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Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler bei seinem Besuch im Dessau-Wörlitzer Gartenreich

Der Bundespräsident und weitere Personen sitzen in einem Boot und fahren über einen See Wörlitz, 21. Juni 2008 Foto: Jürgen Gebhardt, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) © Foto: Jürgen Gebhardt, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

Meine Frau und ich hatten schon so viel über das Dessau-Wörlitzer Gartenreich gehört - nun sind endlich auch wir in Arkadien!

Ich danke Ihnen allen für den freundlichen Empfang. Vor allem aber danke ich Ihnen allen dafür, dass Sie als Freunde des Gartenreichs dies Kleinod bewahren helfen.

Ich will nun nicht ausgerechnet hier von Preußen sprechen; aber vorgestern hatte ich ein langes Gespräch mit Professor Hermann Parzinger, dem Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Er ist von Haus aus Archäologe und hat mir faszinierend geschildert, was moderne Archäologie will: Sie will verstehen, wie frühere Kulturen dachten und fühlten, welche Begriffe von Raum, Zeit und Ordnung sie hatten, welche Vorstellungen vom Sinn des Lebens und von seinen hellen und dunklen Farben, und wie sie aus alledem ihre Welt gestalteten.

Daran muss ich denken, wenn ich hier das Auge schweifen lasse. Das Dessau-Wörlitzer Gartenreich ist ein Landschaft gewordenes Programm der Aufklärung, es ist die bewusste Verbindung des Schönen mit dem Nützlichen und eine Synthese von Ernst und Heiterkeit des Daseins, die zu uns spricht fast wie zu den Zeiten Leopolds von Anhalt-Dessau und Erdmannsdorffs - und ohne dass wir der Archäologie als Führerin bedürfen. Ob es vielleicht doch so etwas gibt wie ein zeitloses Maß, das uns Menschen angemessen ist? Hier im Gartenreich könnte es wohl zu finden sein.

Sie werden verstehen, dass mir noch etwas große Freude macht: Ich erkenne in dem Programm, das vor 250 Jahren dieses Land geformt hat, durchaus meine Agenda 2020 wieder! Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau lernte vom Ausland, er modernisierte die Wirtschaft und die Verkehrswege seines Landes, er förderte ein vorbildliches Bildungswesen und die Wissenschaften, er stand für Toleranz und kluge Einwanderungspolitik, zum Beispiel im Verhältnis zu den Bürgern jüdischen Glaubens, die sich gern in seinen Fürstentümern ansiedelten, und er sorgte für gerechte Teilhabe - darum waren seine Parks von Anfang an für jedermann und jede Frau zugänglich.

Meine Damen und Herren, das Gartenreich war einmal etwa 200 Quadratkilometer groß, habe ich gelesen. Hüten wir gut, was davon bis auf uns gekommen ist, und bauen wir gemeinsam daran, ganz Deutschland zu verbessern für uns und für die, die nach uns kommen.

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