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Tischrede von Bundespräsident Horst Köhler beim Staatsbankett, gegeben vom Präsidenten der Republik Bulgarien und von Frau Parvanova

Bundespräsident Köhler vor einem Wappen Sofia, Bulgarien, 3. Juli 2007 Foto: Guido Bergmann, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) © Foto: Guido Bergmann, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

Meine Frau und ich danken Ihnen herzlich für Ihre freundlichen Worte und Ihre Gastfreundschaft. Es ist mir eine Ehre, Ihr Land sechs Monate nach dem Beitritt zur Europäischen Union zu besuchen. Wie ich Ihnen schon in Berlin sagte: wir freuen uns mit Ihnen!

Herr Präsident, wir haben uns schon dreimal getroffen: Nach meiner Wahl zum Bundespräsidenten 2004 waren Sie das erste ausländische Staatsoberhaupt, das ich empfangen konnte. Damals nahmen Sie an der Eröffnung der Ausstellung "Die Thraker. Das goldene Reich des Orpheus" teil, die uns Deutschen die reiche Kultur der ersten Siedler auf dem Gebiet des heutigen Bulgariens nahe gebracht hat.

Im März dieses Jahres war es mir eine besondere Freude, Sie und Ihre Frau als Vertreter Ihres Landes bei den Feierlichkeiten aus Anlass von fünfzig Jahren Römische Verträge willkommen zu heißen.

Bulgarien und Deutschland haben eine lange gemeinsame Geschichte, geprägt von regem kulturellem und wirtschaftlichem Austausch. Unsere Beziehungen sind eng, vertrauensvoll und problemlos. Bis heute sind die deutschen Universitäten beliebtes Anlaufziel für bulgarische Studierende. Deutschland ist mit Abstand das meist gewählte Studienziel im Ausland: aktuell sind es 12.000 Studentinnen und Studenten. Damit ist diese Gruppe die zweitgrößte ausländische Studentenschaft in meinem Land. Das schafft Verständnis füreinander und Verbindungen. Beides brauchen wir für die weitere Stärkung Europas.

Die Bedeutung der direkten Begegnung der Menschen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden für ein gutes europäisches Miteinander. Und deshalb wünsche ich mir auch, dass möglichst viele Deutsche Ihr schönes Land kennen lernen.

Bulgarien hat beachtliche erfolgreiche Anstrengungen unternommen, um den Beitritt zur Europäischen Union am 1. Januar dieses Jahres zu schaffen. Der schwierige Transformationsprozess hat den Bulgaren auch Opfer abverlangt und tut es teilweise noch heute. Ich habe großen Respekt vor den Leistungen, die die Bürgerinnen und Bürger Bulgariens in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten vollbracht haben. Und ich gratuliere Bulgarien zu diesem schönen Erfolg.

Aber wir alle wissen, dass noch viel zu tun bleibt. Es scheint mir wichtig, dem Thema Rechtsstaatlichkeit mit dem besonderen Schwerpunkt der Bekämpfung der organisierten Kriminalität und der Korruption auch auf hoher Ebene besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Das fördert das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in den Rechtsstaat und ist auch gut für ein langfristig günstiges Investitionsklima.

Ich wünsche Politik und Gesellschaft in Bulgarien die notwendige Kraft und Entschlossenheit, den Rechtsstaat weiter zu festigen. Der Europäische Rat in der vorletzten Woche war ein Zeichen dafür, dass Europa seinen Stillstand überwinden kann. Die Voraussetzungen sind geschaffen, damit das politische Projekt Europa wieder Richtung und neue Dynamik gewinnen kann. Bulgarien hat daran konstruktiv mitgewirkt. Dafür danke ich Ihnen.

Herr Präsident, als wir uns zu Beginn dieses Jahres in Berlin trafen, war auch ein weiteres ernstes Thema Gegenstand unserer Gespräche:
Sie wissen, wie sehr es der deutschen Präsidentschaft am Herzen lag, endlich die Freilassung der in Libyen zum Tode verurteilten Krankenschwestern zu erreichen. Das ist bislang noch nicht gelungen. Bulgarien kann sich weiter auf die Solidarität Deutschlands und der Europäischen Union verlassen. Wir wollen gemeinsam alles daran setzen, dass die Krankenschwestern und der Arzt freikommen.

Bulgarien gehört zu den ältesten Staatswesen Europas, mit einer Geschichte, die weit in die Antike zurück reicht. Im Archäologischen Museum, in das ich morgen zu einem Empfang einladen werde, kann man das frühe kulturelle Erbe erleben. Die Zeugnisse des antiken, des mittelalterlichen und des wiedererwachten Bulgarien kennen zu lernen, habe ich mir für morgen in Plovdiv vorgenommen. Aber Bulgarien bereichert die Europäische Union auch mit seiner einzigartigen Natur, die in den großen Naturparks besonderen Schutz erfährt.

Immer mehr Menschen aus meinem Land entdecken die landschaftliche Schönheit und die historischen Schätze Bulgariens. Heute leben mehrere Tausend meiner Landsleute in Bulgarien. Sie sind dankbar für die Gastfreundschaft und Herzlichkeit, die sie in Ihrem Land erfahren. Deutschland seinerseits wird bereichert durch bulgarische Wissenschaftler und Unternehmer und auch durch Künstler aus Bulgarien: Fünf Millionen Besucher waren 1995 in Berlin, um den von Ihrem Landsmann Christo und seiner Frau Jeanne-Claude verhüllten Reichstag zu sehen. Diese poetische und gleichzeitig politisch so bedeutsame Verwandlung unseres Parlamentssitzes und das heitere Fest, das die Besucher dieses Kunstwerks zu seinen Füßen feierten, sind vielen Deutschen noch in guter Erinnerung.

Meine Damen und Herren, bitte erheben Sie mit mir das Glas. Ich wünsche Ihnen Herr Präsident, sehr verehrte Frau Parvanova und Ihrer Familie persönliches Wohlergehen, dem bulgarischen Volk eine glückliche Zukunft und unseren beiden Völkern Freundschaft und eine gute Zusammenarbeit in Europa.