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Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler bei der Matinee aus Anlass des Musikfestes Berlin 2008

Der Bundespräsident gibt einem Musiker mit Geige die Hand, dahinter stehen weitere Musiker Berlin, 14. September 2008 Foto: Sandra Steins, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) © Foto: Sandra Steins, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

In diesen Tagen bestimmt das Musikfest Berlin das musikalische Leben hier in Berlin - und ich freue mich sehr, dass dank der Zusammenarbeit mit den Berliner Festspielen ein Konzert auch hier in Schloss Bellevue stattfinden kann. Herzlich willkommen! Schön, dass Sie da sind!

Sie kennen gewiss das Motto der diesjährigen Konzertreihe "Musik und Spiritualität". Und bestimmt sind Sie auch einem der Plakate begegnet, mit denen die Berliner Festspiele für dieses Ereignis werben: Nahaufnahmen von Musikerinnen und Musikern - den Blick gen Himmel gerichtet, entzückt, vielleicht auch etwas entrückt.
Mich haben diese Fotos angesprochen. Ich bin kein Philosoph und auch kein Musiker. Aber ich liebe Musik und weiß, was sie in uns auslösen kann: eben ein Glücksgefühl und auch eine Entrücktheit. Musik erinnert uns daran, dass es mehr gibt als das Alltägliche, das unser Leben normalerweise bestimmt. Musik ist Ausdruck einer Sehnsucht nach Sinn, nach einem erfüllten Leben, nach etwas, was über unser irdisches Leben hinausgeht, vielleicht Ausdruck einer Sehnsucht danach, dass Himmel und Erde nicht gänzlich und für immer getrennt sind.

Diese Sehnsucht gehört zu dem, was wir "Spiritualität" nennen. Sie ist in unserer Zeit nicht weniger gegenwärtig als zu anderen Zeiten. "Es war als hätt' der Himmel die Erde still geküsst..." - Zeilen wie diese, die von dem romantischen Dichter Joseph von Eichendorff stammen, bringen auch heute noch bei den meisten von uns eine Saite zum Klingen.

Nun ist dies hier nicht die "Morgenandacht mit Bundespräsident". Ich habe das Thema der Festspiele aufgegriffen, weil ich der Überzeugung bin, dass die Teilhabe am kulturellen Leben jedermann möglich sein muss, eben weil sie von so existentieller Bedeutung für uns Menschen ist. Museums- oder Konzertbesuche sind eben nicht bloß angenehme Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Sie inspirieren dazu, nach dem zu fragen, was jenseits des Tagesgeschehens liegt. Und vielleicht stillen sie zumindest für einen Augenblick die Sehnsucht nach Sinn.

Meine Damen und Herren, meine Frau und mich erinnert das folgende Programm an einige erhebende Momente. Mit dem Philharmonia Quartett Berlin und mit Wolfgang Rihm verbinden uns nämlich gemeinsame Erlebnisse. So habe ich Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch des Weltjugendtags in Köln ein Konzert dieses wunderbaren Quartetts geschenkt, das dann bei unserem Besuch im Vatikan im November 2006 gegeben wurde. Dem Papst hat das Konzert gefallen, und uns auch. Ein unvergessliches Erlebnis! Und Wolfgang Rihm haben wir kennen gelernt, als eine seiner Kompositionen, "Deutsches Stück mit Hamlet", bei dem Benefizkonzert des Bundespräsidenten im Herbst 2006 in der Bayerischen Staatsoper in München aufgeführt wurde.

Vielen Dank, verehrte Mitglieder des Philharmonia Quartetts, dafür, dass Sie heute hier sind und für uns spielen werden. Und vielen Dank auch Ihnen, lieber Wolfgang Rihm, dass wir gleich Ihre Musik hören werden und Sie uns an der Gedankenwelt eines Komponisten teilhaben lassen.

Der ungarische Komponist und Dirigent Peter Eötvös hat einmal gesagt, er wolle seine Zuhörer durch Klang verzaubern. In diesem Sinne: Lassen wir uns verzaubern!