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Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler beim Konzert "Bellevue unplugged" im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Kulturelle Wiedereröffnung von Schloss Bellevue"

Juli spielt auf der in grünes Licht getauchten Bühne Berlin, 22. März 2006 Foto: Guido Bergmann © Foto: Guido Bergmann

"Ein bisschen beben darf das Schloss schon"

Ein guter Popsong kann in drei Minuten eine ganze Geschichte erzählen. Eine Begrüßung zu einem Pop-Konzert sollte darum auch nicht viel länger dauern.

Ich freue mich, dass Sie alle hier sind. Das Schloss Bellevue ist fast zwanzig Monate lang renoviert worden. Nun wollen wir es wieder in Betrieb nehmen - und zwar mit einer Reihe von kulturellen Ereignissen. Am letzten Mittwoch gab es einen Kabarettabend, am letzten Sonntag eine Matinee mit Lyrik und Kammermusik und heute Abend "Bellevue unplugged", das bedeutet: deutsche Pop- und Rockmusik.

Gehört die hierher, ins Schloss Bellevue? Soll der Bundespräsident zu so einem Konzert einladen?

Auch wenn das heutige Konzert hier in diesen preußischen Räumen etwas außergewöhnlich erscheint: Ich finde es selbstverständlich. Zu den vielen Formen der Kultur in Deutschland gehört die deutsche Rock- und Popmusik längst. Die Debatten, ob man überhaupt auf Deutsch Rockmusik machen kann, sind schon lange verstummt. Vor ein paar Tagen konnte ich Wolfgang Niedecken zum dreißigjährigen Jubiläum von BAP beglückwünschen. Das ist nur ein Beispiel für eine lange, erfolgreiche Karriere mit deutscher Rockmusik, auch wenn BAP nicht gerade für hochdeutsche Texte steht.

Ganz lange dabei ist auch einer der heute auftretenden Künstler, nämlich "Stoppok" aus dem Ruhrgebiet, also Westdeutschland, wie man in Berlin sagt.

Aus dem Osten Deutschlands kommen "Keimzeit", die ebenfalls schon lange auf der Bühne sind - und ich freue mich, dass wir sie heute hier haben.

Und dann gibt es natürlich immer wieder neue Gruppen, die mit Witz und Intelligenz, mit neuen Ideen und Stimmungen Texte und Musik machen, die einen Nerv treffen und deswegen Erfolg haben.

Heute ist "Mariannenplatz" da, eine neue Gruppe aus Kreuzberg, die nicht nur hier in Berlin berühmt ist.

Und schließlich - in ganz Deutschland bekannt, spätestens seit der "perfekten Welle": "Juli".

Dass auch deutsche Rock-Musik unter die Leute kommt, dafür sorgen immer noch einige gute Radiosender, wie zum Beispiel "Eins live", "N-joy", "Radio Jump" oder "Radio Fritz", Sender die nicht bloß die zwanzig Mainstream-Hits auf- und abspielen. Dazu gehört auch "Radio Eins" und zwei seiner Moderatoren führen heute durchs Programm: Robert Skuppin und Volker Wieprecht.

Liebe Gäste, ich freue mich, dass Sie alle meiner Einladung gefolgt sind. Viele von Ihnen engagieren sich für andere, viele sind in Initiativen und Projekten aktiv, viele setzen sich außerhalb von Schule, Studium oder Beruf für etwas ein, das ihnen am Herzen liegt. So ge-stalten Sie unser Land mit und so bewirken Sie viel Gutes in unserer Gesellschaft. Nehmen Sie diese Einladung, dieses Konzert als einen Dank für das an, was Sie tun.

Musik gibt es heute in allen denkbaren Medien. CD-Spieler, I-Pod, Internet, Radio, Fernsehen, auf dem Handy - überall und jederzeit ist Musik verfügbar. Ich finde aber, am besten ist immer noch ein Live-Konzert. In großen Hallen und Stadien, am besten vielleicht aber immer noch in einem Club, wo man ganz nah dran ist an den Musikern - und wo sich zeigen kann, wie gut sie wirklich sind.

Da wir in diesen klassischen Räumen nicht richtig aufdrehen können - denn wir wollen ja, dass das Schloss auch morgen noch steht - gibt es jetzt "Bellevue unplugged", also ein Club-Konzert der besonderen Art.

Ich freue mich darauf - und ein bisschen beben darf das Schloss schon!

Uns allen viel Spaß und einen tollen Abend!