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Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler bei der Abschlussveranstaltung des Deutschen Musikfestes 2007

Zwei Musiker in bayerischer Tracht mit Blechblasinstrumenten und Hut mit Gamsbart Würzburg, 20. Mai 2007 Foto: Guido Bergmann, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) © Foto: Guido Bergmann, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

Liebe Musikanten, liebe Freunde der Orchestermusik,

ich freue mich sehr darüber, heute hier bei Ihnen zu sein! Das wollte ich mir auf keinen Fall nehmen lassen. Auch wenn ich gleich hier von Würzburg aus nach Asien reisen muss. Zuerst wollte ich noch zu Ihnen kommen!

Das Deutsche Musikfest, das ist eine Veranstaltung, die das Kommen lohnt. Und wenn ich mich hier so umschaue, sehe ich: Ich stehe nicht alleine mit dieser Meinung! Ich freue mich, dass wir so viele sind und dass Sie alle da sind!

Das Deutsche Musikfest zeigt unübersehbar, wie viele Menschen die Musik mobilisiert. Viele von Ihnen haben sich schon als Kinder mit großer Begeisterung den Musikumzügen angeschlossen, die bei Festen und Feiern durch die Straßen ziehen. Sie haben sich schon damals buchstäblich von der Musik mitziehen und mitreißen lassen. Und nicht wenige haben sich diese Begeisterung für Musik bewahrt und musizieren heute selber. Das ist eine schöne Gabe.

Uns Menschen tut Musik gut. Und Musik braucht Musikanten und nicht bloß "Tonträger". Wie schön ist es doch, in einem Konzert oder bei einer Veranstaltung wie dem Deutschen Musikfest live zu erleben, welche Freude Musik macht - den Musikern und uns Zuhörern.

Warum ist uns Menschen die Musik, das Singen und Musizieren, so wichtig? Ich glaube, es liegt am Wesen der Musik selbst. Sie spricht den ganzen Menschen an: seine Gefühle und seinen Intellekt. Sie bringt alle menschlichen Empfindungen zum Ausdruck: Freude und Stolz, Liebe und Glück, Angst und Schmerz, Trauer und Hoffnung. Wie viele von uns verbinden ein ganz bestimmtes Musikstück, ein Lied, eine Melodie mit einem wichtigen Ereignis aus dem eigenen Leben! Und wenn wir dieses Lied dann wieder hören, dann sind auch die Gedanken und Gefühle wieder da, die wir damals erlebt haben. Sir Simon Rattle, der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, hatte wohl auch das im Sinn, als er gesagt hat: Musik ist kein Luxus, sondern ein Grundbedürfnis. Ich glaube das auch. Ich kann mir ein Leben ohne Musik gar nicht vorstellen.

Darum ist es so wichtig, die Freude an der Musik und am Musizieren auch zu pflegen und zu fördern. Da geht es um die Unterstützung von Künstlern - also auch von Musikanten und Musikern - und da geht es auch um die Unterstützung der zahlreichen Vereine und Vereinigungen, die sich dem Musikleben verschrieben haben. Durch ihre Vielzahl und ihre Vielfalt prägen sie das reiche und bunte kulturelle Leben in unserem Land entscheidend mit. Und sie bewahren das kulturelle Erbe unseres Landes. Wie viele Lieder, wie viele alte und neuere Melodien wären schon in Vergessenheit geraten, gäbe es die Gesangvereine, gäbe es die Musikvereine nicht?

Ich bin zum Deutschen Musikfest 2007 auch deshalb gekommen, um diesen Vereinen und vor allem den Frauen und Männern, die die Vereine mit ihrer Arbeit und mit ihrem Engagement tragen, meinen Respekt und meine Anerkennung zu bezeugen. Sie machen sich verdient um unser Land. Danke dafür!

Neulich war in einer Zeitschrift für Kulturpolitik unter der Überschrift "Kultur und Alter" zu lesen: "Eine Angst geht um in der Deutschen Gesellschaft; es ist die Angst vor den Auswirkungen der demografischen Entwicklung." Im Vordergrund standen da die Sorge um die Überalterung des Kulturpublikums und die Sorge um den Nachwuchs.

Umso mehr freue ich mich darüber, dass es zumindest hier bei Ihnen, bei den versammelten Spielmannszügen und Musikvereinen, eine solche Überalterung nicht gibt. Wenn ich mich hier so umschaue und die vielen jungen Leute sehe, dann glaube ich gern, was der Ausrichter dieser Veranstaltung ermittelt hat: dass nämlich über die Hälfte der Aktiven hier jünger als 26 Jahre sind. Das ist toll. Das ist Zukunft.

Diese Zahl zeigt, wie lebendig die Freude am Musizieren auch in der jüngeren Generation ist. Und sie wirft ein gutes Licht auf die Arbeit, die in den einzelnen Vereinen geleistet wird. Ihre Arbeit ist unverzichtbar für das kulturelle Leben und für die Pflege unseres kulturellen Erbes in Deutschland. Sie ist auch deshalb unverzichtbar, weil die Arbeit in den Vereinen Gemeinschaft stiftet. Sie bringt Alt und Jung zusammen, Einheimische und Zugezogene, Handwerker und Akademiker, Menschen mit und ohne Arbeitsplatz. Und alle, die da mit Pauken und Trompeten zusammenwirken, haben etwas Gutes gemeinsam und sie halten zusammen.

Liebe Musikanten, liebe Musiker: Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Freude am Musizieren. Und uns anderen, uns - wenn ich so sagen darf - "Profiteuren" Ihres Musizierens, wünsche ich viel Freude an der Musik.

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