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Alle für Eine Welt - Eine Welt für alle - Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler bei der Preisverleihung im Schulwettbewerb zur Entwicklungspolitik

Bundespräsident Horst Köhler auf der Bühne Berlin, 2. Juni 2008 Foto: Steffen Kugler, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) © Foto: Steffen Kugler, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

Liebe Schülerinnen und Schüler, Frau Ministerin, meine Damen und Herren, der Schulwettbewerb zur Entwicklungspolitik feiert in diesem Jahr ein kleines Jubiläum: Vor fünf Jahren startete er zum ersten Mal. Heute werden wieder die Sieger geehrt, und ich freue mich auf die Begegnung mit Euch und mit Ihnen. Ich freue mich besonders, weil wir uns ja heute mit einem wichtigen Thema beschäftigen: Wir leben ineinerWelt. Ob wir im Norden oder Süden wohnen, ob in reichen oder armen Ländern: unsere Schicksale sind miteinander verwoben, auf Dauer kann keiner von uns auf Kosten der anderen sein Glück machen. Darum kann es uns nicht gleichgültig sein, was in anderen Teilen der Welt geschieht und wie es den Menschen dort geht. Wir müssen vielmehr versuchen, das Zusammenleben in diesereinenWelt im Dialog und gemeinsam zu gestalten. Wir brauchen deshalb eine Entwicklungspolitik für den ganzen Planeten. Es sind nicht nur die sogenannten "Entwicklungsländer", die sich weiter entwickeln müssen - auch wir in Deutschland, in Europa, in den Vereinigten Staaten von Amerika, in den reichen Ländern also, müssen dazulernen und bereit sein, uns zu verändern und neue Wege zu gehen: zum Beispiel bei der Frage, wie wir durch veränderte Lebens- und Konsumgewohnheiten den tropischen Regenwald besser schützen können oder wie wir politisch erreichen, dass die Einnahmen aus Rohstoffen, etwa aus Rohöl, für die nachhaltige Armutsbekämpfung in den Ländern eingesetzt werden, wo dieses Öl produziert wird - zum Beispiel in Afrika. Wir erreichen durchgreifende Verbesserungen vor allem dann, wenn wir unseren Blick fürs Ganze und für die vielen wichtigen Zusammenhänge schärfen, die sich oft nutzen lassen, um für alle Beteiligten etwas Gutes zu erreichen statt nur für manche von ihnen. Um solche Zusammenhänge entdecken und nutzen zu können, ist zuallererst Bildung wichtig. Bildung vermittelt nicht nur das Wissen und Können, um in der Welt zu bestehen. Bildung hilft zugleich jedem und jeder von uns, die Welt und die Mitmenschen besser zu verstehen. Und beides - Wissen übereinander und Verständnis füreinander - brauchen wir zum Handeln miteinander. Darum gehören überall auf der Welt gute Schulbildung und gute Entwicklung eng zusammen.

Solche Bildung ist nicht in einem Schulfach allein angesiedelt; sie geht viele Fächer an. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Schulen in Deutschland die Unterstützung erhalten und die Möglichkeiten nutzen, Euch Kinder und Jugendliche noch umfassender als bisher auf Themen vorzubereiten, die alle Menschen betreffen - fachübergreifend und gemeinsam mit Partnern außerhalb der Schule, zum Beispiel mit Pfadfindern, zum Beispiel mit Eine-Welt-Gruppen in Kirchengemeinden oder mit Umweltschutzinitiativen, und zum Beispiel auch mit Unternehmen, die in anderen Teilen der Welt Geschäfte machen.

Die Einstellung gegenüber Menschen aus fremden Ländern formt sich bei den meisten von uns schon im Kindesalter. Ich freue mich deshalb besonders darüber, dass auch diesmal wieder Grundschülerinnen und Grundschüler mit eindrucksvollen Beiträgen am Wettbewerb teilgenommen haben. Die pädagogische Herausforderung, die der Wettbewerb birgt, ist aber für die Lehrerinnen und Lehrer in allen Jahrgangsstufen anspruchsvoll: Es geht darum, das Verständnis für fremde Lebenswelten anschaulich zu vermitteln und Nähe und Ferne in ihren Wechselwirkungen begreiflich zu machen. Wie das im Unterricht gelingen kann, dafür gibt es zwar - wie bei unserem Wettbewerb - Anregungen und methodische Hinweise, aber es gibt kein Patentrezept. Ich kann mir auch vorstellen, wie viel Arbeit allein die Betreuung des Wettbewerbs macht, all das Organisieren und Abstimmen und Mutmachen. Auch dafür sage ich allen Lehrerinnen und Lehrern ein besonders herzliches Dankeschön.

Und Euch, liebe Schülerinnen und Schüler, danke ich dafür, dass Ihr mitgemacht habt. Ich bin gespannt auf die Vorstellungen und Vorschläge, die Ihr zum Zusammenleben in unserereinenWelt habt. Ich freue mich darauf, und ich wünsche uns allen eine schöne Wettbewerbsfeier.

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