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Eröffnung des 30. Internationalen Africa Festivals

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält eine Ansprache bei der Eröffnung des 30. Internationalen Africa Festivals in Würzburg Würzburg, 31. Mai 2018 Eröffnung des 30. Internationalen Africa Festivals – Ansprache auf dem Festivalgelände © Guido Bergmann

Ich weiß nicht, Herr Oschmann, ob Sie vor dreißig Jahren geahnt hätten, vielleicht nicht einmal gewollt, dass die politischen Repräsentanten von Stadt, Land und Bund zu einem Ihrer Geburtstage kommen. Wenn die Präsidentin des Landtages hier ist, ein Staatsminister, ein Oberbürgermeister und der Bundespräsident! Was könnte deutlicher belegen, dass hier in Würzburg beim Africa Festival Großartiges geleistet worden ist. Dafür wollen wir Danke sagen. Hier lebt etwas, das an Bedeutung weit über die Liebhaber afrikanischer Musik hinausgeht und das es wirklich verdient, gefeiert zu werden. Deshalb zu diesem schönen Jubiläum gleich am Anfang das Allerwichtigste:

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Glückwunsch zu 30 Jahren Musik aus Afrika in Würzburg!

Wenn wir zurückdenken an die Anfänge im Jahr 1989 – es war ein Jahr, da wurde viel Geschichte geschrieben: Montagsdemonstrationen, Mauerfall, wichtige Schritte zur Deutschen Einheit. Aber im Schatten all dessen, da wurde auch in Würzburg durch ein Großereignis eine neue Geschichte angefangen – eine Geschichte, die mit dem ersten Africa Festival begann – von dem vermutlich damals noch niemand ahnen konnte, welche wunderbare, Grenzen und Kontinente überschreitende Karriere dieses Festival machen würde.

Was damals mit ein paar hundert Besuchern anfing, das ist heute ganz dick angestrichen im Jahreskalender der afrikanischen Musik – und das weit über Franken, weit über Bayern, weit über Deutschland hinaus. Vor genau zehn Jahren war ich schon einmal hier und durfte das Festival eröffnen – damals noch allein und als Außenminister, heute als Präsident und in Begleitung meiner Frau, die sich genauso freut dabei zu sein wie ich.

Und wir alle wissen: Inzwischen, nach dreißig Jahren, kommen jedes Jahr mehrere zehntausend Gäste hierher, aus allen Ecken des Landes, aus ganz Europa und natürlich viele Menschen aus Afrika. Wenn ich mir anschaue, wer in diesen letzten dreißig Jahren schon im großen Zirkuszelt aufgetreten ist – Miriam Makeba, Angelique Kidjo, Manu Dibango, heute die großartige Sona Jobarteh –, dann ist mir um die Zukunft dieser schönen Tradition wirklich nicht bange. "Traue keinem über 30", hat man früher gesagt, aber Ihnen und Ihrem Team traue ich noch ganz viel zu, gerade auch in den nächsten dreißig Jahren.

Liebe Frau Berg, Sie haben einmal gesagt: Afrikanische Musik ist "Herzschlagmusik", die alle Menschen gleichermaßen anspricht. Das ist in jeder Hinsicht treffend. Wer allerdings mal bei einem Konzert mit Highlife-Musik in Afrika dabei gewesen ist, der weiß: Die Musik geht nicht nur ans Herz, sondern auch in die Beine. Da bleibt keiner still auf dem Platz sitzen. Das ist Musik – wenn ich an George Darko, Charles Amoah oder K. Frimpong denke –, das ist Musik, die in jeder Hinsicht mitreißt. Nicht nur, aber auch deshalb bin ich gern wiedergekommen.

Aber natürlich kam ich schon vor zehn Jahren nicht allein wegen der Musik zum Festival. Schon damals ging es mir auch darum, endlich für ein aufgeklärtes Afrikabild in Deutschland zu werben. Immer noch ist bei vielen Deutschen Afrika der dunkle Kontinent, der Kontinent der Krisen und Konflikte. Die gibt es – ja. Aber vor allem ist Afrika immer ganz anders – ganz anders als wir denken und von unglaublicher Vielfalt: das eine Afrika, das gibt es nicht.

