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Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler zur Verleihung des Silbernen Lorbeerblattes an die Medaillengewinner der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele in Peking 2008

Der Bundespräsident spricht an einem Rednerpult. Berlin, 20. November 2008 Foto: Guido Bergmann, Presseund Informationsamt der Bundesregierung (BPA) © Foto: Guido Bergmann, Presseund Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

"Vorbilder durch Persönlichkeit und Leistung"

Manch einer von Ihnen wird sich über diesen eher ungewöhnlichen Ort für die Verleihung des Silbernen Lorbeerblatts gewundert haben. Nun, der Grund, warum wir heute hier und nicht in Schloss Bellevue zusammengekommen sind, ist sehr erfreulich: Die Zahl der Medaillengewinner von Peking, die heute die höchste staatliche Auszeichnung für Spitzenleistungen im Sport erhalten, ist so groß, dass die versammelte Gästeschar Schloss Bellevue an seine baupolizeilichen Grenzen geführt hätte. Darum also: Herzlich willkommen im Tempodrom!

Gerade vier Monate ist es jetzt her, dass ich Ihnen, liebe Athletinnen und Athleten, im Park von Schloss Bellevue meine guten Wünsche für die Olympischen und Paralympischen Spiele mit auf den Weg gegeben habe. Heute sind die Spiele von Peking bereits Sportgeschichte, und jeder von Ihnen blickt auf zwei Wochen voller Spannung, Freude, vielleicht auch auf manche Enttäuschung, in jedem Fall aber auf ein großartiges Erlebnis zurück, das Ihnen Ihr Leben lang in Erinnerung bleiben wird. Sie können sagen: Wir waren dabei. Und dabei sein ist bei Olympiade und Paralympics ja bekanntlich alles. Ich weiß sehr wohl: Das olympische Motto wird oft zitiert und klingt schön, doch die Erwartungen in der Heimat an die olympische und paralympische Mannschaft und auch Ihre eigenen Erwartungen waren andere: Dabei sein und eine Medaille nach Hause bringen, das war wohl für alle das Wunschziel, zumindest ein Traum. Sie, liebe Sportlerinnen und Sportler, die heute hier sind, haben alle eines gemeinsam: Sie haben dieses Ziel erreicht.

Sie haben Ihren Beitrag dazu geleistet, dass sich die Leistung der deutschen Mannschaften in Peking - mancher Enttäuschung über Pleiten, Pech und Pannen zum Trotz - durchaus sehen lassen kann: 41 Medaillen bei den Olympischen und 59 Medaillen bei den Paralympischen Spielen - das ist doch was! Freuen wir uns über das gewonnene Edelmetall! Allen Medaillengewinnern sage ich meinen herzlichen Glückwunsch!

Zugleich möchte ich auch all jenen meinen Dank und meine Anerkennung aussprechen, die unsere Athleten auf ihrem Weg begleitet haben: ihren Trainern, Betreuern und Angehörigen, den Verantwortlichen des Deutschen Olympischen Sportbundes, des Deutschen Behindertensportverbandes, der Deutschen Sporthilfe und nicht zuletzt den politisch Verantwortlichen, namentlich dem Bundesinnenminister, dem Bundesverteidigungsminister, dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages und den Sportministern der Länder. Ihnen allen Dank für Ihre Unterstützung, und bleiben Sie unseren Sportlerinnen und Sportlern weiterhin gewogen!

Den Spielen in Peking sind kritische politische Diskussionen vorangegangen. Es ist gut, dass der Sport diese Diskussionen über die Menschenrechtslage in China befördert hat. Sicher, auch während der Spiele ist deutlich geworden, dass China unter Meinungs- und Demonstrationsfreiheit etwas anderes versteht als wir. Dennoch haben sich die Chinesen als gute und weltoffene Gastgeber erwiesen. Die Organisation der Spiele hat Maßstäbe gesetzt, die Gastfreundschaft war - das werden Sie bestätigen - überwältigend. Ich glaube, dass die Spiele mit ihren vielen menschlichen Begegnungen dazu beigetragen haben, dass die Welt China aber auch China die Welt besser kennen und verstehen lernt.

Eines kam mir in den Kommentaren allerdings eher zu kurz: Dass den Paralympics in Peking die gleiche offizielle und öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wurde wie der Olympiade. Das gab es in dieser Form noch nicht. Peking war - nach Sydney und Athen - ein ermutigendes Signal für ein gleichberechtigtes Miteinander des Leistungs-sports der Menschen mit und ohne Behinderung.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Nach Peking kommt London. Ich weiß, dass viele von Ihnen jetzt schon auf 2012 schauen - und auch ich freue mich schon auf die nächsten Olympischen und Paralympischen Sommerspiele. Sportliche Spitzenleistungen haben einen langen Vorlauf, und der beginnt für London spätestens jetzt. Jetzt ist die Gelegenheit zu prüfen, wie man Stärken auf- und Schwächen abbauen kann. Das gilt für den einzelnen Athleten, für die Verbände wie auch für die Sportpolitik. Ich bin sicher, wenn alle an einem Strang ziehen und ihre Ressourcen optimal einsetzen, dann wird auch die Verleihung des Silbernen Lorbeerblatts 2012 wegen Platzmangels wieder nicht in Schloss Bellevue stattfinden können.

Lassen Sie mich noch ein paar Worte zum Silbernen Lorbeerblatt sagen. Von Theodor Heuss vor fast sechzig Jahren gestiftet, ist es gewissermaßen das Bundesverdienstkreuz des Sports. Mit dem Silbernen Lorbeerblatt werden herausragende sportliche Leistungen gewürdigt, die einhergehen sollen mit einer vorbildlichen menschlichen Haltung. Sportler mit Sportsgeist sind Vorbilder, denn sie beweisen Tugenden, die für unsere Gesellschaft sehr wichtig sind: Fairplay und Mannschaftsgeist, die eigene Anstrengung und die Anerkennung der Leistung anderer, das Gewinnen-Wollen wie das Verlieren-Können, die Anerkennung von klaren Regeln, die Freude am Spiel und die Bescheidenheit im Sieg.

Ob Sieger oder Verlierer, Profis oder Amateure, ob Olympioniken oder Hobbyathleten: Alle leisten sie ihren eigenen, unverzichtbaren Beitrag dazu, diese Tugenden zu stärken. Millionen Deutsche engagieren sich ehrenamtlich in Sportvereinen, treiben selbst aktiv Sport oder sind einfach nur sportbegeistert. Für diese und für viele andere sind Menschen wie Sie Vorbilder, weil Sie mit Ihrem Können, mit Ihrem Einsatz und mit Ihrer Fairness für all das Gute stehen, das unsere Gesellschaft hervorbringt und das sie nötig hat. Ihren Optimismus, Ihre Energie und Ihren Siegeswillen können wir in Deutschland gut gebrauchen. Jede und jeder von Ihnen verdient die besondere Anerkennung, die durch die Verleihung des Silbernen Lorbeerblatts heute zum Ausdruck kommt. Bleiben Sie so wie Sie sind und bleiben Sie damit das, was das Silberne Lorbeerblatt würdigt: Vorbilder durch Leistung und Persönlichkeit. Noch einmal: Herzlichen Glückwunsch und herzlichen Dank an Sie alle!