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Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler anlässlich der Eröffnung der Ausstellung zum Deutschen Zukunftspreis im Deutschen Museum München

Bundespräsident Horst Köhler steht vor einer grauen Wand mit der Aufschrift "Deutscher Zukunftspreis - Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation" München, 19. Dezember 2006 Foto: Bernd Kühler, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) © Foto: Bernd Kühler, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

Vor vier Wochen konnte ich in Berlin den zehnten Deutschen Zukunftspreis überreichen.

Heute gibt es nun das passende Jubiläumsgeschenk für den Preis, für seine Träger, für seine Förderer und Unterstützer: eine eigene Dauerausstellung! Eine Schau, die die Ziele des Zukunftspreises und die ausgezeichneten Projekte präsentiert - und das alles an einem Ort, dessen voller Name gleichzeitig auch das Programm unserer Ausstellung sein könnte: im "Deutschen Museum von Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik". Denn Meisterwerke sind die mit dem Deutschen Zukunftspreis prämierten oder für ihn nominierten Projekte allesamt - und entsprechend werden sie auch hier im Deutschen Museum inszeniert.

Zukunft im Museum - ist das nicht ein Widerspruch? Haben wir schon abgeschlossen mit der Zukunft, ehe sie überhaupt begonnen hat? Mancher von Ihnen kennt vielleicht die spöttische Bemerkung des amerikanischen Publizisten Thomas Friedman, Europa sei für ihn ein lebendes Museum: schön anzuschauen, aber irgendwie von gestern - ein Kontinent, der sich im Bestaunen der Lorbeeren der Vergangenheit ergeht, während andere Regionen der Welt im Aufbruch zu neuen
Ufern sind.

Für Friedman ist die Welt des 21. Jahrhunderts, die Welt der Globalisierung, "flach". Er sieht sie als Utopie der universellen Chancengleichheit, an der alle Menschen ohne Unterschiede teilhaben können. In dieser Welt der Entgrenzung steht alles auf dem Prüfstand. Natürlich provoziert Friedman. Unterschiede wird es immer in der Welt geben und tatsächlich sehe ich eher noch zu viele Chancenungleichheiten - bei uns und in der Welt. Doch ignorieren sollten wir solche Visionen besser nicht.

Der Deutsche Zukunftspreis und die Ausstellung hier im Deutschen Museum machen Mut: In Deutschland gibt es hervorragende Wissenschaft, gibt es Ideen, die nicht nur gedacht, sondern auch umgesetzt werden in Produkte und Verfahren, die das Leben der Menschen verbessern. Solche Ideen sind es, die uns auch und gerade in der "flachen Welt" der Globalisierung Arbeit und Einkommen sichern.

In fünf Tagen ist Weihnachten. Auf manchem Gabentisch wird dann auch ein Stück Deutscher Zukunftspreis liegen: Über den MP3-Player, den schicken Flachbildschirm oder über den neuen Computer werden sich nicht nur die Beschenkten freuen, sondern auch drei Träger des Deutschen Zukunftspreises. Warum - das werden Sie, liebe Gäste, verstehen, wenn Sie die Ausstellung besichtigen. Und natürlich werden Sie auch Inhalt und Wirkung der anderen sieben bislang ausgezeichneten Projekte kennen lernen.

