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Tischrede von Bundespräsident Horst Köhler beim Staatsbankett, gegeben vom Präsidenten der Republik Madagaskar, Herrn Marc Ravalomanana, und Frau Lalao Ravalomanana in Antananarivo

Der Bundespräsident und der madagassische Präsident nach der Ordensverleihung. Antananarivo, 6. April 2006 Foto: Bernd Kühler © Foto: Bernd Kühler

Ich möchte Ihnen, Herr Präsident, auch im Namen meiner Frau und meiner gesamten Delegation, ganz herzlich für die große Gastfreundschaft danken, mit der Sie uns empfangen haben. Wir spüren: Wir sind zu Gast bei Freunden.

Mit meinem Besuch erwidere ich Ihren Besuch bei uns in Deutschland im Januar 2003. Ich freue mich darüber, dass sich die deutsch-madagassischen Beziehungen in den vergangenen Jahren gut entwickelt haben.

Herr Präsident, wie Sie wissen, habe ich Madagaskar als geschäftsführender Direktor des IWFvor drei Jahren besucht, und wir haben damals ein gutes erstes Gespräch geführt. Ich freue mich darüber, dass wir das jetzt fortsetzen können, und ich bin natürlich sehr neugierig darauf zu erfahren und auch selbst zu sehen, wie sich Ihr Land weiter entwickelt hat.

Unsere Beziehungen beruhen heute nicht nur auf den guten Kontakten, die die staatlichen Organe unterhalten. Das Engagement von Kirchen, Vereinen, Schulen und Privatleuten - dies vor allem trägt dazu bei, dass unsere Beziehungen so lebendig sind.

Lassen Sie mich als ein Beispiel von vielen das Engagement eines jungen Deutschen herausgreifen: Stefan Büschelberger hat gesehen, dass viele Kinder und Jugendliche, in deren Heimatorten es keine Schule gibt, von weit her nach Miarinarivo kommen, um die Schule zu besuchen - und dann kein zu Hause haben. Stefan Büschelberger und seine madagassische Frau haben deshalb damit begonnen, diesen Kindern eine Heimstatt zu geben, damit sie nicht auf der Straße leben müssen.

Beide leisten einen kleinen aber wichtigen Beitrag dazu, der jungen Generation eine Chance auf eine bessere Zukunft zu eröffnen. Madagaskar ist ein junges Land: Fast die Hälfte seiner Bevölkerung ist unter 20 Jahre alt. Diese jungen Menschen müssen sich an etwas orientieren können, sie brauchen eine Zukunftsperspektive.Bildung und Ausbildung müssen verbessert werden.

Ich begrüße daher die Initiative von Professor Schmidt-Trenz, dem Präses der Handelskammer Hamburg, der gemeinsam mit den Kammern in Madagaskar und der Hamburger ZEIT-Stiftung ein Ausbildungsprojekt für Holz- und Metallarbeiter auf den Weg gebracht hat. Der Vizepräses der Handelskammer Hamburg, Dr. Michael Otto, begleitet mich auf dieser Reise, und gemeinsam werden wir uns morgen über den Stand des Projekts informieren. Ich freue mich auf das Gespräch mit den Jugendlichen und den Ausbildern - ebenso wie auf das Projekt der Friedrich-Ebert-Stiftung, das sich auf die Aus- und Fortbildung junger Führungskräfte konzentriert.

Madagaskar gilt als der "sechste Kontinent": Nirgendwo mit Ausnahme Australien trifft man auf so viele Arten, die es nur in einem Land und nirgendwo sonst auf unserem Planeten gibt. Diese Ausnahmestellung Madagaskars ist eine besondere Verantwortung für uns alle, denn was in Madagaskar verloren geht - das geht für die Menschheit verloren.

Heute sind der Schutz von Umwelt und Natur in der madagassischen Verfassung verankert. Sie, Herr Präsident, haben ihn zur "Priorität der Prioritäten" erklärt. Dafür sind wir alle Ihnen dankbar. Und die Regierungen unserer beiden Länder haben diesen Gedanken aufgenommen und den Erhalt der Umwelt zu einem Schwerpunkt ihrer Zusammenarbeit gemacht.

Es ist gut, dass sich auch Nichtregierungsorganisationen in diese Arbeit einbringen, zum Beispiel der "World WideFund ForNature", WWF. Ich freue mich deshalb sehr darüber, dass gerade auch der Präsident von WWF Deutschland mich auf dieser Reise begleitet.Herr Professor Drenkhahn, ich möchte Ihnen und Ihren Mitarbeitern ganz herzlich für Ihr großes Engagement über viele Jahre hinweg danken.

Abholzung und Erosion gefährden den Reisanbau und damit die Existenzgrundlage der Bauern in Madagaskar. Umwelt- und Naturschutz einerseits und Landwirtschaft andererseits schließen sich also nicht aus, wie vielfach zu hören ist, sondern sie bedingen einander. Davon müssen wir die Menschen überzeugen, wenn wir wirklich etwas für die Umwelt tun wollen. Ich hoffe, dass wir übermorgen in Ankaranfantsika einen Eindruck davon gewinnen werden, wie dies gelingen kann.

Zugleich gilt: Wer in Not und Armut lebt, kann oft keine Rücksicht auf die Natur nehmen, um zu überleben. Wer Umwelt und Natur schützen will, muss deshalb vor allem die Armut bekämpfen. Madagaskar hat sich das Ziel gesetzt, die Armut innerhalb von zehn Jahren zu halbieren. Deutschland will dazu beitragen.

Ich möchte Sie nun bitten, mit mir das Glas zu erheben und einen Toast auszubringen auf die Gesundheit von Staatspräsident Ravalomanana und seiner Frau, auf das Wohl des madagassischen Volkes und auf die Freundschaft zwischen Madagaskar und Deutschland.