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Mittagessen mit dem Präsidenten der Republik Korea

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält eine Ansprache beim Mittagessen mit dem Staatspräsidenten der Republik Korea, Moon Jae-in, im Amtssitz des Staatspräsidenten in Seoul Seoul/Korea, 8. Februar 2018 Besuch in Südkorea – Ansprache beim Mittagessen mit dem Staatspräsidenten der Republik Korea, Moon Jae-in © Sandra Steins

Im vergangenen Jahr waren Sie unsere ersten Besucher in Berlin im Schloss Bellevue. Ich freue mich deshalb sehr, auf dieser ersten Ostasienreise in meiner neuen Funktion als Bundespräsident bereits nach wenigen Monaten Ihren Besuch hier in Korea erwidern zu können. Ich freue mich auch, hier unter uns so viele bekannte Gesichter wiederzusehen, die sich in Sport, Musik und Politik für die Beziehungen zwischen Korea und Deutschland in diesen letzten Jahren eingebracht haben.

Gestern Abend waren meine Frau und ich im "Furniture Museum". Ein wunderbarer Einstieg für unseren Besuch in Ihrem Land. Sie konnten nicht wissen, dass wir beide aus Familien kommen, in denen Holz und Möbel eine große Rolle spielen – denn unsere beiden Väter sind und waren Tischler – und deshalb waren wir beide angetan, von der schlichten Ästhetik und zugleich unglaublich hohen handwerklichen Qualität, die wir dort besichtigen durften. Das sind viele und große Zeugnisse der großen koreanischen Kulturtradition.

Bevor wir zu Ihnen ins "Blaue Haus" gekommen sind, haben wir uns heute Morgen den wiederaufgebauten Gyeongbokgung-Palast angesehen. Auch dabei ist uns die großartige Tradition Ihres Volkes noch einmal sehr bewusst geworden – zugleich aber auch die besondere Tragik Ihrer Geschichte im letzten Jahrhundert.

Bei jedem Besuch in Korea werden wir daran erinnert, welches Glück uns mit der Wiedervereinigung in Deutschland zuteilwurde. Im Rückblick auf die eigene Geschichte empfinden wir deshalb ein hohes Maß an Solidarität und Empathie, wenn wir über Frieden und Entspannung auf der koreanischen Halbinsel sprechen. Wir Deutschen wissen, was es heißt, in einem geteilten Land zu leben.

Seien Sie bei Ihren Bemühungen um ein friedliches und versöhntes Korea versichert, dass Sie in uns Deutschen immer ehrliche und uneigennützige Freunde finden werden, die an Ihrer Seite stehen.

Wir stehen an Ihrer Seite, wenn es darum geht, Druck auf Nordkorea zu machen. Und wir erwarten, dass die Weltgemeinschaft zusammensteht und z. B. die im Sicherheitsrat beschlossenen Sanktionen umsetzt. Aber natürlich hoffen wir gleichzeitig mit Ihnen, dass in der augenblicklich bestehenden Bereitschaft Nordkoreas, eine gemeinsame Mannschaft zu den Olympischen Spielen zu entsenden, auch ein Signal steckt: Dass auch nach dem Ende der Olympischen Spiele Gespräche mit Ihnen zur weiteren und dauerhaften Entspannung möglich sein werden.

Die deutsche Geschichte zeigt: Es lohnt sich, auch dann, wenn Wiedervereinigungsfragen morgen und in der nächsten Woche noch nicht auf der Tagesordnung stehen, die Hoffnung zu erhalten und nicht zu vergessen, dass auch im Norden Menschen leben, die ihr Schicksal eines Tages in die eigene Hand nehmen können. Und – bei allen Unterschieden – kann man eine Lehre doch ziehen: Das größte und ehrlichste Interesse an einer friedlichen Wiedervereinigung werden immer die Koreaner selbst haben.

Morgen Abend werden die 23. Olympischen Winterspiele feierlich eröffnet. Spiele, die in der altgriechischen Tradition immer schon mit der Idee des Olympischen Friedens verbunden waren. Und gerade hier in Korea mag uns der Gedanke an den Olympischen Frieden neue Hoffnung geben. Ihrem Team und allen Koreanern, die an diesen Spielen teilnehmen, wünsche ich Erfolg und uns allen friedliche Spiele.

Meine Damen und Herren, ich bitte Sie nun: Erheben Sie gemeinsam mit mir das Glas auf Präsident Moon, auf Sie, Frau Kim, und auf eine glückliche Zukunft der tiefen Freundschaft und Verbundenheit zwischen unseren Ländern.