beziehungen ruhen – sondern es sind die Menschen. Im Jahr 1953 berichtete der deutsche Generalkonsul, dass er alle in Singapur lebenden Deutschen eingeladen hatte. Was meinen Sie, wie viele es damals waren? Es waren gut 30 Deutsche, die meisten davon Kaufleute. Über 60 Jahre später sind es ein paar mehr geworden: Heute leben in Singapur geschätzt über 8.000 Deutsche.

Natürlich ist es nach wie vor der intensive wirtschaftliche Austausch, der die meisten von ihnen hierher verschlägt, an die Drehscheibe des internationalen Handels. 1.600 deutsche Unternehmen schätzen Singapur als Standort. Das jährliche Warenhandelsvolumen liegt bei gut 12 Milliarden Euro. Seit Jahren ist Singapur Deutschlands wichtigster Handelspartner in ASEAN. Nur 2016 hat der Nachbar Malaysia Sie knapp überholt. Doch wenn wir hoffentlich bald das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Singapur zum Abschluss bringen, wird Singapur schwer einzuholen sein.

Die engen Beziehungen unserer Länder reichen bis an die Anfänge zurück. Am 9. August 1965 erklärte Singapur seine Unabhängigkeit. Noch am selben Tag schrieb ein deutscher Diplomat an den damaligen Außenminister: "Es erscheint geboten, Singapur als selbständigen Staat anzuerkennen und das deutsche Generalkonsulat in eine Botschaft umzuwandeln".

Etwas weiter hinten in seinem Bericht stößt man dann auf folgenden diplomatischen Winkelzug: „Es wäre wohl zweckmäßig, wenn wir […] den U.S.A. bei der Anerkennung Singapurs den Vortritt ließen“. Meine Damen und Herren, Sie sehen: "America first" gab es also schon lange vor dem aktuellen US-Präsidenten.

Singapur hat seither einen beeindruckenden Weg zurückgelegt – geleitet von Vernunft und systematischer Vorausschau und gekrönt von politischem wie wirtschaftlichem Erfolg. Auf dieser Basis von politischer Vernunft und Weitsicht möchten wir – hoffentlich gemeinsam mit den anderen westlichen Partnern – weiter eng mit Singapur zusammenarbeiten.

Abschließend möchte ich unseren Gastgebern herzlich für die Einladung nach Singapur danken. Dass ich Sie, verehrte Präsidentin, gleich zu Beginn Ihrer Amtszeit besuche, unterstreicht, wie eng und wichtig diese Beziehungen sind. Immer stärker lenken wir Deutsche unseren Blick und unsere Energie in Richtung Asien. Der Ausbau der Beziehungen mit Singapur und die gemeinsame Arbeit an einer regelbasierten internationalen und regionalen Ordnung sind uns dabei zentral wichtig.

Ihnen, Frau Staatspräsidentin, gratuliere ich zu Ihrem neuen Amt. In unserem Gespräch heute Nachmittag durfte ich Beeindruckendes aus Ihrem Lebensweg erfahren: über die Entbehrungen früher Jahre und die Stärke, die Sie später daraus gewonnen haben. Sie haben Gerechtigkeit, sozialen Ausgleich und Integration in den Mittelpunkt ihres politischen Wirkens gestellt – und ich habe in unserem Gespräch gespürt, dass Sie ehrgeizige Pläne für Ihr Land haben.

Die Integration unterschiedlicher Ethnien und das Zusammenleben einer Gesellschaft in Vielfalt und Freiheit – das ist entscheidend für Singapur und für Deutschland. Diesem Ziel sind wir verpflichtet! Ich erhebe das Glas auf Sie, Frau Staatspräsidentin, auf die Republik Singapur und auf die Partnerschaft und Freundschaft zwischen unseren Staaten!