Navigation und Service

Mittagessen mit dem Präsidenten der Slowakischen Republik

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält eine Tischrede beim Mittagessen auf Einladung des slowakischen Staatspräsidenten, Andrej Kiska, im Präsidentenpalast in Bratislava anlässlich des Antrittsbesuchs in der Slowakischen Republik  Bratislava/Slowakische Republik , 17. November 2017 Antrittsbesuch in der Slowakischen Republik – Tischrede beim Mittagessen auf Einladung des slowakischen Staatspräsidenten, Andrej Kiska, im Präsidentenpalast © Steffen Kugler

Vor zwei Jahren, noch in meiner Zeit als deutscher Außenminister, las ich in einer unserer Tageszeitungen ein beeindruckendes Interview. Ein Mann, Mitte 50, Elektroingenieur aus der Slowakei, berichtete über seinen Anfang der 1990er Jahre gescheiterten Versuch, in den Vereinigten Staaten Fuß zu fassen. Er hatte sich bei hunderten von Firmen beworben, erfolglos, sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten, in einer winzigen Wohnung mit anderen, Landsleuten und Schicksalsgenossen gelebt und seine Ersparnisse aufgebraucht. Schließlich gab er auf. "Niemand wollte einen Elektroingenieur aus dem ehemaligen Ostblock." Er ging zurück in seine Heimat.

Hier könnte die Erzählung enden. Doch in einem fast beiläufigen Nachsatz erfahren wir, der Mann sei zwar mittellos, aber mit der Lust, sich als Unternehmer zu versuchen, aus den USA zurückgekehrt. Der letzte Satz dieser Kurzbiografie lautete, in Ihren eigenen Worten, Herr Präsident: "In der Heimat war ich dann sehr erfolgreich, habe mich später karitativen Dingen gewidmet und bin heute Präsident. Eine seltsame Karriere."

Verehrter Herr Präsident, lieber Andrej Kiska, ich würde sagen, diese Karriere, Ihre Karriere ist vor allem eine große Lebensleistung. Sie hat keinen simplen Plot und ist auch nicht die soundsovielte Variante der Erzählung, wie es der Tellerwäscher zum Millionär brachte.

In Ihrem Lebenslauf verbinden sich beruflicher und unternehmerischer Erfolg mit Gemeinsinn, mit dem Wunsch etwas zu schaffen, nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere, für Ihr Land. Das ist Ihnen in beeindruckender Weise gelungen.

Für die Beziehung unserer Länder, für die Rolle der Slowakischen Republik in der Europäischen Union hat sich Ihre Präsidentschaft als Glücksfall erwiesen. Wir sind dankbar, für Ihr persönliches Engagement im deutsch-slowakischen Verhältnis und für das Beispiel, das die Slowakische Republik unter Ihrer Präsidentschaft gibt. Wir freuen uns über einen verlässlichen Partner und guten Nachbarn. Und nicht zuletzt haben Deutschland und Europa Grund, Ihnen für Ihre Haltung und Ihre Unterstützung in der Frage der Aufnahme von Flüchtlingen zu danken.

Unternehmer, Philanthrop, Politiker – diese Kombination mag es schon einmal gegeben haben. Ein Präsident aber, der weiß, was es heißt, fremd in einem Land zu sein, ein Staatsmann, dessen menschenfreundliche Haltung sich aus eigener Erfahrung speist – für einen solchen Freund kann man dankbar sein.

Wir sind es. Verehrter Herr Staatspräsident, ich danke Ihnen herzlich für die Einladung.