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3. Konferenz "Partnerschaft mit Afrika" - Eröffnungsansprache von Bundespräsident Horst Köhler im Konferenzzentrum Kloster Eberbach

Bundespräsident Horst Köhler im Mantel am Rednerpult Eltville, 3. November 2007 Foto: Steffen Kugler, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) © Foto: Steffen Kugler, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

Ich freue mich, dass wir uns heute an einem so besonderen Ort auf das dritte Afrika-Forum einstimmen können. Ein Ort, der in seiner Geschichte viele Wandlungen durchlebt hat, der uns an die Vergangenheit erinnert, der aber auch dazu einlädt, seinen Raum mit neuen Inhalten zu füllen. Wie sich das anhören kann, das wurde uns gerade auf wunderbare Weise vorgeführt. Ihr, liebe Schülerinnen und Schüler der Gutenberg-Realschule aus Eltville, habt uns gezeigt, welche Kraft und wie viel Neues aus der Auseinandersetzung mit Kulturen und Traditionen der Menschen in anderen Ländern und Kontinenten erwachsen können.

Dieses voneinander Lernen und die wechselseitige Inspiration in der Musik ist ein gutes Bild dafür, was wir mit dem Afrika Forum erreichen wollen. Denn trotz wachsender internationaler Verflechtung wissen wir alle noch viel zu wenig voneinander. Wir wissen nicht, wie die Menschen in anderen Teilen der Welt mit den Herausforderungen umgehen, mit denen wir heute alle auf diesem Planeten täglich konfrontiert sind. Herausforderungen, die auch dadurch entstehen, dass sich die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Lebensbereiche immer tiefer durchdringen. Hierfür hat sich weltweit der Begriff Globalisierung eingebürgert. Doch wie die Menschen in den verschiedenen Ländern die Globalisierung sehen, wie sie ihre Ursachen und Folgen bewerten, das wollen wir besprechen. Dabei halte ich es fast für wichtiger, Fragen zu formulieren, als schon alle Antworten zu geben. Haben wir zum Beispiel schon hinreichend begriffen, dass die Deutschen wie die Völker Afrikas Teil einer Weltgesellschaft sind, deren Schicksal in wichtigen Teilen miteinander verbunden ist? Wie steht die Globalisierung im Verhältnis zu Vorstellungen einer nationalen oder regionalen Identität? Und immer wieder: was heißt eigentlich Partnerschaft? Ich finde, es muss in jedem Fall mehr bedeuten, als eine ritualisierte politische Formel.

Wir haben diese Fragen ganz bewusst ins Zentrum unseres dritten Afrika Forums gestellt. Denn ich bin überzeugt: Wir können die Globalisierung nur dann zum Wohle aller gestalten, wenn wir in einer gleichberechtigten Partnerschaft zusammenarbeiten. Das Zeitalter der Einseitigkeit ist vorbei. Keine Regierung wird mehr das Wohl ihres Volkes dauerhaft mehren können, ohne Rücksicht auf die anderen zu nehmen. Wir müssen einen fairen Interessenausgleich zwischen Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern erreichen. Wir brauchen eine Entwicklungspolitik für den ganzen Planeten.

Wir wollen uns in den nächsten Tagen mit drei Themen beschäftigen, an denen sich die Erfahrungen mit der Globalisierung besonders deutlich zeigen. Kommen wir Menschen eigentlich ohne Traditionen aus? Gibt es Werte, die uns alle verbinden? Was braucht eine Gemeinschaft, um in der Modernisierung bestehen zu können? Welche Institutionen sind unerlässlich, damit es den Menschen gelingen kann, in ihrer Heimat ein lohnenswertes Leben für sich und ihre Kinder aufzubauen? Afrika kennt Mobilität aus bitterer Not. Und die, die vor der Not zu Hause fliehen, lösen bei uns oft Ängste aus: Wie wollen wir damit umgehen?

Lassen Sie uns die kommenden beiden Tage nutzen, um unsere Erfahrungen auszutauschen und um gemeinsam Ideen für eine gerechtere Gestaltung der Globalisierung zu entwickeln.

Bevor wir gleich in den Konferenzraum gehen, freuen wir uns zur Einstimmung auf unsere Konferenz jetzt auf weitere Kostproben des Chores unter der Leitung von Frau Kandels, die diese Stücke mit den Schülerinnen und Schülern extra zum Forum einstudiert hat. Dafür nochmals meinen herzlichen Dank.