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Präsentation einer Büste des Bundespräsidenten a. D. Christian Wulff

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Enthüllung der Büste von Bundespräsident a. D. Christian Wulff durch den Künstler Bertrand Freiesleben im Foyer des Bundespräsidialamtes Bundespräsidialamt, 22. Februar 2018 Präsentation einer Büste von Bundespräsident a. D. Christian Wulff – Enthüllung der Büste durch den Künstler Bertrand Freiesleben © Jesco Denzel

Herzlich willkommen im Bundespräsidialamt Ihnen allen – und ganz besonders natürlich Ihnen, lieber Christian Wulff, auch im Namen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die hier versammelt stehen. Herzlich willkommen zurück im Bundespräsidialamt!

Über der Enthüllung eines Kunstwerks liegt immer eine gewisse Spannung. Das gilt umso mehr bei einer Büste. Welcher Stil wurde gewählt? Ist sie künstlerisch gelungen? Und vor allem: Erkennen wir die Person auch hoffentlich wieder?

Diese Spannung ist heute etwas geringer, denn dies ist im Schaffen von Bertrand Freiesleben nicht die erste Büste eines Bundespräsidenten. Das Portrait von Horst Köhler steht schon hier in der Reihe. Auch Walter Scheel, Richard von Weizsäcker und Roman Herzog saßen bei Bertrand Freiesleben Modell, wenngleich diese Büsten nicht im Bundespräsidialamt stehen. Insofern haben Sie, Herr Wulff, völlig zu Recht gesagt: Diesem Künstler kann man den Kopf des Bundespräsidenten getrost anvertrauen, auch wenn der Kopf danach ein Nischendasein fristen muss. Aber damit geht es Ihnen an dieser Wand wie sämtlichen Ihrer Amtsvorgänger – und den Nachfolgern vermutlich auch.

Sehr wohl gespannt sind die meisten von uns vermutlich auf den Ausdruck, den der Bildhauer gewählt hat – den Moment, den er eingefangen und verewigt hat. Dieser Moment ist wichtig. Bei jeder Büste geht es darum, ich zitiere den Künstler, "dass es einzelne Menschen sind, die Dinge bewegen. Dass sie etwas treibt, weshalb sie etwas machen."

Sie, Herr Bundespräsident Wulff, sind jemand, der die Dinge bewegen wollte und bewegt hat!

Sie haben unser Land politisch mitgeprägt, auf allen Ebenen unserer Demokratie: im Stadtrat von Osnabrück, im Landtag von Hannover, als Ministerpräsident Niedersachsens. Und als zehnter Bundespräsident der "bunten Republik Deutschland", wie Sie es in Ihrer Antrittsrede formulierten. Es war eine Zeit, so erinnerten Sie sich beim Großen Zapfenstreich zu Ihrem Abschied, mit "Höhen und Tiefen […], aber vor allem war es eine Erfahrung, dass es wichtig und letztlich erfüllend ist, sich politisch zu engagieren." Mit diesem Satz haben Sie zum Abschied einen Appell für das Politische hinterlassen – und ich finde: Heute, in diesen Zeiten von politischer Verunsicherung, von schwindender Bindekraft der Volksparteien und auch von wachsender Demokratieverachtung, müssen wir diesen Appell neu und mit offenen Ohren anhören und ernst nehmen.

Anders als eine Büste, die in Stein gehauen oder aus Bronze gegossen wird, verharrt ein politisches Leben nicht im Augenblick. Doch es gibt Worte, Taten und Haltungen, die haben weit über eine politische Karriere hinaus Bestand.

Sie, Herr Bundespräsident Wulff, haben Integration und gesellschaftliches Miteinander in den Mittelpunkt Ihrer Amtszeit gestellt. Früh haben Sie zentrale Aufgaben für unser Land umrissen, und das schon lange bevor die große Fluchtbewegung der vergangenen Jahre die Integrationsfähigkeit unseres Landes auf allen staatlichen und gesellschaftlichen Ebenen auf die Probe gestellt hat. Sie haben mit Ihren Botschaften zur Integration einen Anspruch an uns selbst formuliert, der Deutschland und auch dem Amt des Bundespräsidenten geblieben ist.

Zu gelungener Integration, so beschreiben Sie es, gehören Offenheit und Haltung – Offenheit für das Neue, das Dynamische, das unserem Land gut tut, und zugleich Haltung und Orientierung an der Rechts- und Freiheitsordnung, die in Deutschland unverrückbar ist und bleiben muss. Auch gegen Widerstände hatten Sie den Mut, Deutsche aller Religionen und Konfessionen anzusprechen, einzubinden und für gelungenes Zusammenleben in die Pflicht zu nehmen. Auch deshalb sagten damals viele Mitbürgerinnen und Mitbürger muslimischen Glaubens, vielleicht zum ersten Mal: Das ist auch unser Bundespräsident.

Das respektvolle Zusammenleben der Religionen und Konfessionen blieb ein zentrales Anliegen Ihrer Amtszeit. Und damit meine ich nicht nur, dass Sie als Katholik die Phalanx der Protestanten im Amt des Bundespräsidenten zumindest unterbrochen haben. Sondern auch im Ausland haben Sie es zum Thema gemacht. Bei Ihrem fünftägigen Staatsbesuch in der Türkei haben Sie sich für die Glaubensfreiheit der Christen ausgesprochen und Sie haben gemeinsam mit Ihrem Amtskollegen Abdullah Gül an Brücken zwischen unseren Ländern gebaut, die hoffentlich eines Tages auch wieder tragen können. Und Ihr Engagement geht weiter, auch seit Sie das "a. D." im Titel tragen – ich denke insbesondere an Ihren Vorsitz der "Deutschlandstiftung Integration".

Herr Bundespräsident, Herr Freiesleben, ich freue mich jetzt auf den wichtigsten Teil dieses Vormittags – die Enthüllung der Büste, das Ergebnis Ihrer künstlerischen, aber – wie ich gehört habe – durchaus auch persönlichen Begegnung. Aus Großburgwedel wurde mir berichtet: Auf der Terrasse saß der eine Modell und der andere modellierte den Ton, während die Kinder der beiden, des Bundespräsidenten und des Künstlers, im Garten gemeinsam Fußball spielten. Zum Glück haben Sockel und Büste das unbeschadet überstanden, so dass wir jetzt zum entscheidenden Moment der heutigen kleinen Zeremonie kommen.

Ich bitte Sie, sehr geehrter Herr Bundespräsident Wulff, und Sie, sehr geehrter Herr Freiesleben, zu mir nach vorne, und ich bitte den Künstler, sein Werk zu enthüllen.

Vielen Dank.