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Laudatio von Bundespräsident Horst Köhler auf den ehemaligen Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Herrn Helmut Geiger, aus Anlass seines 80. Geburtstages

Gruppenbild mit Ehepaar Köhler und Helmut Geiger Berlin, 30. Juni 2008 Foto: Christian Thiel, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) © Foto: Christian Thiel, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

Lieber Herr Geiger, meine Damen und Herren, seien Sie herzlich willkommen in Schloss Bellevue!

Ihr runder Geburtstag, lieber Herr Geiger, liegt gerade einmal gut zwei Wochen zurück. Auch an dieser Stelle noch einmal: Herzlichen Glückwunsch!

Meine Frau und ich, wir freuen uns, dass Sie alle unserer Einladung gefolgt sind, um heute gemeinsam Helmut Geiger zu ehren und Danke zu sagen für sein vielfältiges Engagement, mit dem er sich hohe Annerkennung in seinem Beruf und weit darüber hinaus erworben hat.

Es hat sich auf wunderbare Weise gefügt, dass wir wieder an einem 30. Juni zusammenkommen. Heute sind es nämlich auf den Tag genau 15 Jahre, seit Sie, lieber Herr Geiger, mir den Stab als Präsident des Deutschen Sparkassen und Giroverbandes übergeben haben. Als ich Ihnen nachfolgte, durfte ich von dem großen Wissensschatz profitieren, den Sie mir und dem Verband hinterlassen haben. Sie hatten 21 Jahre lang erfolgreich die Geschicke des DSGV - und damit der größten deutschen Kreditinstitutsgruppe - gelenkt.

Herausforderungen gab es in dieser langen Zeit der Verantwortung genug. Sie haben sie mit Energie, Pflichtbewusstsein und großer Sachkompetenz angenommen. Als überzeugter Europäer haben Sie die Veränderungen, die der europäische Binnenmarkt für die Sparkassen und für die kleinen und mittelständischen Unternehmen als eine der wichtigsten Kundengruppen mit sich gebracht hat, immer vor allem als Chance verstanden. Frühzeitig haben Sie erkannt: Das Verwalten von Spareinlagen und die Vergabe von Krediten reichen allein nicht aus, um im europäischen Markt mit seinem schärfer werdenden Wettbewerb zu bestehen. Die Ansprüche der Kunden hatten sich verändert: Auch kleine und mittelständische Unternehmen erwarteten von ihren Finanzinstituten zunehmend, dass sie sich als ganzheitliche Dienstleister und Berater verstehen und umfassende Leistungen "aus einer Hand" liefern. Darum haben Sie als Präsident des DSGV die Weiterentwicklung der Sparkassen zu wettbewerbsfähigen Universalbanken konsequent angemahnt - schon zu einer Zeit, als diese Notwendigkeit längst nicht von allen erkannt wurde.

Zu Ihren ganz großen Verdiensten, lieber Herr Geiger, gehört auch der Wiederaufbau der Sparkassenlandschaft in den ostdeutschen Bundesländern, also dort, wo die Idee eines Sparkassenverbundes ihre historischen Wurzeln hat. Denn vor genau 100 Jahren gründete Johann Christian Eberle in Sachsen den ersten Giroverband in Deutschland. Vielleicht auch deshalb haben Sie mit Weitblick und Entschlossenheit bereits kurz nach der Maueröffnung und noch vor der Wiedervereinigung den Anstoß dafür gegeben, die ostdeutschen Sparkassen aus der damaligen Staatsbank der DDR herauszulösen und als selbständige Institute zu etablieren. Ihrem starken persönlichen Engagement ist es auch zu verdanken, dass der DSGV ein umfassendes Partnerschaftsprogramm zwischen ost- und westdeutschen Sparkassen ins Leben rief. Sie haben damit einen raschen Wissenstransfer initiiert und den Sparkassen im Osten das nötige Rüstzeug für den marktwirtschaftlichen Wettbewerb gegeben. Zum Nutzen aller, wie wir inzwischen wissen. Denn die Sparkassen in Ostdeutschland haben sich zu einem wichtigen Partner für kleine und mittelständische Unternehmen, für die Kommunen und die Sparer entwickelt und sind ein wichtiger Faktor für die regionale Strukturpolitik in Ostdeutschland.

Lieber Herr Geiger, Ihre Arbeit war immer von hohem gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein geprägt. Sie waren ein Lobbyist im besten Sinne des Wortes, einer, der den Überblick behält nicht allein über die eigenen Anliegen, sondern auch darüber, was das Gemeinwohl fordert. Das war auch der Hauptgrund, dass Sie für die Politik immer ein besonders geschätzter Gesprächspartner waren. Das hat Ihnen in einer Umfrage unter Journalisten und Bundestagsabgeordneten den Titel "bekanntester und besonders kompetenter Repräsentant des deutschen Kreditwesens" eingebracht. Und maßgeblich dafür war nicht zuletzt auch Ihre Sachkompetenz und klare Sprache in Fragen der Geldwertstabilität.

Auf Ihre Initiative geht auch die Gründung der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation im Jahr 1992 zurück. Als gläubiger Christ, der auch in der kirchlichen Entwicklungshilfe engagiert war, haben Sie das Schaffen von gerechten Lebenschancen stets als universale Aufgabe verstanden. Deshalb ist es wohl auch kein Zufall, dass Sie fast Ihr ganzes Berufsleben der Sparkassenidee gewidmet haben. Es ist die Idee, auch einfachen und ärmeren Bevölkerungsschichten eine solide Möglichkeit zur Bildung von Ersparnissen und zur Aufnahme eines Kredits zu geben. Um diese Chancen auch den Menschen in Osteuropa, in Afrika, Lateinamerika und Asien zu eröffnen, hat die Sparkassenstiftung inzwischen mit über 90 Projekten geholfen, dezentrale Finanzdienstleistungsnetze aufzubauen. Das ist ein wichtiger Beitrag der Hilfe zur Selbsthilfe in den Transformations- und Entwicklungsländern. Ich freue mich, dass die Sparkassenstiftung dieses von Ihnen, lieber Herr Geiger, gegründete Engagement fortsetzt.

Auch in Ihrem persönlichen Leben spielt soziales und gesellschaftliches Engagement eine wichtige Rolle. Ich nenne an dieser Stelle pars pro toto Ihren außergewöhnlichen, jahrzehntelangen Einsatz für die deutsche Krebshilfe. Sie sind Gründungsmitglied sowohl der deutschen Krebshilfe als auch der Mildreed-Scheel Stiftung für Krebsforschung und haben diesen Organisationen als Präsident jahrelang eine Stimme gegeben, die weithin gehört wurde. Und auch in dieser Funktion haben Sie sich nach 1989 in besonderer Weise um die östlichen Bundesländer verdient gemacht. Mit großem Engagement haben Sie dort besondere Förderprogramme zur Krebsbekämpfung initiiert und so dazu beigetragen, rasch eine flächendeckende Versorgung von Krebspatienten mit Therapien auf der Höhe der ärztlichen Kunst zu ermöglichen.

Lieber Herr Geiger, Sie haben sich Ihr Leben lang durch herausragendes gesellschaftliches Engagement, Pflichtbewusstsein und Verantwortungsbereitschaft ausgezeichnet. Damit haben Sie sich unser aller Dank und Anerkennung verdient. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass Ihnen auch die Zukunft noch viele gesunde und erfüllte Jahre bringt.

Liebe Gäste, bitte erheben Sie mit mir das Glas auf Helmut Geiger: ad multos annos!