Auch Armut und Not gibt es, ja, zu viel davon. Aber es gibt vor allem auch die jungen Menschen in Afrika – voller Neugier, Zuversicht und mit dem Willen, ihre eigenen Länder voranzubringen. Länder mit ihrem großen Reichtum an Kultur, den wir hier viel zu selten sehen und erst recht nicht genügend ernst nehmen.

Meine erste Afrikareise in diesem neuen Amt hat mich letzten Dezember nach Ghana und nach Gambia geführt. Es war ein Besuch bei alten und bei neuen Freunden. Bei Freunden jedenfalls, die viele Werte mit Deutschland teilen, und die sich für dieselben Ideale einsetzen wie wir:

Es war auch eine Reise zu den Hoffnungen und Erwartungen der Menschen dort. Es waren junge Menschen, die ihre Zukunft in ihrem Land in die eigene Hand nehmen wollen – und ich finde: Wir müssen unser Bestes tun, um ihnen dabei zu helfen! Das sind wir diesen Menschen schuldig. Es kann der Welt nicht gut gehen, wenn es Afrika dauerhaft schlecht geht. Ganz besonders freue mich deshalb darüber, Sie heute hier wiederzusehen, liebe Sona Jobarteh.

Ich bin Ihnen erst vor wenigen Monaten in Banjul begegnet, der Hauptstadt von Gambia – und zwar nicht irgendwann, sondern zu einem Zeitpunkt, als die Menschen dort nach zwanzig Jahren die Herrschaft eines brutalen Diktators auf friedliche Weise beendeten. Ich durfte Sona Jobarteh dabei zuhören, wie sie Kora gespielt hat und damit ihre Liebe zu Gambia und seinen tiefen kulturellen Wurzeln zum Klingen brachte.

Hoffnung spendet Sona aber nicht nur mit ihrer Musik, sondern sie ist ganz aktiv unterwegs, um jungen Menschen eine helfende Hand zu reichen. Sie hat eine Schule gegründet, versteckt in einer Seitenstraße von Banjul, an der die Bildung von Kindern und Jugendlichen durch Tanz und Musik gefördert wird – eine Schule, die sie in Erinnerung an ihren Vater geschaffen hat. Es ist ein Ort, der die nächste Generation zu Selbstbewusstsein und Leidenschaft ermutigt. Der Besuch dort war einer der schönsten und bewegendsten Momente meiner Reise in diese beiden Länder.

Lieber Herr Oschmann, liebes Festival-Team: Das, was Sie hier mit der Unterstützung vieler helfender Hände Jahr für Jahr organisieren, das ist ein starkes, ein wunderschönes Zeichen der Verständigung und Verbundenheit zwischen Deutschland und dem afrikanischen Kontinent. Sie unterstreichen damit das, wofür auch die vielen Menschen in unserem Land stehen, die ihre eigenen Wurzeln in afrikanische Länder zurückverfolgen können.

Wer hier über das Gelände mit den Bühnen und den Ständen am Main läuft, der kann es buchstäblich spüren: Die so vielfältige afrikanische Musik strahlt nicht nur Lebensfreude aus, sie baut auch Brücken und stiftet neue Freundschaften zwischen den Menschen. Wir brauchen mehr internationalen Austausch, nicht weniger. Und wir brauchen mehr Begegnungen innerhalb unserer eigenen Gesellschaft und zwischen den Gesellschaften, nicht weniger. Das Africa Festival ist ein Ort dafür – ein Fest der Begegnung, der Partnerschaft und des Austausches.

Jetzt möchte ich noch einmal herzlich Danke sagen für die Einladung nach Würzburg. Ich freue mich auf die Begegnung mit Ihnen und auf den Austausch, und ich wünsche Ihnen eine zauberhafte Zeit mit der afrikanischen Musik.

Und jetzt der Satz, auf den Sie alle gewartet haben: Das 30. Internationale Africa Festival ist hiermit eröffnet!