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Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler anlässlich des Benefizkonzertes in der Berliner Philharmonie

Bundespräsident Köhler steht vor den Berliner Philharmonikern auf einem Podest und applaudiert Berlin, 2. Februar 2007 Foto: Guido Bergmann, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) © Foto: Guido Bergmann, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

Ich begrüße Sie herzlich zum Benefizkonzert des Bundespräsidenten hier in Berlin.

Auf dem Programm des heutigen Abends steht Joseph Haydns Werk "Die Schöpfung". Haydn ist ein Komponist, den ich schon von Berufs wegen oft - und auch sehr gerne - höre, wie eben zum Beispiel. Haydn hat bekanntlich die Melodie unserer Nationalhymne 1797 geschrieben. Zur selben Zeit entstand auch sein großes Oratorium "Die Schöpfung". Ich finde es faszinierend, dass Haydn in einer Zeit, da ganz Europa von den Ideen der Französischen Revolution bewegt und von den Kanonen Napoleons erschüttert wurde, solche Musik geschaffen hat. Es gehörten Mut und Gottvertrauen dazu, in einer Epoche, die von vielen als Krise, ja als Zusammenbruch erlebt und empfunden wurde, ein Loblied auf die Schöpfung und ihre gute Ordnung anzustimmen.

Ich freue mich, dieses Werk nun mit Ihnen erleben zu dürfen. Ganz besonders freue ich mich darüber, dass Sie, lieber Herr von Weizsäcker, in unserer Mitte sind. Sie haben die Benefizkonzerte des Bundespräsidenten 1988 begründet und damit eine überaus erfolg- und segensreiche Tradition gestiftet.

Eine Veränderung hat die Konzertreihe inzwischen allerdings erfahren: Im vergangenen Jahr ist das Benefizkonzert des Bundespräsidenten, das bis dahin stets in Berlin ausgerichtet wurde, erstmals auf Reisen gegangen. Es findet nun zweimal in jedem Jahr statt - und zwar nacheinander in allen Bundesländern. Den Auftakt haben Baden-Württemberg und Bayern gemacht. Heute nun setzt sich die Reihe - streng nach Alphabet - in Berlin fort.

Ich bin froh darüber, dass Sie, verehrte Damen und Herren, dem Benefizkonzert des Bundespräsidenten in Berlin die Treue gehalten haben, dass Sie die Tradition der Benefizkonzerte mit mir gemeinsam pflegen.

Nach einem bekannten Horaz-Wort hat die Kunst zwei Aufgaben: "Delectare et prodesse" - Vergnügen bereiten und nützlich sein. Ich bin mir gewiss, dass dieses Konzert uns erfreuen wird. Und es stiftet über unseren Kreis hinaus Gutes, denn sein Erlös kommt der Arbeit des Bundesverbandes Deutscher Tafeln e.V. und der Berliner Tafel e.V. zugute.

In einem Nachrichtenmagazin aus Hamburg war zu lesen, die Tafeln seien "die größte soziale Bewegung der 90er Jahre". Das glaube ich gerne. Auch mich überzeugt der Tafelgedanke. Bedürftige werden unterstützt und Lebensmittel, die keine Käufer finden, werden nicht vernichtet, sondern an die Menschen verteilt, die sie dringend brauchen.

Der Tafelgedanke hat nicht nur mich überzeugt, sondern auch etwa 25.000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer in unserem Land. Mit ihrem Einsatz haben sie dazu beigetragen, dass aus einer guten Idee eine breite Bewegung geworden ist. Durch ihre Arbeit unterstützen sie Menschen, die sich vieles nicht leisten können, was für die meisten von uns selbstverständlich ist. Und sie lenken unseren Blick darauf, dass es in unserer Gesellschaft Armut gibt, aber auch viele Wege zur Hilfe und zur Solidarität.

Ich danke allen ganz herzlich, die an der Entwicklung und Verwirklichung des Tafelgedankens beteiligt waren, und allen, die diese Idee durch ihr Engagement Tag für Tag mit Leben erfüllen.

Und ich danke allen, die diesen Abend möglich machen:

Sir Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern, die ihr großartiges musikalisches Können in den Dienst dieser guten Sache stellen,

den Solisten und dem Rundfunkchor Berlin, die uns mit ihrem Gesang erfreuen werden,

der Berliner Philharmonie, die sich wieder einmal als gastliches Haus erweist,

dem Grand Hyatt Berlin, das den Empfang nach dem Konzert unterstützt und

Ihnen, liebe Gäste, die für dieses Konzert mehr gezahlt haben, als Sie es an einem anderen Abend tun müssten.

Freuen wir uns gemeinsam auf große Musik und auf gute Gespräche nachher beim anschließenden Empfang.