Und Sie werden den Menschen hinter diesen Innovationen begegnen - Menschen, die beeindrucken durch ihre Kreativität, ihren Mut, ihre Hartnäckigkeit. Menschen, die auf ihren Gebieten Pioniere der Zukunft sind - ähnlich wie die Pioniere der Luftfahrt, denen in dieser Halle ein Denkmal gesetzt ist. Die Ausstellung zum Deutschen Zukunftspreis ist deswegen auch so etwas wie das moderne Pendant zum "Ehrensaal" des Deutschen Museums. Viele von Ihnen werden ihn kennen, diesen schönen Raum mit den Büsten und Porträts der großen Forscher und Entwickler. Eine Büste im Ehrensaal wird wohl ab heute gelegentlich ein wenig ruckeln: der Geist des großen Physikers und Optikers Ernst Abbe muss sich damit abfinden, dass in der neuen Dauerausstellung Prof. Dr. Stephan Hell geehrt wird: Ihm habe ich den zehnten Deutschen Zukunftspreis für die Überwindung der Abbeschen Beugungsgrenze überreicht. Und wenn ich gleich in die für Professor Hell reservierte Vitrine das Objektiv für das Modell seiner revolutionären Lichtmikroskopie lege, dann ist die neue Ausstellung komplett - jedenfalls vorläufig, denn selbstverständlich wird sie fortlaufend aktualisiert werden.

Rund 1,4 Millionen Besucher kommen jährlich ins Deutsche Museum - darunter über ein Drittel Schüler und Studierende. Das Deutsche Museum ist das naturwissenschaftlich-technische Gedächtnis unseres Landes. Und gleichzeitig prägt ein Besuch im Museum das Gedächtnis: Viele von Ihnen, meine Damen und Herren, werden sich noch an Ihren ersten Besuch hier auf der Münchner Museumsinsel erinnern: an das Bergwerk, an die Blitze und Dämpfe in der Starkstromhalle oder an die Fluggeräte. Mancher von Ihnen hat hier vielleicht sogar entschieden: Ich werde Ingenieur, ich studiere Pharmazie, ich will den Nobelpreis für Physik, ich werde Astronaut.

Und eigentlich ist das auch künftig die wichtigste Aufgabe des Deutschen Museums: junge Menschen für Naturwissenschaft und Technik zu begeistern. Denn wir wissen: Gerade auf diesen Gebieten brauchen wir mehr Nachwuchs. Deshalb dürfen wir uns zum Beispiel auch nicht damit abfinden, dass die Studierendenzahlen bei den Ingenieurwissenschaften wieder rückläufig sind.

Und deshalb muss uns allen auch das Deutsche Museum und seine Zukunft wichtig sein. Ich freue mich, dass sich Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft zur "Zukunftsinitiative Deutsches Museum" zusammengeschlossen haben; einige von Ihnen sind auch heute Abend hier. Ich danke Ihnen für dieses Engagement und wünsche mir, dass noch viele andere dazu stoßen werden.

Wir können etwas tun für eine gute Zukunft der Menschen in Deutschland. Daran erinnern uns das Deutsche Museum und die Ausstellung zum Deutschen Zukunftspreis. Eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Museum, dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und dem Bundespräsidialamt hat die neue Dauerausstellung möglich gemacht. Danken möchte ich Ihren Mitarbeitern, Herr Professor Heckl, - dem Team um Herrn Dr. Hauser und Frau Dr. Gerber; danken möchte ich der unermüdlichen Frau Dr. Pudenz vom Büro Deutscher Zukunftspreis und dem immer einfallsreichen Gestalter der Ausstellung, Christoph Held. Danken möchte ich den Preisträgern, die sich mit Ideen, Exponaten und finanziellen Mitteln an der Präsentation ihrer Meisterwerke beteiligt haben. Danken möchte ich den Firmen, die das auch zeitlich ehrgeizige Projekt mit ermöglicht haben. Und danken möchte ich vor allem den Förderern dieser Ausstellung - die Deutsche Telekom Stiftung, die Heinz Nixdorf Stiftung, die Robert Bosch GmbH und die Siemens AG sind nicht nur reguläre Förderer des Deutschen Zukunftspreises wie sechs weitere Unternehmen und Stiftungen, sondern haben es mit einem großzügigen zusätzlichen Beitrag ermöglicht, dass der Deutsche Zukunftspreis nun auch im Deutschen Museum strahlen wird.

Das wollen wir heute feiern - ich wünsche uns einen schönen Abend.

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