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Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler beim Finale des Bundeswettbewerbs "Jugend debattiert"

Der Bundespräsident am Rednerpult Berlin, 15. Juni 2008 Foto: Sandra Steins, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) © Foto: Sandra Steins, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

Liebe Debattanten, liebe Projektbeteiligte, meine Damen und Herren, auch ich als Schirmherr heiße Sie herzlich willkommen zu unserem Bundesfinale 2008. Bei den vielen Debatten unseres Wettbewerbes, die ich in den letzten vier Jahren verfolgt habe, konnte ich immer wieder erleben, was der französische Essayist Joseph Joubert mit seinem Ausspruch meinte, dass "der Sinn einer Debatte nicht Sieg, sondern Gewinn" sei.

Sie alle hier haben es selbst oft erfahren können: Teilnehmer und Zuhörer einer guten Debatte gewinnen durch präzise, fair vorgetragene Argumente an Einsicht und Erkenntnis. Eine Debatte ist immer ein Wettstreit, bei dem um die besten Argumente gerungen wird. Aber im Gegensatz zur ursprünglichen Bedeutung des französischen Wortes "débat" geht es dabei nicht um das Niederschlagen des Gegners. Es geht vielmehr um Überzeugungskraft, um das Vertreten des eigenen Standpunktes und die Auseinandersetzung mit anderen Auffassungen.

Debatten sind Verstandesübungen, die eine Grundlage für Verständigung und gemeinsames Handeln schaffen. Sie helfen, die Welt von vielen Seiten kennen zu lernen, sie entlarven Totschlagargumente und: sie machen Spaß. Dies alles und damit letztlich die Fähigkeit, verantwortlich von der eigenen Freiheit Gebrauch zu machen - das zu erlernen und zu üben ist der Sinn von "Jugend debattiert", und deshalb bin ich dankbar, dass es diese Initiative gibt.

Sechs Jahre währt die Erfolgsgeschichte des Bundeswettbewerbs "Jugend debattiert" nun schon. Jahr für Jahr wächst die Zahl der Schüler, Lehrer und Schulen, die sich beteiligen - fast 200.000 Schülerinnen und Schüler waren es bisher insgesamt. "Jugend debattiert" ist also eine echte Erfolgsgeschichte, und noch etwas: "Jugend debattiert" hat sich, wie erfolgreiche Unternehmen das oft tun, diversifiziert. Neben dem starken Stamm des bundesweiten Wettbewerbs haben eine ganze Reihe kleinerer und größerer Ableger inzwischen Wurzeln geschlagen.

Der stärkste Ableger ist "Jugend debattiert International", das schon in sechs Ländern Mittel- und Osteuropas stattfindet, und bei dem es im letzten Herbst ein erstes internationales Finale mit allen Siegerinnen und Siegern der Landeswettbewerbe gab.

Hier wird auch deutlich, dass "Jugend debattiert" viel mehr ist als nur eine Rednerschule: Es schafft Begegnung über Landesgrenzen hinweg und leistet damit einen Beitrag zur Völkerverständigung. Mein Dank gilt hier insbesondere der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft und dem Goethe-Institut, die das internationale Projekt so wirkungsvoll unterstützt haben.

Ein weiteres fruchtbares Pflänzchen sind die Debatten in vielen Bundesländern vor Landtagswahlen mit den Spitzenkandidaten der Parteien. Hier wird ein weiteres wichtiges Anliegen unseres Wettbewerbs sichtbar: Erziehung zur Demokratie - die ist ohne die Fähigkeit zur Debatte, ohne den Austausch von Argumenten, ohne das Abwägen von Für und Wider und ohne das Werben für den eigenen Standpunkt gar nicht denkbar.

Daneben sind weitere Ideen entstanden: Schaudebatten zu verschiedenen Themen etwa oder jüngst der regionale Wettbewerb "Jugend debattiert Freiheit", dessen Sieger vor wenigen Wochen in der Frankfurter Paulskirche vor großem Publikum gekürt wurden.

Meine Damen und Herrn - und vor allem: liebe Lehrerinnen und Lehrer, ich weiß, dass hinter solchen Aktivitäten und dem Projekt insgesamt viel Mühe und großer Einsatz stecken. Hier arbeiten Schüler, Lehrer, Schulverwaltung, die Trainer und die Landesbeauftragten und nicht zuletzt die Mitarbeiter der fördernden Stiftungen und der Geschäftsstelle - und nicht zu vergessen: die Eltern - auf den unterschiedlichen Ebenen zusammen - von der ersten Debatte an der eigenen Schule bis hin zum heutigen Bundesfinale.

"Jugend debattiert" ist ein gutes Beispiel dafür, wie Bildung durch das Engagement und die Partnerschaft vieler Menschen und Institutionen gelingen kann. Gute Bildung liegt eben nicht nur in der Verantwortung der Schulen. Allen diesen Partnern möchte ich herzlich danken für Ihren unermüdlichen Einsatz. Danken möchte ich aber vor allem auch den Lehrerinnen und Lehrern. Ich weiß, dass Ihr Engangement für diesen Wettbewerb weit über das Stundendeputat hinausreicht, das Ihnen für "Jugend debattiert" erlassen wird. Sie leisten vorbildliche Arbeit. Das kann man nicht oft genug sagen.

Liebe Teilnehmer, die Früchte dieses Gemeinschaftswerks wollen wir jetzt ernten. Auch wenn wir heute alle Gewinner sind, wird es trotzdem auch Sieger geben, und die werden Sie gleich ermitteln.

Ich bin gespannt auf dieses Bundesfinale und wünsche uns allen anregende und lebhafte Debatten und den Teilnehmern Freude, Spaß und viel Erfolg!