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Abendessen mit dem Staatspräsidenten der Portugiesischen Republik

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält eine Rede beim Abendessen gegeben vom Präsidenten im Palácio Nacional de Ajuda in Lissabon anlässlich des offiziellen Besuchs in der Portugiesischen Republik  Lissabon/Portugal, 1. März 2018 Offizieller Besuch in der Portugiesischen Republik – Rede beim Abendessen gegeben vom Präsidenten im Palácio Nacional de Ajuda © Steffen Kugler

Kaum einen Tag bin ich in Portugal, und schon fühle ich mich fast wie zuhause. Dass Sie mich gleich nach meiner Wahl zum Bundespräsidenten vor einem Jahr eingeladen haben, dass Sie mich heute Morgen so herzlich und ehrenvoll empfangen haben, dass Sie uns auf eine Trambahnfahrt mit der legendären Linie 28 durch Ihre wunderbare Hauptstadt mitgenommen haben, und schließlich auch, dass wir uns schon morgen wiedersehen und gemeinsam Porto besuchen werden – all das empfinde ich als ganz besondere Gesten der Verbundenheit zwischen unseren Ländern. Dafür will ich Ihnen, verehrter Herr Staatspräsident, herzlich und persönlich "danke" sagen!

Ich bin bei weitem nicht der einzige Deutsche, der die portugiesische Gastfreundschaft zu schätzen weiß. Wir Deutschen sind gern hier – ich denke an meine vielen Landsleute, die sich hier niederlassen, auch an die große und weiter wachsende Zahl von Touristen und Studierenden, oder an die Firmen aus Deutschland, die nach wie vor kräftig in den Standort Portugal investieren. Mich selbst hat es schon in meiner Zeit als Außenminister gepackt – und umso mehr freue ich mich, heute wieder hier zu sein.

Ein wenig habe ich über die Jahre von Land und Leuten also mitbekommen, und auch von ihren Hoffnungen und Sorgen erfahren. Sehr beeindruckt hat mich die wirtschaftliche Erholung, die Portugal in den vergangenen Jahren gelungen ist. Viele Skeptiker haben Ihr Land in der Krise und der Zeit danach nicht nur auf der Europakarte ganz links unten gesehen, sondern auch bei Wachstumsprognosen und in politischen Einschätzungen. Diesen Skeptikern haben Sie getrotzt – und nun schon über lange Zeit einen reformerischen und pragmatischen Geist gezeigt, der wirklich beispielhaft ist. Und jetzt ernten Sie zu Recht die Früchte ihrer Anstrengungen – Anstrengungen, die zum Teil sehr schmerzhaft waren.

Eines hat mich dabei ganz besonders beeindruckt: Ihr unverbrüchliches Bekenntnis zu Europa. Mir scheint, als seien Portugiesen und Deutsche sich hier sehr ähnlich – Europäer in einem gemeinsamen, wertebasierten Projekt. Wir arbeiten, streiten und solidarisieren uns weiter für Europa: von der Aufnahme von Flüchtlingen über den Schutz unserer Außengrenzen bis zur Stabilität unserer Währung – das jetzt auch mit Ihrem Finanzminister, Mário Centeno, als neuem Vorsitzenden der Eurogruppe. In Europa ziehen unsere beiden Länder an einem Strang.

Deutschland engagiert sich ebenso wie Portugal aus Überzeugung für das Projekt der europäischen Integration. Diese Überzeugung verbindet uns. Wir hoffen, dass wir den Schwung, der derzeit aus Paris kommt, bald auch in Berlin aufnehmen können. Im gerade ausgehandelten Koalitionsvertrag jedenfalls wird ausdrücklich erklärt, dass nur eine starke Europäische Union der Garant für eine Zukunft in Frieden, Sicherheit und Wohlstand sein kann. Die Portugiesen haben sich Demokratie, Freiheit und Weltoffenheit vor gar nicht allzu langer Zeit selbst erstritten. Sie wissen daher, vielleicht besser als andere, um die hohe Bedeutung dieser Werte – und Sie stehen für diese Werte auch im vereinten Europa ein. Darin haben Sie uns Deutsche an Ihrer Seite.

In bin fasziniert davon, wie sehr Ihr Land die europäische Geschichte atmet und gleichzeitig immer wieder den Aufbruch zu neuen Ufern wagt. Schon vor mehr als 500 Jahren schlossen sich deutsche Ritter und Seeleute den wagemutigen Portugiesen bei ihren Entdeckungsfahrten an. Auch heute nehme ich hier in Lissabon – um mit Fernando Pessoa zu sprechen – eine produktive Unruhe wahr. Es sind gerade die vielen jungen Menschen, die innovativen Start-ups, die Digitalpioniere, die Kulturschaffenden und Technologietüftler, kurz: die Entdecker von heute, die hier in Lissabon neue Horizonte für Europa eröffnen und uns damit allen Anlass geben, das ohnehin schon sehr positive Bild der Portugiesischen Republik einem weiteren "update" zu unterziehen.

Wir Deutschen bewundern Portugal als Land der Entdecker und Brückenbauer, im Kleinen wie im Großen. Die Wahl von António Guterres zum Generalsekretär der Vereinten Nationen etwa spiegelt die internationale Anerkennung der portugiesischen Fähigkeit wider, fortwährend neue Verbindungen herzustellen – nach Amerika, nach Afrika und nach Asien. Ich denke aber auch an die vielen Portugiesen, die in der Vergangenheit ihr Schicksal selbst in die Hand genommen haben und nun ihr Glück in anderen Teilen der Welt suchen – darunter nicht zuletzt unsere vielen portugiesischen Gäste und Mitbürger zuhause in Deutschland. Auch sie stehen für die sehr guten Beziehungen zwischen unseren beiden Staaten.

Um diese besondere Verbindung zu feiern, bitte ich Sie nun, mit mir das Glas zu erheben: auf unseren Gastgeber, Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa, und die Portugiesische Republik, auf die deutsch-portugiesische Freundschaft und auf unsere gemeinsame Zukunft in Europa. Saude!