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Auszüge aus der Abschlusserklärung von Bundespräsident Horst Köhler zur 3. Konferenz

Afrikanische Teilnehmer während der Konferenz. Eltville, Rheingau, 4. November 2007 Foto: Steffen Kugler, BPA © Foto: Steffen Kugler, BPA

"Partnerschaft mit Afrika"

Heute geht das dritte Afrika-Forum zu Ende. Beim ersten Forum auf dem Petersberg vor zwei Jahren ging es um das gegenseitige Vertrauen. Beim zweiten Forum in Ghana ging es um den Dialog der Generationen. Und jetzt, beim dritten Forum in Eberbach, haben wir festgestellt, dass wir in vielerlei Hinsicht mit vergleichbaren Herausforderungen konfrontiert sind, dass wir ähnliche Fragen stellen und auch bei den Antworten manchmal gar nicht so weit auseinander liegen. Besonders ist aber deutlich geworden, dass wir viele Fragen nur gemeinsam beantworten können.

Afrika und Europa stehen beide vor den Herausforderungen der Globalisierung. Veränderung bringt Unsicherheit. Afrika erwartet, dass dies in Europa nicht zu einer verstärkten Binnenschau führt. Offenheit und Anpassungsfähigkeit sind für Afrikaner wie Deutsche wichtige Voraussetzungen, um die Chancen der Globalisierung zu nutzen.

Die Gespräche haben gezeigt: Afrika schaut nach vorne. Die afrikanischen Teilnehmer sprachen viel mehr über die Chancen der Zukunft als über Hypotheken der Vergangenheit. Das schließt eine kritische Selbstreflexion nicht aus. Die Afrikaner wissen um ihre eigene Verantwortung und nehmen sie an.

Ich habe in der Diskussion ein selbstbewusstes Afrika erlebt, das nicht nur um seinen Ressourcenreichtum weiß, sondern auch um seine kulturelle Kraft. Das neue Afrika kennt seine Werte und seinen Wert. Darauf sollten sich Europa und die ganze Welt einstellen.

In Deutschland wie in Afrika muss ständig nach einem gesunden Gleichgewicht zwischen Tradition und Moderne gesucht werden. Wenn ich mich hier im Raume umsehe, habe ich viele Menschen vor mir, die sich ihrer lokalen Wurzel sehr bewusst sind und gleichzeitig global denken und handeln. Ich bin sicher: Afrika wird seine eigene Moderne finden.

Es gibt für die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas auch Hindernisse: Die Reichtümer des Kontinents kommen seiner Bevölkerung immer noch nicht genug zu Gute. Zusätzlich erschwerend kommen hinzu: Mangelnde Bildung, mangelnde Verlässlichkeit staatlicher Strukturen, fehlende Infrastruktur und "Brain Drain". Auch diese Probleme haben wir beim Forum besprochen.

Die Diskussion hat offenbart, dass die Afrikaner offensichtlich übereinander selbst relativ wenig wissen. Auch ist das Potential des innerafrikanischen Handels für die Entwicklung Afrikas noch lange nicht ausgeschöpft. Wir haben von den Afrikanern gehört, dass sie in der Zusammenarbeit mit China überwiegend Vorteile sehen.

Zu den Hindernissen für die Entwicklung Afrikas gehört leider auch, dass die Politik der Industrieländer zu wenig auf wirksame Hilfe zur Selbsthilfe angelegt ist. Mangelnde finanzielle Unterstützung ist zwar nicht das Hauptproblem bei der erfolgreichen Bekämpfung der Armut. Die gemachten Zusagen müssen aber eingehalten werden.

Es wurde offen auch über Hürden auf dem Weg zu einer guten Partnerschaft gesprochen: Doppelmoral des Nordens bei der Handelspolitik, bei Migrationsfragen, Fischereiverträgen und der Verwertung von Bodenschätzen. Afrika war immer Objekt expansiver Ideen anderer. Wir im Norden müssen jetzt umdenken, und dürfen nicht untätig zusehen, bis sich die Krisen in einigen Ländern Afrikas noch weiter zuspitzen.

Gerade in der globalisierten Welt muss gelten: Fairness und Gleichberechtigung im Umgang miteinander sind unerlässlich. Ich war beeindruckt, dass viele Teilnehmer immer wieder auf vergleichbare Forderungen etwa nach Rechtsstaatlichkeit, Toleranz und Respekt gekommen sind. Dies zeigt uns, dass wir gemeinsame Werte haben.

Die Teilnahme von Künstlern und Kulturschaffenden aus Afrika und Deutschland hat unsere Diskussion bereichert. Sie hat neue Sichtweisen eröffnet.

Wir sind vertrauensvoll miteinander umgegangen. Alle Teilnehmer, ob Präsident oder Young Leader, ob Regisseur oder König, haben nicht nur offen miteinander gesprochen, sondern sich auch aufmerksam zugehört.

Ich habe den Eindruck, dass wir mit unserem Forum auf einem guten Weg zu einer Lerngemeinschaft sind. Wir werden die Diskussion fortsetzen.

Fotos von der Konferenz finden Sie in derBildergalerie.